VfB gegen Freiburg im Pokal
„Völlig neutral“ – Özdemir und Kretschmann kokettieren mit VfB-Sympathien
Mit einem Augenzwinkern haben die beiden Grünen-Politiker das Halbfinale im DFB-Pokal kommentiert – und dabei ihren Herzensverein verleugnet. Ein bisschen zumindest.
© IMAGO/Sportfoto Rudel
Cem Özdemir – ausnahmsweise ohne Schal, aber mit Dieter Hoeneß – am Donnerstagabend auf der Haupttribüne.
Von Michael Bosch
Eigentlich hat Cem Özdemir gerade anderes zu tun. Der designierte Ministerpräsident von Baden-Württemberg muss in den Koalitionsgesprächen mit der CDU eine neue Landesregierung schmieden. Für Fußball bleibt da keine Zeit. Eigentlich. Am Donnerstagabend klappte es aber doch – neben anderen illustren Gästen, fand sich der 60-Jährige auf der Haupttribüne der MHP-Arena.
Wem Özdemir die Daumen drückte, war eigentlich klar. Der gebürtige Bad Uracher ist bekennender VfB-Fan, seit Jahren trifft man den Grünen-Politiker auch mal vor Partien am Bierstand in der Mercedes Straße – immer mit Blockschal in Rot und Weiß.
Er hat eine Dauerkarte. Auch wenn es das neue Amt eigentlich gebieten würde, aus seinen Sympathien machte Özdemir vor dem Baden-Württemberg-Duell im Pokal-Halbfinale keinen Hehl.
Derby im Halbfinale: „Höchschte der Gefühle“
Ein Derby im Halbfinale und eine Mannschaft aus dem Ländle sicher im Finale in Berlin, das sei „das höchschte der Gefühle“, sagte Özdemir in einem kurzen Clip auf seinen Social-Media-Kanälen. „Ich bin natürlich in der Frage völlig neutral. Isch ja logisch“, sagte Özdemir mit Augenzwinkern. Ehe er sich seinen Schal, den er immer im Stadion trägt, umlegte. Dass es sich um das VfB-Fan-Utensil handelt, war trotz Pixelung zu erkennen.
Die Vorlage für Özdemir hatte Noch-Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegeben. Auf dem offiziellen Kanal der Landesregierung war er gefragt worden, wem er im Pokalfinale die Daumen drücke. „Baden-Württemberg gewinnt ja sowieso“, sagte Kretschmann, „und als Ministerpräsident bin ich vollkommen neutral“. Anschließend führte er eine Kaffeetasse mit VfB-Logo zum Mund. Das Emblem war zwar gepixelt, aber dennoch deutlich zu erkennen.
Mit der Vorhersage, es werde „ein spannendes Spiel“, sollte Kretschmann recht behalten. Am Ende setzte sich der VfB spät in der Verlängerung mit 2:1 durch. Özdemir dürfte das Recht gewesen sein. Hätte es Elfmeterschießen gegeben, wäre er noch später ins Bett gekommen. Und er hat ja eigentlich gerade genug zu tun.
