Meistgebautes deutsches Kettenfahrzeug
Vergrabenes Sturmgeschütz der Wehrmacht kommt ins Museum
Auf einem Militärflugplatz in Norddeutschland stoßen Bauarbeiter auf ein vergrabenes Kettenfahrzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Gefährt entpuppt sich als ein Sturmgeschütz der Wehrmacht. Ein sehr seltener Fund.
© A. Hüser/Archäologische Denkmalpflege Landkreis Cuxhaven
Anfang Juni bargen Experten das vergrabene Sturmgeschütz III.
Von Markus Brauer/dpa
Bauarbeiter sind beim Baggern zufällig auf ein Sturmgeschütz aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Das nahezu vollständig erhaltene Panzerfahrzeug sei ein „historisch bedeutendes Fundobjekt“, sagte Mariel Kubatz von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. „In der Regel findet man eher Einzelteile.“
29 Tonnen schweres Fahrzeug
Experten bargen das 29 Tonnen schwere Gefährt bereits Anfang Juni mit einem Kran. Im August soll das Wrack ins Deutsche Panzermuseum Munster (Heidekreis) gebracht und ausgestellt werden.
Das Museum möchte das Sturmgeschütz genauer untersuchen und stabilisieren. Wie lange es dortbleiben wird, ist noch unklar. Perspektivisch soll das Fahrzeug im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden gezeigt werden.
Was ist ein Sturmgeschütz?
Das Sturmgeschütz „StuG III“ erinnert an einen Panzer, ist aber kleiner und wendiger. Es hatte keinen drehbaren Turm. Um die nach vorn zeigende Kanone auszurichten, musste das gesamte Fahrzeug wenden.
Das Sturmgeschütz III war das meistgebaute Vollkettenpanzerfahrzeug der deutschen Wehrmacht. Es wurde vor Beginn des Zweiten Weltkriegs als stark gepanzertes Unterstützungsfahrzeug für die Infanterie im Rahmen einer Zusammenarbeit von Daimler-Benz und der Krupp AG entwickelt.
Die ursprüngliche Aufgabenstellung des Fahrzeuges veränderte sich im Verlauf des Krieges vom vorherigen Einsatz als Sturmartillerie hin zu einer Verwendung in der Panzerabwehr.
Klein, unscheinbar, effektiv
Das Sturmgeschütz III war klein, unscheinbar und gerade deshalb besonders effektiv. Es galt nicht als Kampfpanzer, sondern gehörte zur Sturmartillerie. Die Wehrmacht fasste ihre Kampfpanzer in eigenen Verbänden zusammen, die unabhängig von der langsamen Infanterie schnelle Angriffe und tiefe Durchbrüche erzielten.
Die Infanterieverbände erhielten fahrbare, eher leicht gepanzerte Kanonen, die ihnen halfen, gegnerische Stellungen und Bunker direkt zu bekämpfen. Sie erfüllten die klassische Rolle eines Begleitpanzers, wie er bereits im Ersten Weltkrieg genutzt wurde.
„Bestseller“ der deutschen für die deutsche Panzertruppe
„Das war ein Bestseller“, sagte Henning Haßmann, Landesarchäologe beim Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (NLD). Der Rüstungskonzern Rheinmetall produzierte damals mehr als 9300 Stück. Die Fahrzeuge wurden noch bis April 1945 gefertigt und ausgeliefert, um gegnerische Panzer abzuschießen.
Das nun gefundene Gefährt gehörte einer Brigade aus Nordholz, die vor allem in Frankreich stationiert war. Ob das Sturmgeschütz dort auch unterwegs war, ist noch unklar.
Experten sind sich aber sicher, dass das Fahrzeug einige Zeit im Einsatz war. Davon zeugen mindestens 17 weiße Markierungen am Kanonenrohr. „Für jeden vernichteten Panzer hat man hier wohl offensichtlich eine solche Markierung angebracht“, erklärte Andreas Hüser, Leiter der Archäologischen Denkmalpflege im Landkreis Cuxhaven.
Warum das Wrack im Sand verbuddelt war
Die Archäologen gehen davon aus, dass die Alliierten das Fahrzeug kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Graben mit weiterem Militärzubehör vergruben. Bei den Ausgrabungen wurden noch Munitionsreste und kleinere Granatensplitter gefunden.
Das Sturmgeschütz war am Rande einer Böschung im trockenen Sand verbuddelt und ist deshalb hervorragend erhalten. An einigen Stellen lässt sich noch die Tarnfarbe erkennen, an einer Seite sieht das Fahrwerk fast wie neu aus. Experten gehen davon aus, dass die Laufrolle und die Räder noch kurz vor Kriegsende ausgetauscht wurden.
Das Vergraben von Sturmgeschützen III und anderem Wehrmachtsgerät war bei den Alliierten eine gängige Entsorgungspraxis. Sie wollten den Kriegsschrott schnell beseitigen und nutzten dafür vorhandene Bombentrichter, Verteidigungsgräben oder Moore, um das militärische Material kostengünstig und unkompliziert verschwinden zu lassen, so dass es nicht in falsche Hände geriet.
Was ein Blick ins Innere verrät
Das Fahrzeug lässt sich problemlos öffnen, erläuterte Hüser. „Der Blick ins Innere ist sehr eindrucksvoll.“ Der Fahrersitz ist erhalten, ebenso wie die Vorrichtungen für die Kanone. „Es ist schon bedrückend eng.“
Das Sturmgeschütz wurde von vier Soldaten gesteuert: Ganz vorn saß der Fahrer, hinter ihm richtete ein Soldat die Kanone aus. Auf Befehl seines Kommandanten wurde die Kanone abgefeuert, ein vierter Soldat war für das Nachladen der Kanone zuständig.
