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Vieles probiert, zu wenig passiert

Großaspachs Regionalliga-Fußballer kommen zu Hause gegen Gießen über ein 1:1 nicht hinaus. Die SG tritt im Abstiegskampf auf der Stelle, weil sie auch im Kellerduell zu viele Torchancen versiebt oder aussichtsreiche Angriffe nicht sauber genug zu Ende spielt.

Sowohl die Großaspacher Spieler wie Jan Ferdinand als auch Gießens guter Keeper Frederic Löhe gingen dorthin, wo es wehtut. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Sowohl die Großaspacher Spieler wie Jan Ferdinand als auch Gießens guter Keeper Frederic Löhe gingen dorthin, wo es wehtut. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Noch keine 120 Sekunden waren vorbei, als die SG Sonnenhof das 0:1 kassierte. Ein früher Nackenschlag im wegweisenden Duell, in dem es um nicht weniger geht, als den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze zu wahren, kann eine Truppe völlig aus der Bahn werfen. Zumal wenn sie wie die Aspacher nach einem Trainerwechsel nur zwei Punkte aus vier Partien geholt hat und insgesamt sieben sieglose Spiele in Serie als Ballast mit sich herumträgt. Wer vor diesem Hintergrund befürchtete, die Hausherren könnten fortan keinen Fuß mehr auf den Boden kriegen, wurde aber eines Besseren belehrt.

Schalkes Ex-Manager Jochen Schneider und die wenigen anderen Beobachter, die in Zeiten eines coronabedingten Zuschauerverbots im Stadion waren, sahen ein Kellerkind mit intakter Moral. Kapitän Kai Gehring und dessen Mitstreiter schüttelten den frühen Rückstand rasch aus den Klamotten. Sie erarbeiteten sich eine klare Feldüberlegenheit, die sich vor allem nach der Pause auch in einem klaren Torchancenplus ausdrückte. Insofern war der 1:1-Endstand mehr als verdient, aber zugleich auch zu wenig. Angesprochen auf den Zwiespalt der Gefühle, immerhin einen Punkt gerettet, aber den im Abstiegskampf so dringend benötigten Dreier ein weiteres Mal verpasst zu haben, machte Walter Thomae aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Die Enttäuschung überwiegt komplett, ganz klar.“

Die Analyse, woran es gelegen hatte, war für den SG-Trainer schnell erledigt: „Wir haben uns eine Vielzahl an Chancen herausgespielt, haben es aber nicht durch Tore veredelt.“ Ein Manko, das den Drittliga-Absteiger seit Rundenbeginn begleitet und das in den fünf Wochen seit dem Amtsantritt auch Thomae noch nicht abstellen konnte. „Auch wenn es sich blöd anhört“, bat der 54-Jährige um Verständnis für sein nachvollziehbares Klagelied, bevor er es überhaupt anstimmte: „Wir hatten in Freiburg große Torchancen und auch in Ulm gute Möglichkeiten, um die Spiele auf unsere Seite zu ziehen.“ Weil die Kaltschnäuzigkeit fehlte, gab es beim Ersten im Breisgau ein 0:3 und beim damaligen Dritten an der Donau ein 1:1. In Kombination mit dem anfänglichen Remis in Balingen und der 0:4-Pleite gegen Steinbach sowie dem 1:1 gegen Gießen am Ostersamstag holte Großaspach unter Thomaes Regie bislang drei Punkte aus fünf Partien. Zu wenig, um die Trendwende einzuleiten, aber immer noch genug, um den Kampfesmut beim neuen Trainer zu erhalten: „Es hilft nichts. Wir müssen und werden weiterarbeiten.“

Marvin Cuni schießt sich an die Spitze der Torschützenliste.

Vor allem wohl daran, die Last des Toreschießens auf mehr Schultern zu verteilen. Zu Hause gegen die Hessen war es erneut Marvin Cuni, der die Kohlen aus dem Feuer holte, wer sonst. Der Treffer in der 48. Minute war schon sein 16. in dieser Runde, der 19-Jährige hat in der Regionalliga-Torjägerliste zusammen mit Santiago Fischer (Bahlingen) und Sascha Marquet (Steinbach) die Nase vorne. Im internen SG-Ranking folgt Joel Gerezgiher mit fünf Treffern, was für einen Mittelfeldspieler eine gute Zahl ist, den anderen Aspacher Angreifern wie Jan Ferdinand (2 Tore) oder Dominik Widemann (0) aber kein gutes Zeugnis ausstellt.

