Waffenruhe im Iran-Krieg

Trump bezahlt einen hohen Preis für den Wackelfrieden

Die USA hat sich mit dem Iran auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand geeinigt. Trump hat den Frieden teuer bezahlt, kommentiert unser Außenpolitik-Experte Thomas Spang.

US-Präsident Donald Trump steht nach der Verkündung der Waffenruhe in der Kritik.

© IMAGO/Middle East Images

US-Präsident Donald Trump steht nach der Verkündung der Waffenruhe in der Kritik.

Von Thomas Spang

Der zweiwöchige Waffenstillstand der USA mit dem Iran ist eine gute Nachricht, weil es das unmittelbare Risiko einer massiven Eskalation verringert hat. Donald Trump hatte gedroht, in Iran über Nacht eine Zivilisation auszulöschen. Gleichzeitig bereiteten sich die Golfstaaten auf eine Zerstörung ihrer eigenen Infrastruktur vor.

Wie lange dieser Waffenstillstand Bestand haben wird, bleibt hingegen abzuwarten. Die Positionen liegen fast unüberbrückbar weit auseinander.

Trump bezahlt hohen Preis

Trump hat den Wackelfrieden teuer erkauft. Der Präsident musste den Zehn-Punkte-Forderungskatalog des Regimes als Grundlage weiterer Verhandlungen akzeptieren. Und erlaubt Iran offiziell, den Verkehr durch die Straße von Hormus militärisch zu kontrollieren.

Damit hat das Regime nach sechs Wochen Krieg mehr Einfluss über den internationalen Wasserweg als zu irgendeinem Zeitpunkt in der Vergangenheit. Gleichzeitig macht Iran keinerlei Anstalten, sein Nuklearprogramm aufzugeben. Und auch von einem Regimewechsel gibt es keine Spur.

Für einen dauerhaften Frieden fordern die neuen Führer Entschädigungen und den Abzug der US-Truppen aus der Region. Kaum zu glauben, dass auf dieser Grundlage eine dauerhafte Lösung des Konflikts erzielt werden kann.

Tatsächlich musste Trump all diese Zugeständnisse machen. Um es in der Sprache des Präsidenten zu sagen, handelte es sich um den größten TACO aller Zeiten. Wobei die Abkürzung für “Trump Always Chickens Out” steht.

USA haben moralische Autorität verloren

Leider haben die USA mit Trumps nicht akzeptablen Drohungen gegen Iran ihre moralische Autorität verloren. Von der restlos verlorenen Glaubwürdigkeit ganz zu schweigen. Im Vergleich zu dem verrückten Agieren des US-Präsidenten wirkt ein zynischer Kriegsverbrecher wie Wladimir Putin fast vernünftig.

Der russische Präsident reibt sich die Hände, dass Trump auch die Beziehungen zu den Verbündeten in Europa nachhaltig geschädigt hat. All das summiert sich zu einem strategischen Desaster für die USA, das komplett vermeidbar gewesen wäre. Und garantiert dabei nicht einmal ein Ende des Krieges.

Iran sitzt am längeren Hebel

So absurd es klingen mag: Iran sitzt trotz der militärischen Überlegenheit der USA und Israels im Moment am längeren Hebel. Wie sehr lässt sich daran ablesen, dass Trump dem Regime die Kontrolle über einen der wichtigsten Handelswege der Welt überlässt.

In den USA wird angesichts des bizarren Verhaltens Trump selbst im eigenen Lager die Frage lauter, ob der Präsident noch in der Lage ist, das Amt auszuüben. In der Verfassung gibt der 25. Verfassungszusatz die Möglichkeit dazu, ihn zu entfernen.

Im übertragenen Sinne wäre es bestimmt keine schlechte Idee, dem verrückten Onkel den Schlüssel zum Auto wegzunehmen. Denn Trump ist in seinem Zustand eine klare Gefahr für sich und andere. Spätestens seit den letzten 48 Stunden ist das nicht mehr zu übersehen.

Zum Artikel

Erstellt:
8. April 2026, 08:18 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen