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Unterstützung in schwieriger Zeit

Die Murrhardter Ortsgruppe des Sozialverbands VdK, 1946 gegründet, begeht ihren 75. Geburtstag – holt ihn nun ein Jahr später nach. Sie zählt rund 380 Mitglieder und hilft Menschen über den Landesverband bei Fragen zu Rente, Armut, Behinderung, Gesundheit und Pflege.

„Wir machen uns für alle stark, die nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, so der Sozialverband VdK. „Denn ein Augenblick kann alles ändern – wer nach einem Unfall nicht mehr arbeitsfähig ist oder nach einer schwerwiegenden Krankheit eine Reha beantragen möchte, braucht Hilfe.“ Fachleute unterstützen, aber auch Ortsvereine im Sinne einer Solidargemeinschaft sind wichtig. Foto: AdobeStock/frittipix

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„Wir machen uns für alle stark, die nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, so der Sozialverband VdK. „Denn ein Augenblick kann alles ändern – wer nach einem Unfall nicht mehr arbeitsfähig ist oder nach einer schwerwiegenden Krankheit eine Reha beantragen möchte, braucht Hilfe.“ Fachleute unterstützen, aber auch Ortsvereine im Sinne einer Solidargemeinschaft sind wichtig. Foto: AdobeStock/frittipix

Von Christine Schick

Murrhardt. Fritz Scharfenberg, Vorsitzender des VdK Murrhardt, hat Ordner und Hefte aus den Anfangszeiten herausgesucht. In der Walterichstadt hat sich früh eine Ortsgruppe zusammengefunden. Rund anderthalb Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich Murrhardter, allen voran zwei Männer, dazu entschlossen, einen lokalen Verband ins Leben zu rufen. „Als Hauptgründungsmitglieder können neben anderen besonders die Kameraden Sieger vom Reichsbund des Ersten Weltkrieges und Kamerad Gut erwähnt werden“, heißt es in einem Protokoll zur Hauptversammlung, bei der über die 50. Jahresfeier des VdK Murrhardt berichtet wurde.

Gemeinnützig und überparteilich

Somit war die Walterichstadt genauso schnell wieder aktiv wie Engagierte auf Landesebene. Vertreter aus Baden und Württemberg fanden sich ebenfalls 1946 zu einer konstituierenden Sitzung zusammen, um den „Landesverband der Körpergeschädigten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen für Württemberg-Baden“ zu gründen. Die Bezeichnung Kriegs- oder Wehrdienstopfer war seitens der französischen Militärstreitkräfte damals als Name verboten. Auf Bundesebene firmierte der VdK 1950 dann unter dem Titel „Verband der Körperbehinderten, Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“. In den über 70 Jahren hat sich der VdK vom ehemaligen Kriegsopferverband zum größten Sozialverband mit den entsprechenden Landesvertretungen entwickelt und versteht sich heute als gemeinnützige, überparteiliche Interessenorganisation aller Sozialversicherten und Menschen mit Behinderung in Deutschland. „Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Werte soziale Gerechtigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe und der Erhalt der sozialen Sicherungssysteme“, schreibt der VdK Baden-Württemberg zur Einordnung.

Was heißt das für einen VdK Murrhardt und das Engagement vor Ort? „Ich bin eine Art Lotse, informiere Mitglieder, an wen sie sich bei bestimmten Fragestellungen wenden, wo und wie sie Unterstützung bekommen können“, sagt Vorsitzender Fritz Scharfenberg. Es besteht eine Art Arbeitsteilung von hauptamtlich Zuständigen und ehrenamtlich Engagierten. Dies hat vor allem den Hintergrund, dass das Gebiet groß, komplex und von ständigen, teils auch gesetzlichen Änderungen gekennzeichnet ist. Nicht selten kommen bei konkreten Fällen auch Interessenskonflikte ins Spiel. „Es gibt nicht wenige Fälle, die vors Sozialgericht gehen. Der Landesverband hat 52 Anwälte angestellt“, berichtet Fritz Scharfenberg. Im Zusammenhang mit Fragen zu Renteneintritt oder Anträgen in Sachen Schwerbehinderung kann es schnell kompliziert werden und insofern heißt es für den Vorsitzenden, entsprechend an die Fachleute weiterzuvermitteln und im Zweifel auch mal an die Rechtsabteilung zu verweisen. Immer wieder stellt er fest, dass die Unterstützungsmöglichkeiten des Verbands nicht allen bekannt sind. „Man kann jederzeit Mitglied werden und das Gute ist, dass der VdK dann eben auch Hilfe anbieten kann.“ Dies betrifft beispielsweise auch Bereiche wie Patienten- und Wohnberatung.

