Unnötiger Wirbel um Deniz Undav
Der VfB feiert einen dominanten Sieg bei Borussia Mönchengladbach. Der Stuttgarter Stürmer trifft – und hat dennoch schlechte Laune.
Von Philipp Maisel
Stuttgart - Eigentlich war alles angerichtet für Deniz Undav. Der Stürmer hatte, von der Bank kommend, eine sehr gute Leistung gezeigt und mit einem Tor kräftig dazu beigetragen, den dominanten Auftritt in Mönchengladbach zu Gunsten des VfB Stuttgart zu entscheiden. Auch seine Statistiken können sich sehen lassen. 15 Ballkontakte in nur 30 Minuten Spielzeit, 82 Prozent Passquote, 60 Prozent seiner Zweikämpfe hat der Stürmer für sich entschieden. Dazu gab es noch den vom Trainer Sebastian Hoeneß vor dem Spiel ausgelobten Döner für alle in der Kabine. Für den ausgewiesenen Döner-Freund Undav also eigentlich ein Sonntag, wie er im Buche steht.
Aber Undav war angefressen. Schon auf dem Platz hatte er nach seinem 3:0 mit seiner Jubelgeste angedeutet, dass doch bitte alle mal still sein sollen. Eine klare Reaktion auf die vom Boulevard aufgemachte Debatte der letzten Tage. „Ich war ja wieder der schlechte Stürmer, nachdem ich in zwei Spielen kein Tor gemacht habe. Und alle reden viel. Das nervt mich“, gab Undav vor den TV-Mikrofonen zum Besten. Ansonsten sprach er nicht, ließ die wartenden Journalisten einfach stehen.
Wie sehr ihn diese Debatte der letzten Tage rund um seine Person getroffen hatte, ließ sich da in etwa erahnen. Zumal er auch in Rom zuletzt klare Chancen ausgelassen hatte, das Tor trotz bester Möglichkeiten nicht traf. Doch genau genommen gab es die Debatte nur in den groß gedruckten Schlagzeilen. Denn weder diskutierten die Anhänger groß über ihren Publikumsliebling, noch gab es intern eine Diskussion um ihn.
„Ich verstehe eigentlich gar nicht, warum es dieses Diskussionsthema gab“, sagte zum Beispiel Torwart Alexander Nübel nach dem Spiel, und Sportvorstand Fabian Wohlgemuth bekräftigte: „Intern gibt es keine Diskussion rund um Deniz.“
Dementsprechend wäre es wohl besser gewesen, der Stürmer hätte es mit Gesten und Äußerungen zum Thema gut sein lassen, anstatt so der Scheindebatte wieder Nahrung zu geben. Wahrscheinlich lässt das Undavs Naturell auch einfach nicht zu.
Zu tief sitzt die Schmach aus seiner Jugend. Bei Werder Bremen wegen Übergewicht und Körpergröße durchgefallen, musste er einen harten Weg gehen. Über kleine Clubs in der Diaspora, zweite Mannschaften, untere Ligen. Ständig wurde er für nicht gut genug gehalten, immer wieder wurde ihm neue, anscheinend bessere Stürmer vor die Nase gesetzt. Doch Undav blieb beharrlich. Setzte sich durch, schaffte es über Meppen und Saint Gilloise in die Premier League zu Brighton and Hove Albion. Dann feierte er beim VfB seinen Durchbruch.
Nur, um nach Nick Woltemades Raketenstart wieder in Frage gestellt zu werden. Eine durchschnittliche Saison mit 19 Scorern in 38 Pflichtspielen stand am Ende nach dem Pokalsieg für ihn zu Buche. Zahlen, die Undav unbedingt verbessern wollte in dieser Saison.
Angesichts diesen Weges ist es verständlich, dass Undav im Borussia-Park so reagierte, wie er es tat. Aber Fakt ist auch: Bisher gelingt ihm das tadellos. Er hat jetzt schon die 19 Scorer aus der Vorsaison auf seinem Konto, dafür allerdings nur 24 Einsätze gebraucht.
