Weltwirtschaft

Vier Blutbahnen, die leicht verstopfen können

Über vier Seewege läuft der Großteil des Welthandels. Blockaden wie in der Straße von Hormus treiben Preise und Inflation. Das sind die globalen Hotspots.

Rauch steigt auf von der „Mayuree Naree“: das thailändische Schiff wurde in der Nähe der Straße von Hormus angegriffen.

© AFP/ROYAL THAI NAVY

Rauch steigt auf von der „Mayuree Naree“: das thailändische Schiff wurde in der Nähe der Straße von Hormus angegriffen.

Von Rainer Pörtner

Donald Trump drohte den Iranern eine fast biblische Strafe an. „Tod, Feuer und Zorn“ würden über sie hereinbrechen, wenn sie die Straße von Hormus unpassierbar machen würden, zürnte der amerikanische Präsident vor wenigen Tagen.

Aber das werde er nicht zulassen, versicherte Trump im selben Atemzug, sondern für die Offenheit des Seewegs sorgen: „Das ist ein Geschenk der Vereinigten Staaten von Amerika an China und all jene Nationen, die die Straße von Hormus nutzen.“

Wenn die aktuelle Blockade dieses Seewegs zu Ende ginge, wäre dies allerdings ein Geschenk an die ganze Welt, die USA eingeschlossen. Nur wenige Tage Krieg haben deutlich vor Augen geführt, wie abhängig die Menschen rund um den Globus von dieser Meerenge sind.

Die Seewege sind strategische Schlüsselzonen

Hunderte Schiffe, Öl- und Gastanker genauso wie Containerschiffe, sitzen vor und hinter der Straße von Hormus fest. Die Preise für Öl und Gas schnellten in die Höhe. Der Iran muss gar nicht viel tun für diese Blockade: wenige erfolgreiche Raketen-, Drohnen- oder Minenexplosionen genügen, um den Schiffs- und Warenverkehr zum Erliegen zu bringen.

Die Straße von Hormus ist eine von vier maritimen Engstellen auf der Welt, in denen sich große Handelsströme konzentrieren; die anderen drei sind das Rote Meer mit dem Suezkanal, der Panamakanal und die Taiwanstraße. Sie sind die zentralen Blutadern einer globalisierten Ökonomie, die über Jahrzehnte auf kurze Wege und hohe Effizienz getrimmt wurde, die aber auch – wie sich jetzt zeigt – sehr verwundbar ist.

Alle vier Seewege sind strategische Schlüsselzonen mit gewaltiger Bedeutung insbesondere für die Energieversorgung und gleichzeitig großer Verwundbarkeit in militärischen Konflikten.

Straße von Hormus

Die Straße von Hormus liegt zwischen einer Einbuchtung der Küste Irans im Norden und der aus Arabien vorspringenden Halbinsel Musandam im Süden, die zum Oman gehört. Sie ist die einzige Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean. Rund ein Fünftel des globalen Ölhandels wird über diese Meerenge abgewickelt. Auch ein Fünftel des weltweiten Flüssiggases nimmt diesen Weg.

Militärisch ist die Straße von Hormus ein klassischer „Chokepoint“

Die Exporte der boomenden Golfstaaten – insbesondere aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kuwait und Katar – passieren nahezu vollständig diese Engstelle. Ein längerfristiger Ausfall dieser Route treibt die Energie und Warenpreise massiv in die Höhe und damit auch die Inflation.

Militärisch ist die Straße von Hormus ein klassischer „Chokepoint“ – ein Punkt, an dem eine Transportroute relativ einfach blockiert werden kann. An ihrer engsten Stelle ist die Meerenge nur 55 Kilometer breit. Ihre tiefsten Stellen liegen nahe an der gebirgigen iranischen Küste, die beste Möglichkeiten für Verstecke bietet. Die passierenden Schiffe lassen sich leicht mit Schnellbooten, Raketen und Minen bedrohen.

