Vermisster Trottwar-Verkäufer ist tot
Zweieinhalb Monate nach dem Verschwinden von Sven K. wurde er nun tot im Wald aufgefunden.
Von Hilke Lorenz
Stuttgart - Es ist das Ende, das alle insgeheim befürchtet hatten. Sven K., der Mann, den viele als Trottwar-Verkäufer aus Stuttgart-Freiberg kannten, lebt nicht mehr. Wie seine Schwester auf der Facebookseite mit der Suche nach ihm mitgeteilt hat, wurde er am 27. Dezember tot aufgefunden. „Er kann nun seine letzte Ruhe finden“, schreibt sie und bedankt sich bei allen, die ihren Suchaufruf in den sozialen Netzwerken geteilt und Anteil genommen haben. Die Fundstelle des Vermissten liegt in einem Wald in der Gegend um Kirchheim/Teck. Offenbar hat eine Spaziergängerin die sterblichen Überreste des 43-Jährigen entdeckt. Das zuständige Polizeipräsidium Reutlingen bestätigt den Fund. Nach Prüfung durch die Kriminalpolizei lägen keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, also eine Straftat, vor. Sven K., der in Freiberg in einer betreuten Einrichtung lebte, war am 13. Oktober zum letzten Mal gesehen worden. Seine Schwester wandte sich auf der Suche nach ihrem Bruder auf Facebook an die Öffentlichkeit.
Es meldeten sich daraufhin auch Menschen mit Spurensuchhunden privat bei der Familie. Die Suche nach Sven K., der an psychischen Problemen litt, blieb jedoch erfolglos. Die Spur, welche die Hunde aufnahmen, führte zurück zu der Wohneinrichtung, in der er ein Zimmer bewohnte.
Auch bei Trottwar, wo der Stuttgarter als Verkäufer und als Autor für die Straßenzeitung aktiv war, ist man sehr betroffen von der Nachricht über seinen Tod. Seit 2021 hat Sven K. dort Zeitungen verkauft. „Wir trauern um Sven“ ist auf der Instagramseite zu lesen. Auch bei Trottwar wurde man von seinem Verschwinden überrascht. Sven habe noch an einem Text gearbeitet, in dem er das Leben der Stadttauben mit dem von Wohnsitzlosen vergleichen wollte, berichtete Daniel Knaus von Trottwar kurz nach dem Verschwinden. Beide würden ähnlich diskriminiert werden. Sven K. kannte die Welt derer, die am Rand der Gesellschaft stehen, aus eigenem Erleben und seinen Begegnungen offenbar gut. Er plante, in Stuttgart alternative Stadtführungen anzubieten.
Für Knaus, der in der Zeit vor dem Verschwinden oft mit Sven K. in den Geschäftsräumen zusammengesessen hatte, ist der Tod noch immer unbegreiflich. Er erinnert sich an das sanfte Auftreten des Verstorbenen. Der Tod im Wald hat für ihn eine „verstörende Komponente“, obwohl er gleichzeitig auch sagt: „die Sterblichkeit unserer Klientel ist hoch.“ In einem Schrank, der als Erinnerungsschrein fungiert, gedenken sie ihrer Verstorbenen. Dort wird jetzt auch das Bild von Sven K. einen Platz bekommen.
