Vandalismus an Stuttgarter Brezelkörble

Die Verkaufsstellen für Laugengebäck und anderes auf der Königstraße werden immer wieder mit Farbe und Grafitti beschmiert.

Von Nina Scheffel

Stuttgart - Sie prägen seit Jahrzehnten das Stuttgarter Stadtbild und sind von der Königstraße nicht wegzudenken – die drei traditionsreichen Brezelkörble, bei denen Brezeln und andere Backwaren der Cannstatter Bäckerei Frank über die Theke gehen.

Doch seit einiger Zeit erfreuen sich Passantinnen und Passanten nicht mehr nur am frischen Brezelduft, sondern beschweren sich über verschmierte und mit Graffiti übersäte Brezelhütten. Erst kürzlich wurde ein Leser unserer Zeitung auf das Brezelkörble auf der unteren Königstraße nahe des Hauptbahnhofs aufmerksam, das sich in einem verwahrlosten Zustand befinde.

Für Rita Frank, die die Bäckerei Frank gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Frank betreibt, sind die Schmierereien ein altbekanntes Ärgernis. „Das ist ganz übel. Wir streichen die Hütten immer wieder frisch an, doch einen Tag später sind sie wieder beschmiert“, klagt sie. Eine Pause über Weihnachten und Neujahr habe es bislang nicht zugelassen, sich um das beschmierte Brezelkörble auf der unteren Königstraße zu kümmern. Zudem seien die Hütten im Laufe der Jahre zum Teil baufällig geworden und man müsste sie erneuern. Das sei jedoch auch eine Kostenfrage, gibt Frank zu bedenken. „Das ist ein echtes Problem. Es ist ein Fass ohne Boden.“

Das Problem betreffe alle Brezelkörble auf der Königstraße, nahe des Hauptbahnhofs sei die Situation jedoch besonders extrem. „Wir müssen alle paar Monate nachbessern. Eigentlich müssten wir Handwerker beauftragen, die sich die Hütten jede Woche anschauen, aber das rechnet sich nicht“, so Rita Frank. Häufig müssten die Betreiber selbst mit der Sprühdose ran, um die Hütten spontan von Schmierereien und Graffiti zu befreien.

Das Brezelkörble nahe des Hauptbahnhofs solle zeitnah wieder von Graffiti und Co. befreit werden, sagt Rita Frank – langfristig haben die Betreiber jedoch keine alltagserprobte Lösung parat. Einen Versuch, die Brezelkörble vor Vandalismus zu schützen, gab es in der Vergangenheit bereits. „Eine Zeit lang haben wir die Außenwände mit weißen Plexiglasplatten belegt, um die Schmierereien zu bedecken, aber in den Hütten ist so wenig Platz, daher war es schwierig, die Platten dort dauerhaft unterzubringen“, sagt Rita Frank. „Das haben wir dann aber wieder verworfen, denn auch die Platten werden zerstört.“

In Stuttgart kommt es immer wieder zu Vandalismus. Laut Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Stuttgart wurden im Jahr 2024 genau 4780 Fälle von Sachbeschädigung zur Anzeige gebracht, im Vergleich zum Vorjahr waren es sechs Prozent mehr. Unter Sachbeschädigung speziell durch Graffiti führt die Polizei Stuttgart für das Jahr 2024 rund 1000 Fälle auf. Auch hier zeigt sich ein Anstieg der Straftaten von 13,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damals wurden rund 880 Fälle zur Anzeige gebracht.

Die Brezelkörble sind ein Stuttgarter Unikat mit langer Tradition. Die Bäckerei Frank hat sie im Jahr 2001 übernommen. Ins Leben gerufen hatte sie die im Jahr 2016 verstorbene Stuttgarter Bäckermeisterin Ursula Zotz-Füess bereits in den 70er-Jahren.

Ursprünglich hatte es in Stuttgart insgesamt vier Brezelkörble gegeben, der Standort am Rotebühlplatz wurde aber vor einigen Jahren aufgegeben.

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Erstellt:
11. Januar 2026, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
11. Januar 2026, 23:57 Uhr

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