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Vom Projektendspurt zur Neubewerbung

Die Leader-Region Schwäbischer Wald hat während einer Übergangszeit weiter Projekte gefördert. Nun sind Johannes Ernst und Andrea Bofinger von der Geschäftsstelle dabei, einen letzten Sprint hinzulegen und die Bewerbung für die nächste Förderperiode vorzubereiten.

Das Leader-Programm soll und kann helfen, den ländlichen Raum attraktiv zu halten. Fotos: Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald/privat

Das Leader-Programm soll und kann helfen, den ländlichen Raum attraktiv zu halten. Fotos: Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald/privat

Von Christine Schick

Murrhardt. Johannes Ernst, Leiter der Leader-Geschäftsstelle mit Sitz in Murrhardt, schaut dem abschließenden Projektaufruf, also der Aufforderung, sich mit einem Vorhaben für die Leader-Region Schwäbischer Wald zu bewerben, im März entgegen. Nun kurz vor Schluss ist solch ein Prozess für die Bewerberinnen und Bewerber nicht ganz einfach. „Das bedeutet, dass das Projekt im Grunde schon sehr gut ausgearbeitet sein muss“, sagt er. Zeit, um beispielsweise noch eine Baugenehmigung von den Behörden abzuwarten, ist einfach nicht mehr. Mit Abschluss der Förderperiode inklusive der Übergangsverordnung lassen sich die Projektbetreuung und Geldauszahlung nicht mehr verlängern, alles muss auf den Punkt geplant sein.

Ein Blick in das „Regionale Entwicklungskonzept“, in dem die Leader-Aktionsgruppe Schwäbischer Wald die Ziele für die Projektförderung festgeschrieben hat, zeigt die breite thematische Aufstellung. Sieben Handlungsfelder stecken das Gebiet ab, in dem sich die Gestaltungsarbeit in Form von Unterstützung mit EU- und Landesgeldern über die rund sieben Jahre abgespielt hat: Wohnen und Leben, demografischer Wandel, attraktive Familienregion, Mobilität, natürliche Ressourcen, nachhaltiger Tourismus und Wirtschaft.

Das Gebiet nachhaltiger Tourismus hat sich besonders gut entwickelt

Gab es denn Handlungsfelder, in denen besonders viele Vorhaben verwirklicht wurden, und solche, bei denen sich dies schwierig gestaltet hat? Gesamtkonzept und Schwerpunkte haben für Johannes Ernst insgesamt sehr gut funktioniert. Mit einer Ausnahme – der Mobilität. „Eine Bedingung bei der Bewerbung für die Projekte ist, dass diese auch nicht an anderer Stelle beispielsweise eine Fachförderung erhalten“, erklärt der Regionalmanager. Das kann schon eine Unterstützung durch die EEG-Umlage oder ein Zuschuss sein, der den Ladesäulenaufbau fördern will und im Zusammenhang mit Elektromobilität öfters Thema ist. „Da dürfen wir dann nichts mehr machen, sonst laufen wir in eine Doppelförderung rein“, sagt Ernst.

Bei den sechs weiteren Handlungsfeldern hätten sich die geförderten Vorhaben gut verteilt, besonders positiv habe sich das Gebiet nachhaltiger Tourismus entwickelt. „Das ist schon zu einer Art Steckenpferd geworden“, so Ernst. Der Schwäbische Wald ist für Tagestouristen und als Ausflugsort mit kürzerer Aufenthaltsdauer attraktiv, an manchen Punkten wie den Murrhardter Hörschbachwasserfällen wurde man sozusagen vom eigenen Erfolg überrollt und dem Ansturm teils schwer Herr. „Später kam auch der Coronabonus noch dazu“, erinnert der Regionalmanager daran, dass viele Menschen pandemiebedingt das Wandern und Naturerleben neu entdeckt haben.

Als eine Art Querschnittsthematik und positive Zielsetzung hat sich außerdem die Barrierefreiheit erwiesen. Sie mitzubedenken und mitzuberücksichtigen, beispielsweise beim Ausbau von Ferienhäusern, oder ganz explizit zum erklärten Hauptziel zu machen wie beim Projekt „Inklusive Wanderbotschafter“ sei gewinnbringend gewesen – inhaltlich und im Prozess für die Projektbewerberinnen und -bewerber. Waren die Fördertöpfe überzeichnet, wie die Fachleute sagen, sprich kamen nicht alle Bewerbungen zum Zug, konnte die Barrierefreiheit als Teil eines Konzepts ausschlaggebend bei der Entscheidung sein. „Das wiederum hat später auch Signalwirkung für künftige Vorhaben gehabt“, erklärt Ernst.

Andrea Bofinger, die im Dezember vergangen Jahres in der Geschäftsstelle angefangen hat, hat sich nun der Zukunft zugewendet. Ihre Aufgabe wird es in den nächsten Wochen und Monaten sein, die Neubewerbung für die Leader-Förderperiode von 2023 bis 2027 vorzubereiten. Ein erster Schritt war, die Handlungsfelder zu überarbeiten und zu komprimieren. „Es gab bei den bisherigen manchmal auch Überschneidungen beziehungsweise Abgrenzungsprobleme“, erläutert Johannes Ernst.

