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Waldolympiade mit Erkundungsfaktor

Die Murrhardter Landfrauen haben fürs Ferienprogramm eine Tour durch den Forst bei Hausen zusammengestellt, bei der die Kinder spielerisch mit der Natur in Kontakt kommen. So steht die Entdeckung von Raupen, Baumarten und wildem Oregano neben kleinen Wettkämpfen.

Hier ist nicht nur Kraft, sondern auch Balance und Standvermögen gefragt. Fotos: C. Schick

Hier ist nicht nur Kraft, sondern auch Balance und Standvermögen gefragt. Fotos: C. Schick

Von Christine Schick

Murrhardt. Zugegeben, der Tag ist vergleichsweise regenschwanger, der Vormittag noch von Schauern geprägt und eine Mutter sagt mit einem Schmunzeln zu ihrem Sohn: „Heute Morgen um 11 Uhr war ich mir noch sicher, dass du nicht zum Ferienprogramm gehst.“ Am Nachmittag sieht es für die rund 20 Kinder dann aber etwas besser aus, auch wenn die Gruppe nicht gänzlich vom Regen verschont bleiben wird. Monika Bay, Vorsitzende der Murrhardter Landfrauen, hat sich drei Mitstreiterinnen an die Seite geholt, außerdem unterstützen ihre Enkelin und deren Freundin beim Ferienangebot. Die Tour ist schon vorbereitet. Bei den Stationen hat das Team sogar noch mal nachgebessert, um dem Feuchtigkeitsfaktor zu trotzen – die Klettenzielscheibe steht unter einem schützenden Zeltdach aus Stoff und fürs Baumstammbalancieren hat die Gruppe einen kleinen Eimer mit Sägmehlspänen im Gepäck. Wer kann, tauscht die Turnschuhe gegen mitgebrachte Gummistiefel ein.

Gleich zu Beginn bekommen die Kinder eine Papiertüte in die Hand gedrückt. „Schaut euch um und sammelt verschiedene Sachen, die euch auffallen. Ihr dürft einzelne Blätter, Blüten mitnehmen. Vielleicht entdeckt ihr Tannenzapfen, Baumrinde und weitere spannende Dinge“, erklärt Monika Bay. „Fragt uns aber bitte kurz vorher, nicht, dass ihr etwas Giftiges erwischt.“ Neben den sportlichen Aufgaben zählt nämlich auch dieses Entdeckerelement. Je mehr verschiedene Fundstücke zusammenkommen, desto höher die Punktzahl für den Einzelnen und somit die Gruppe.

Auf dem Weg zum Wald stoßen die Kinder auf eine stattliche Raupe in rot-schwarzem haarigem Kleid. Bedenken, dass es sich um einen Eichenprozessionsspinner handelt, können aber zerstreut werden. Die Mädchen und Jungen schwärmen aus, inspizieren Ähren, Gräser und Blumen. Erste Beute wandert in die Tüten. Monika Bay erkundigt sich nach den Bäumen am Wegesrand und es werden Ahorn, Buche und Eiche zusammengetragen.

Die Kinder wissen, dass sie auf Tiere und Natur Rücksicht nehmen sollen

Als es in den Wald hineingeht, fragt sie, was man denn jetzt beachten muss. „Wir müssen leise sein, um die Tiere nicht zu stören“, sagt ein Junge. Monika Bay nickt. Auch die Anmerkung, „keinen Müll liegen lassen“ findet ihre Anerkennung.

Im Gegenzug zeigt sie den Kindern, was sich noch auf ihrer Hausstrecke, wie sie sagt, findet: „Wilder Oregano, schaut mal.“ Auf die Liste kommen zudem Minze, die ihren Duft verströmt, wenn man die Blätter etwas zwischen den Fingern reibt, Brombeeren, Maisblätter und Zinnkraut. Letzteres kennt Monika Bay noch vom Kinderspiel „Fuchs und Hase“, bei dem ein Zinnkrautschwanz, festgeklemmt am Hosenbund, als Kennzeichnung dient. „Das ist Breitwegerich. Wenn ihr einen Bienenstich habt, könnt ihr die Pflanze zerreiben und auf die Haut geben“, sagt sie. Aus Spitzwegerich wiederum lässt sich Hustensaft selbst herstellen.

Dann kommen die Kinder an der ersten von insgesamt vier Stationen an. Die Bildung der zwei Gruppen erfordert etwas diplomatisches Geschick, will der eine oder andere doch bei dem einen oder anderen Freund oder Geschwisterchen bleiben. Aber die Spiele lockern auf und machen klar, dass es eher ums Ausprobieren und weniger um einen strengen Wettkampf geht. Beispiel: Zwei Kinder stellen sich auf zwei sich gegenüberliegende Holzstücke, bekommen ein Seil in die Hand gedrückt und nach dem Startzeichen heißt es, zu ziehen, was das Zeug hält, um nicht vom kleinen Podest weichen zu müssen. Mal entscheidet sich die Sache recht schnell, mal sind Kraft und Balancetechnik so ebenbürtig, dass sich der Wettkampf eine ganze Weile hinzieht.

Ein paar Schritte entfernt können die kleinen Leute mit Kletten werfen üben. Die Zielscheibe aus Stoff muss aber nicht nur generell angepeilt, sondern auch mit dem richtigen Schmackes getroffen werden, damit sich die anhänglichen Samenkugeln auch im Stoff verankern.

Gruppen und Kinder wachsen in ihre Waldtour hinein und bei der nächsten Station sind sie ganz selbstverständlich bei der Sache. Zum einen gilt es, Holzscheiben an einem Weg, der etwas steiler abfällt, auf die Reise zu schicken. Je weiter das Teil rollt, desto besser. Mit dem Maßband wird das objektiviert. Zum anderen ist wieder körperliches Geschick gefragt: Auf einem nun mit Sägespänen präparierten Stamm balancieren die Mädchen und Jungen entlang. Monika Bay hat außerdem noch weitere Spiele und ein Waldpuzzle vorbereitet, bei dem immer drei Teile beispielsweise von einer Baumart richtig zugeordnet und zusammengesetzt werden müssen.

Für die Landfrauen war klar, dass sie sich beim Ferienprogramm der Stadt beteiligen wollen. „Wir finden es wichtig, den Kindern etwas anzubieten, gerade vor dem Hintergrund der Coronasituation, die ja viel Einschränkungen in dieser Hinsicht bedeutet“, sagt die Vorsitzende. Raus in die Natur zu gehen, lag nahe, auch wenn das Team und die kleinen Leute zum Schluss noch etwas mehr Nass von oben abbekommen haben, als sie vielleicht gehofft hatten.

Monika Bay mit den jungen Waldolympioniken – an der Station, bei der eine Holzscheibe losgeschickt wird und so weit wie möglich rollen soll.

Monika Bay mit den jungen Waldolympioniken – an der Station, bei der eine Holzscheibe losgeschickt wird und so weit wie möglich rollen soll.

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Erstellt:
7. September 2021, 06:00 Uhr

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