Dass Mario Schragl wie schon in Ulm das SG-Tor hütete, lag daran, dass David Nreca-Bisinger erst zwei Tage vorher von den Länderspielen mit Kosovos U 21 zurückgekehrt war. „Das ist überhaupt keine Grundsatzentscheidung“, verrät Thomae, das könne nächsten Samstag beim VfB II schon wieder anders aussehen. Vom Team fernhalten will der Trainer die Thematik, ob es am Rundenende überhaupt sechs Absteiger gibt – oder vielleicht nur zwei (siehe Infokasten). Das ist im Sinne von Andreas Benignus, denn der SG-Vorsitzende betont: „Wir konzentrieren uns auf das Sportliche. Wir müssen unsere Spiele gewinnen.“ Sich darauf zu verlassen, dass es letztlich nur zwei Klubs erwischt, wäre brandgefährlich.

Offener Brief von Südwest-Regionalligisten: Unter anderem die SG Sonnenhof steht dahinter

Eigentlich schien die Sache klar zu sein. In Ligen, in denen die Saison coronabedingt abgebrochen werden muss, ehe nicht wenigstens die Hälfte der Spiele absolviert ist, wird die Runde annulliert und es gibt keine Auf- und Absteiger. Nun preschte aber die Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar mit dem Planspiel vor, vielleicht doch einen Aufsteiger in die Regionalliga Südwest melden zu wollen, da der Zusatz „in der Regel“ die Ausnahme nicht verbietet. Der WFV zog für die Oberliga Baden-Württemberg nach, nur vom Hessischen Fußball-Verband war noch nichts zu hören.

Die mögliche „Lex Oberliga“ sorgt für Unruhe in der Regionalliga Südwest. Logisch, weil sich die Anzahl der Absteiger in dieser Klasse von sechs auf zwei reduzieren würde, wenn tatsächlich keine Aufsteiger aus den Oberligen dazustoßen (eigentlich sind es die drei Meister plus der Sieger der Relegation). „Im Namen des Großteils“ der Südwest-Regionalligisten – auch der SG Sonnenhof – hat Ligasprecher Rafael Kowollik vom FC 08 Homburg einen offenen Brief an die Regionalliga Südwest GbR sowie die Oberligen aus Hessen, Rheinland-Pfalz/Saar und Baden-Württemberg geschrieben. Hier einige Auszüge.

Es herrsche „reger Unmut über die Unverhältnismäßigkeit“, dass drei oder gar vier Teams mit nur acht bis maximal 13 ausgetragenen Spielen aus den Oberligen aufsteigen könnten, während umgekehrt aus der Regionalliga Südwest nach einer „Mammutsaison“ mit 42 Partien sechs Vereine absteigen müssten. Das stoße auf „breites Unverständnis“.

„Extrem ungerecht und fragwürdig“ wäre es auch, so die Südwest-Regionalligisten, wenn ihr Vizemeister mit vielleicht über 80 Punkten und „nach einem enormen finanziellen Kraftakt“ nicht in die Dritte Liga aufsteigt – anders als etwa Viktoria Berlin aus der Nordoststaffel nach nur elf Partien und dem von allen Klubs freiwillig beschlossenen Saisonabbruch. „Das dürfte dann der ‚billigste‘ Aufstieg aller Zeiten gewesen sein, finanziert mit stattlichen Förderungen inklusive zehn Monaten Kurzarbeit“, heißt es im offenen Brief. Letztlich dürfe es für Regional- und Oberligen keine „fragwürdigen Ausnahmen“ davon geben, die Saison bei weniger als 50 Prozent ausgetragener Spiele zu annullieren und damit keine Auf- und Absteiger zu haben. Explizit beklagt werden „Hintertürchen“ wie die Formulierung „in der Regel“ in so mancher Spielordnung.

Als „Systemfehler“ und Interessenskonflikt wird kritisiert, dass die für die Oberligen zuständigen Verbände allein über die Aufstiegsfrage entscheiden können, sie gleichzeitig aber auch Gesellschafter der Regionalliga Südwest GbR sind, „in der sie die Interessen der RL-Vereine zu vertreten haben. Die Regionalliga Südwest könnte Aufsteiger ablehnen.“

Der offene Brief der Regionalligisten endet mit der kaum kaschierten Drohung, „dass bereits vereinzelt Vereine sich rechtlichen Beistand genommen haben und erforderlichenfalls rechtliche Schritte in Erwägung ziehen“.

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Erstellt:
6. April 2021, 06:00 Uhr

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