VfB-Chef kündigt Museum für 2030 an

Im Jahr 2030 soll das VfB-Museum fertig sein. Dies kündigt VfB-Chef Alexander Wehrle beim Schauspiel an – und sendet eine klare Botschaft für Zusammenhalt in Zeiten der politischen Spaltung.

Von Uwe Bogen

Stuttgart - „Der VfB ist ein Club, der viel mehr zu bieten hat als Geld.“ Dieses Zitat des ARD-Reporters Tom Bartels passt perfekt zum Treffen der großen VfB-Familie am Eckensee in der Stuttgarter City. Auch wenn es quasi ein „Auswärtsspiel“ außerhalb der MHP-Arena ist, fühlt es sich trotzdem wie zu Hause an: Man kennt sich, verbindet Kultur mit Sport – zwei Bereiche, die vieles gemeinsam haben und die Stuttgart voranbringen.

Im Schauspiel Stuttgart eröffnet der Verein die Ausstellung „Ein Brustring schreibt Geschichte – 100 Jahre Brustring“ – ein Abend voller Emotionen, Erinnerungen und klarer Botschaften.

Etwa 150 geladene Gäste aus Kultur, Wirtschaft, Sport und Politik sind gekommen, stolz auf die große Geschichte des „aktuellen Dritten der Bundesliga“, wie Alexander Wehrle mit strahlenden Augen sagt. Der Vorstandsvorsitzende des VfB denkt in seiner Rede weit über das Spielfeld hinaus. In einer Zeit, „in der ein Riss durch unsere Gesellschaft geht“, ruft er dazu auf, sich klar zur Demokratie zu bekennen und Verantwortung zu übernehmen. Seine Worte erhalten kräftigen Applaus.

Auch Burkhard C. Kosminski, Intendant des Schauspiel Stuttgart, findet deutliche Worte: „Lasst uns einen Brustring gegen Rassismus schmieden.“ Ein Satz, der den Abend auf den Punkt bringt – und zeigt, dass der VfB bewusst den Schritt aus dem Stadion in die Stadtgesellschaft macht.

Wer das Schauspielhaus betritt, merkt sofort, dass hier Fußballgeschichte erzählt wird: Schon an den Türen begrüßt der rote Brustring über die Scheiben die Besucher. Durch den Abend führt Moderatorin Kimsy von Reischach. Neben Wehrle sprechen Norwin Graf Leutrum von Ertingen, der Vorstandssprecher der BW-Bank, dem Sponsor, sowie Legenden wie Hansi Müller und Cacau.

Müller erinnert an die 1970er. Kaum hat er 1977 sein Abitur mit der Note 3,9 bestanden – „ich habe es seitdem nicht mehr gebraucht“ –, feiert er beim VfB seine ersten großen Erfolge. Damals wird er wie ein Popstar verehrt, inklusive Starschnitt in der „Bravo“. Zehntausende Autogrammwünsche gehen bei ihm ein. „Heute kann ich es ja verraten“, sagt der ewige Hansi und strahlt: Ein Freund aus Echterdingen habe ihm einst beim Unterschreiben geholfen. Auch Alexander Wehrle erzählt eine persönliche Geschichte: Seine erste Schauspielrolle in der Schule sei ein „stummer Baum“ gewesen. Heute wolle der VfB stärker Teil der Stadt sein. Stuttgart habe mit Ballett, Oper und Schauspiel Kulturinstitutionen, „die in der Champions League spielen“. Genau dorthin wolle auch der VfB – auch wenn das nicht immer gelinge.

Hansi Müller kontert prompt: Der Anspruch müsse sein, immer in der Königsklasse zu spielen. Schließlich steht der VfB, wenn man alle Tabellen der Bundesliga zusammenrechnet, historisch auf Platz vier.

Cacau erklärt, warum das Team im Meisterjahr 2007 im roten Trikot mit weißem Brustring aufgelaufen ist. „Rot macht aggressiver“, habe Trainer Armin Veeh gesagt.

Die Ausstellung zeigt viele Erinnerungsstücke aus der Vereinsgeschichte – darunter auch einige der rot-weißen Fahnen, mit denen die Fans am 30. August 2025 den 100. Geburtstag des Brustrings mit einer Gänsehaut-Choreografie gefeiert haben. 60.000 Fahnen waren damals im Stadion zu sehen.

Der Brustring entstand aus einer Entwicklung, die im Oktober 1924 begonnen hat. Damals erschient in den Vereinsnachrichten ein anonymer Appell eines Mitglieds, das kritisiert, dass die Mannschaft ihre eigenen Farben des 1893 gegründeten Vereins zu selten trägt. Aus dieser Debatte entwickelte sich schließlich das markante Trikotdesign, das bis heute zu den bekanntesten im deutschen Fußball gehört.

Doch die Ausstellung blickt nicht nur auf glanzvolle Kapitel. Wehrle erinnert daran, dass der Verein während der NS-Zeit keine gute Rolle spielte. Es sei wichtig, auch diese Phase aufzuarbeiten und daraus zu lernen. „Wehret den Anfängen“, sagt er. Jeder müsse seinen Beitrag leisten, damit sich dieses dunkle Kapitel der Geschichte nicht wiederholt. Der Brustring stehe für Zusammenhalt – gerade in einer politisch kontroversen Zeit, in der er besonders gebraucht werde.

Die Ausstellung „Ein Brustring schreibt Geschichte“ ist bis zum 10. Mai im Schauspielhaus zu sehen. Ein kleines VfB-Museum mitten in der Stadt – und ein Vorgeschmack auf größere Pläne: Wehrle verspricht, man werde alles daran setzen, um 2030 ein eigenes VfB-Museum am Neckarpark zu eröffnen️. Da strahlt nicht nur der Fritzle.

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Erstellt:
27. März 2026, 22:10 Uhr
Aktualisiert:
28. März 2026, 22:00 Uhr

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