Landtagswahl in Baden-Württemberg
Was den CDU-Spitzenkandidaten Manuel Hagel auszeichnet
Geerdet, machtbewusst und als Mann der Mitte: So hat sich der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel im Rennen um die Nachfolge von Winfried Kretschmann positioniert.
© Stefan Puchner/dpa
In seiner Heimat Ehingen hat Manuel Hagel sich als Bewerber um die Kretschmann-Nachfolge offiziell geoutet.
Von Bärbel Krauß
Offiziell erklärt hat Manuel Hagel, dass er der nächste Ministerpräsident nach Winfried Kretschmann werden will, vor knapp einem Jahr. Aber seitdem seine Partei ihn nominiert hat, wird immer deutlicher spürbar, dass die generalstabsmäßige Planung zur Rückeroberung der Macht für den Hoffnungsträger der CDU im Südwesten nicht erst zu diesem Zeitpunkt begonnen hat.
Bodenhaftung und Machtinstinkt
37 Jahre alt ist Hagel jetzt erst. Als Politiker, der sich zunächst in der Jungen Union, dann im Gemeinderat seiner Heimatstadt, dann auf Kreisebene und im Landtag engagiert hat und so schnell auf das Sprungbrett gelangt ist, das ihn in die Villa Reitzenstein katapultieren soll, braucht man nicht nur Fleiß und Durchhaltevermögen. Ohne Konsequenz, Zielbewusstsein und Machtinstinkt hätte Hagel das nicht geschafft.
Dass Hagel außerdem die Fähigkeit zur Integration auch zerstrittener Parteifreunde mitbringt, ist ein wichtiges Element seines bisherigen Aufstiegs. Mehr Geschlossenheit hat die Südwest-CDU schon lange nicht mehr ausgestrahlt. Das ist ein Pfund mit dem er im Wahlkampf wuchern konnte, und das seine Position über den Wahltag hinaus stabilisieren dürfte, selbst wenn das Wahlergebnis nicht alle Erwartungen der CDU einlösen kann.
Heimatverbundenheit als Markenzeichen
Der frühere Realschüler und gelernte Bankkaufmann ist verheiratet und hat drei Söhne. Er ist katholisch, unprätentiös und fest in seiner oberschwäbischen Heimat verwurzelt. Er spricht Dialekt, ist Kreisjägermeister und Mitglied der Narrenzunft. Politisch will er für einen modernen Konservatismus stehen, Maß und Mitte halten, was ihn nicht nur im eigenen Lager anschlussfähig macht. Als „Agenda der Zuversicht“ und als Regierungsprogramm hat er das CDU-Wahlprogramm überschrieben.
Die begriffliche Assoziation zur „Agenda 2010 ist nicht der einzige Bezug zum sozialdemokratischen Altkanzler Gerhard Schröder, der 1998 mit einem fulminanten Wahlsieg nach sechzehn Jahren mit dem Christdemokraten Helmut Kohl als Kanzler die „neue Mitte“ erobert hat. Schröders Wahlversprechen war seinerzeit, nicht alles anders, aber vieles besser machen zu wollen. „Wir werden nicht alles anders, aber vieles ambitionierter machen“, heißt das im typischen Hagel-Sound nach fünfzehn Jahren mit dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.
Schwerpunkte und Belastungen im Wahlkampf
Die Wirtschaftspolitik hat Hagel im Wahlkampf ins Zentrum seiner Auftritte gestellt. Mit Sonderwirtschaftszonen, Bürokratieabbau und einer zehnten Landesuniversität für KI-Anwendungen will er den Wirtschaftsstandort wieder an die Spitze bringen. In den letzten Wochen vor der Wahl haben zwei Videos, die im Netz Karriere machten, seinen Endspurt belastet. Nach einem viel kritisierten Fernsehtalk von 2018, in dem Hagel von einem Schulmädchen mit rehbraunen Augen schwärmte, erregte auch ein Fernsehbeitrag von einem Schulbesuch die Gemüter im Netz. Kritiker warfen ihm vor, dass er eine Lehrerin barsch abgefertigt und den Treibhauseffekt nicht richtig erklärt hat.
