Günter Baumann über Vera Mercer

„Vera Mercer vereint ein Leben zwischen Kunst, Kulinarik und Opulenz“

Mit 89 Jahren wird die Fotokünstlerin Vera Mercer international gefeiert. Stuttgart spielt hier eine besondere Rolle, sagt Günter Baumann von der Galerie Schlichtenmaier.

Günter Baumann mit einem Werk von Vera Mercer

© Schlossfestspiele Ludwigsburg/Esther Janiesch.

Günter Baumann mit einem Werk von Vera Mercer

Von Nikolai Forstbauer

1936 in Berlin geboren, zählt die in Omaha in den USA lebende Fotografin Vera Mercer seit Jahrzehnten zu den wichtigen Kunstpersönlichkeiten. Mit 89 Jahren erlebt sie aktuell eine Wiederentdeckung. Und Stuttgart spielt dabei eine zentrale Rolle. Wieso, das erklärt Günter Baumann, Mit-Geschäftsführer der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart und Grafenau.

Herr Baumann, Vera Mercer ist ein großer Name in der Fotografie. Und es ist ein relativ neuer Name für die Galerie Schlichtenmaier. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Ich kannte wie wir vielleicht alle einige ihrer Porträts. Zurecht berühmt sind ja die Bildnisse etwa von Samuel Beckett oder Marcel Duchamp. Aber ich kannte eben nur die Fotos, wusste gar nicht, von wem sie stammten. Als wir 2020 eine Sommerausstellung zum Thema Blumen in Schloss Dätzingen machten, schlug mir die unserer Galerie lange verbundene Fotokünstlerin Luzia Simons vor, Werke von Vera Mercer mit in die Ausstellung zu nehmen.

Bis zur Einzelpräsentation hat es dann aber gedauert ...

Das stimmt. Tatsächlich gab es zunächst gar nicht so viele verfügbare Arbeiten. Aber auch wegen der Entfernungen zwischen Veras Wohnsitz Omaha und Stuttgart beziehungsweise Dätzingen entwickelten wir eine kreative Geduld: Sie weiterhin zeigen zu wollen und einen günstigen Augenblick abzuwarten.

Bei diesem „günstigen Augenblick“ müssen Sie Vera Mercer ja sehr überzeugt haben – ein großer Auftritt bei den Schlossfestspielen Ludwigsburg 2025, eine große Bühne auch auf der Art Karlsruhe 2026, zudem die aktuelle Schau am Galerie-Stammsitz Schloss Dätzingen – was ist der Schlüssel für Ihre Allianz?

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele waren das ideale Ambiente für die erste Einzelausstellung der Galerie Schlichtenmaier, zu deren Eröffnung Vera eigens aus den USA anreiste. Der Festspielleiter Lucas Reuter hatte Veras Werk auf unserer Homepage entdeckt - und so entstand eine Kooperation mit einer viel beachteten Ausstellung in der Alten Porzellanmanufaktur der Residenz im Mittelpunkt. Das brachte einen Stein ins Rollen, der überspitzt gesagt wie ein kleiner Triumphzug bis Karlsruhe und zurück nach Dätzingen führte.

Produziert wurden die neuen Arbeiten im Fotofachlabor Prolab in Stuttgart. Hilft das, wenn die Arbeiten quasi „direkt“ entstehen?

2020 waren die Arbeiten noch als Papierausdruck unter Glas produziert worden. Dass Vera im Lauf des letzten Jahres ganz auf die Produktion in Stuttgart überging – und auch persönlich die Prolab-Produktion genau erkundete –, war eine weitere gute Fügung. Das macht die Wege trotz des interkontinentalen Kontakts recht kurz. Etliche aktuelle Anfragen können so tatsächlich rasch befriedigt werden.

Die Schau in Dätzingen ist nun gar bis April verlängert. Was macht für Sie in aller Kürze die Bildwelt von Vera Mercer aus?

In ihrem Werk vereint Vera die Fülle ihres langen Lebens zwischen Bühne, Pariser Kunstszene, Kulinarik und Opulenz mit einer ganz eigenen licht- und farbintensiven Inszenierungsfreude. Und dies alles bestimmt von einem ungebrochenen Schaffensdrang.

Und gibt es Pläne für eine weitere Zusammenarbeit?

Die jüngsten Arbeiten machen neugierig auf mehr – und die Breite des fotografischen Werks ist längst nicht ausgeschöpft. Sicher werden wir anlässlich des 90. Geburtstags im November 2026 auf diese bewundernswerte Künstlerin aufmerksam machen.

Günter Baumann

Leben für die Kunst 1962 geboren, studierte Günter Baumann Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Stuttgart, München, Amsterdam und Leiden. Der promovierte Kunstwissenschaftler war zunächst im Verlag Philipp Reclam jun. tätig. Seit 2013 gehört er zum Team der Galerie Schlichtenmaier in Stuttgart und Grafenau.

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Erstellt:
6. März 2026, 21:36 Uhr

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