Rotes Meer und Suezkanal

Zwischen dem Jemen und Ostafrika liegt ein weiteres Nadelöhr des Seeverkehrs: die Meerenge „Bab al-Mandab“, das „Tor der Tränen“. Wer auf dem Wasser vom Mittelmeer zum Indischen Ozean fahren will – und umgekehrt –, wählt bevorzugt diese Route. Ganz besonders eng ist es im Norden des Roten Meeres, zu dem „Bab al-Mandab“ gehört: hier zwängen sich die Schiffe durch den 164 Kilometer langen Suezkanal. Etwa zwölf Prozent des Welthandels und rund 30 Prozent des globalen Containerverkehrs fließen durch diese Zone. Der Umweg über das Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas bedeutet mehrere tausend zusätzliche Seemeilen. Das treibt die Transportkosten in die Höhe. Welche Auswirkungen schon kleine Störungen haben können, belegte der Fall der „Ever Given“: das Containerschiff lief 2021 bei starkem Wind auf eine Uferböschung, stellte sich quer und blockierte sechs Tage lang den Kanal.

Huthi-Rebellen beschießen Schiffe im Roten Meer

Seit 2023 wird der Schiffsverkehr im Roten Meer durch Milizen aus dem Jemen bedroht. Huthi-Rebellen griffen Handelsschiffe mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten an. Westliche Staaten reagierten darauf mit Gegenangriffen und einer militärischen Absicherung der Route. Für die Reedereien bleibt dennoch jede Fahrt ein Hochrisiko-Unternehmen.

Panamakanal

Der 1914 eröffnete Panamakanal verbindet Atlantik und Pazifik über eine nur 82 Kilometer lange Strecke durch Mittelamerika. Rund fünf Prozent des globalen Seehandels passieren diese Wasserstraße. Besonders wichtig ist sie für den Verkehr zwischen Ostasien und der Ost- wie Südküste der USA. Ohne diese Route müsste zum Beispiel ein Großteil der amerikanischen Flüssiggas- und Getreide-Exporte nach Asien deutlich längere Umwege über Kap Hoorn oder den Suezkanal nehmen.

Trump hätte den Kanal gerne wieder unter US-Kontrolle

Der Kanal ist damit insbesondere für die USA von hoher wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung: das Pentagon verlegt auch regelmäßig Kriegsschiffe vom Pazifik in den Golf von Mexiko über diese Route. Bereits kleine Störungen der Passierbarkeit können weltweite Auswirkungen auf Transportzeiten und -kosten haben.

Im Moment gibt es kaum Gefahren durch kriegerische Auseinandersetzungen. Aber die USA und China ringen um Einfluss auf den Kanal. 1999 hatte die Vereinigten Staaten die Kontrolle über den Wasserweg an Panama abgegeben – ein Schritt, den der heutige Präsident Donald Trump für einen kapitalen Fehler hält. Er spricht immer wieder davon, den Kanal erneut unter volle US-Kontrolle zu stellen.

Taiwanstraße

Die Taiwanstraße ist die 180 Kilometer breite Meerenge zwischen der chinesischen Provinz Fujian im Westen und der Insel Taiwan. Sie verbindet das Ostchinesische mit dem Südchinesischen Meer und gehört zu den am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Fast die Hälfte der globalen Containerflotte kommt hier durch – ein Fünftel des weltweiten Seehandels.

Chinas Seemanöver führen zu Störungen

Ein erheblicher Teil des Handels zwischen Nordostasien und Südostasien, darunter Energieimporte für Japan und Südkorea, geht durch diese Passage. Sie verbindet die starken Volkswirtschaften Ostasiens mit den Märkten in den USA und Europa. Eine Blockade des Zugangs zu Taiwan würde eine ökonomische Schockwelle um den Globus jagen: der Inselstaat beheimatet unter anderem eine starke Halbleiter-Industrie. Allein der Marktführer TSCM baut rund zwei Drittel der weltweit produzierten Halbleiter.

Käme es zu einem militärischen Konflikt zwischen China und Taiwan, würde das globale Lieferketten in Schlüsselindustrien hart treffen: eine große Gefahr für Automobil-, Luftfahrt-, Elektronik- und KI-Unternehmen. Schon jetzt führen die regelmäßigen Großmanöver Chinas in der Straße von Taiwan dazu, dass Reeder die Routen ihrer Schiffe ändern.

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Erstellt:
13. März 2026, 13:18 Uhr
Aktualisiert:
13. März 2026, 15:22 Uhr

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