Um konzeptionell gut aufgestellt zu sein, arbeiten Andrea Bofinger sowie ein kleines Team aus Vertreterinnen und Vertretern des Vereins Regionalentwicklung Schwäbischer Wald und der Landkreise mit der Agentur „neuland+“ zusammen, die Erfahrung auf dem Gebiet mitbringt. „Es sind vier Handlungsfelder, die sich herauskristallisiert haben, allerdings kann sich Anzahl und die genaue Bezeichnung im Prozess auch noch ändern“, sagt Andrea Bofinger. Aktuell lauten die vier Kandidaten: generationsgerechte Gemeindeentwicklung, Tourismus, Naherholung und Kultur, lokales und digitales Wachstum sowie Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft. Auch gibt es eine klare Zielvorgabe aus Brüssel, erläutern die beiden, nämlich die Ausrichtung auf den Klimaschutz. „Er ist die große Klammer und soll überall mitbedacht werden“, sagt der Geschäftsstellenleiter. Davon unabhängig hat sich das Team entschlossen, auch die Barrierefreiheit als eigenes Querschnittsziel weiterzuverfolgen.

Ob es ein Treffen mit Workshops rund um die Bewerbung geben kann, ist offen

„Im Moment bin ich viel damit beschäftigt, die Kommunikation rund um diese Abstimmungen und Vorarbeit zu koordinieren und Verbindungen zwischen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern zu knüpfen“, sagt Andrea Bofinger. So wie zur Premiere für die Periode 2014 bis 2020 soll es eigentlich eine Veranstaltung und Workshops für alle Interessierten der beteiligten Kommunen im Frühjahr geben, deren Ideen so in die Bewerbung miteinfließen könnten. Dies wird allerdings von der Pandemielage abhängig sein, eventuell ist ein Online-Format eine Alternative. Noch hofft Andrea Bofinger, dass eine Präsenzveranstaltung möglich ist. So könnten an den Themenfeldern Interessierte und Menschen, die fachliches Wissen mitbringen, an einen Tisch geholt werden. Unterstützt wird das Geschäftsstellenduo bei den Vorbereitungen übrigens von Werkstudent Lukas Breuer, der Erfahrung in Bezug auf Leader in der Region Hohenlohe/Tauber mitbringt.

Bis zum 22. Juli muss dann alles unter Dach und Fach, die Bewerbung abgegeben sein. Klar ist, dass alle bisherigen Leader-Kulissen – 18 an der Zahl – sich wiederbewerben, hinzu kommen noch zwei zusätzliche Kandidaten, weitere nicht ausgeschlossen, berichtet Johannes Ernst. Vor dem Hintergrund des Brexits stehe aber auch weniger Geld zur Verfügung, sprich es ist möglich, dass die Anzahl der Förderkulissen reduziert wird.

Das Team will sich nun in Sachen Bewerbung kräftig ins Zeug legen. Denn eins sei sicher: Die Möglichkeit, über das Leader-Programm den ländlichen Raum zu stärken, ist eine echte Chance. Das schließt ein Engagement für Themen wie Nachhaltigkeit und Lebensqualität mit ein. Letztlich umfasst dies Fragen wie beispielsweise, was auf den Teller kommt, genauso, wie sich der ländliche Raum attraktiv halten lässt. Nicht zuletzt war durch Leader die Unterstützung in puncto Gesundheitsversorgung möglich – beispielsweise durch Projekthilfen für zwei Ärzte, die sich beim Praxisstandort für Murrhardt entschieden haben, oder für Sanierung und Ausbau der Diakoniestation des Pflegedienstleisters Diakonie ambulant mit Patientinnen und Patienten im gesamten oberen Murrtal.

Andrea Bofinger

Andrea Bofinger

Johannes Ernst

Johannes Ernst

Die Leader-Aktionsgruppe ist in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen verankert

Beteiligte Der Schwäbische Wald wurde in der Förderperiode 2014 bis 2020 als eine von 18 Aktionsgruppen in Baden-Württemberg in einem Wettbewerb ausgewählt, die von dem EU-Programm Leader profitieren soll(t)en. Nun bewirbt sich das Bündnis erneut, das als Partnerschaft von öffentlichen, institutionellen und privaten Akteuren aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen wie Umwelt, Wirtschaft oder Tourismus beschrieben werden kann. Die lokale Aktionsgruppe ist wie andernorts als Verein organisiert. Regional beteiligt sind 28 Kommunen aus dem Rems-Murr-Kreis sowie der Landkreise Heilbronn und Schwäbisch Hall sowie dem Ostalbkreis.

Die Geschäftsstelle Sie übernimmt Aufgaben wie Beratung bei Projekten sowie die Begleitung des Auswahlverfahrens. Mittlerweile ist auch das sogenannte Regionalbudget Teil des Portfolios. Für den Fördertopf mit Geldern von Bund, Land und Landkreisen können sich Initiatoren von Kleinprojekten bewerben. Infos zu Arbeit, Gremien und Geschäftsstelle unter www.leader-schwaebischerwald.de.

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Erstellt:
27. Januar 2022, 06:00 Uhr

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