Im Gesundheitssystem gibt es nicht nur verschiedene Ansprechpartner wie Kassen, Ärzte oder Pflegestützpunkte, auch die Regelungen ändern sich kontinuierlich. Der VdK informiert, berät und begleitet dabei bei verschiedensten Fragestellungen. Nicht selten sind es Schicksalsschläge wie gesundheitliche Probleme oder Pflegebedürftigkeit, die die Menschen in Kontakt mit Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten bringen und manchmal dann auch in eine Mitgliedschaft münden.

Ob es die Pflegeberatung ist, die eine Krankenkasse zweimal im Jahr anbieten muss, oder Hilfe bei einem behindertengerechten Umbau des Bads, Fritz Scharfenberg sagt: „Was den Menschen gesetzlich zusteht, sollten sie auch bekommen.“ Seit mittlerweile 20 Jahren ist er beim VdK als Vorsitzender engagiert. Warum?

Die Arbeitsbelastung verändert sich

„Gerne geholfen habe ich eigentlich immer schon, auch in meinem Arbeitsumfeld, als ich noch als Technischer Betriebsleiter tätig war“, erzählt er. Da mal ein Tipp, dort mal eine Unterstützung beim Ausfüllen eines Antrags oder von Formularen bei Verständnisschwierigkeiten. Als ihn Mitglieder 2002 ansprachen, ob er nicht den Vorsitz des VdK-Ortsverbands übernehmen könnte, übernahm er zunächst kommissarisch, später komplett. Augenfällig verändert haben sich für ihn über die Jahre die Belastungen, die mit dem Arbeitsleben verbunden sind und von denen er über sein Engagement erfährt. Seien es früher vor allem körperliche Probleme gewesen, so stünden mittlerweile der Druck und in Folge eher psychische Beeinträchtigungen im Mittelpunkt. Für ihn auch nicht verwunderlich, denn es habe zwar die Wochenarbeitszeit abgenommen, aber nicht die Arbeit. Das Stichwort dafür lautet heute „Arbeitsverdichtung“. Als Thema ebenfalls präsenter geworden ist die Pflege.

Nicht einfach für die Menschen, insbesondere die älteren Mitglieder, waren die Pandemie sowie die mit ihr verbundenen Einschränkungen und Folgen. Das war für Fritz Scharfenbergs Frau Ingrid deutlich zu spüren, die sich seit zehn Jahren als Frauen- und Hinterbliebenenvertreterin beim VdK Murrhardt engagiert. Runde und hohe Geburtstage von Mitgliedern sind Anlass für einen Besuch und so können übers Jahr schon mal um die 30 Termine zusammenkommen. In Zeiten eines höheren Infektionsgeschehens hat sich dies auf ein Telefonat beschränkt, teils ließ sich ein kleines Präsent vorbeibringen oder auf Abstand sprechen. Nun sind aber neben der Jubiläumsfeier auch wieder Treffen geplant, aktuell beispielsweise der Ausflug in eine Besenwirtschaft, um Austausch und Miteinander pflegen zu können.

Geburtstag Die Feier „75 Jahre VdK-Ortsverband Murrhardt“ für die Mitglieder des Ortsvereins findet am Samstag, 24. September, um 14 Uhr im Forum des Erich-Schumm-Stifts in Murrhardt statt.
Fritz Scharfenberg mit Infomaterial inklusive der VdK-Zeitung. Seit zwei Jahrzehnten engagiert er sich als Vorsitzender für den Murrhardter Ortsverband des VdK. Foto: Jörg Fiedler

© Jörg Fiedler

Fritz Scharfenberg mit Infomaterial inklusive der VdK-Zeitung. Seit zwei Jahrzehnten engagiert er sich als Vorsitzender für den Murrhardter Ortsverband des VdK. Foto: Jörg Fiedler

Deutlicher Mitgliederzuwachs

Mitgliederstark Der VdK-Ortsverband Murrhardt besteht seit 1. August 1946, zunächst mit zwei Mitgliedern, im Folgejahr waren es bereits 17 Personen. Karl Fürst war der erste Vorsitzende (1948 bis 1951). Über die 1950er-Jahre wuchs die Zahl auf knapp 90 an, 1967 wurde die 100er-Marke geknackt. Der Verein verzeichnete über die Jahrzehnte immer mehr Eintritte – 1980 waren es 120 Mitglieder, 1990 zählte er 156 und 2000 dann 178 Mitglieder. 2010 waren es bereits 270, und der Trend scheint bis heute mit 381 Mitgliedern nicht gebrochen.

Informationsstark Der Sozialverband VdK berät zum Sozialrecht, engagiert sich in sozialpolitischen Fragen und die ehrenamtlichen Helfer unterstützen die Arbeit in ihren Kreis- und Ortsverbänden. Es gibt zahlreiche Informationsmöglichkeiten, beispielsweise über die VdK-Zeitung (auch zum Hören), Webseminare, VdK-TV sowie Podcast. Weitere Infos auf www. vdk-bawue.de.

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Erstellt:
23. September 2022, 06:00 Uhr

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