Gesundheit
Was passiert, wenn die Luftfeuchtigkeit zu niedrig ist?
Mit dem Winter sinkt neben der Temperatur auch die Luftfeuchtigkeit. Aber wie wirkt sich eine trockene Luft auf die Gesundheit aus?
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Erfahren Sie, was bei niedriger Luftfeuchtigkeit passiert und wie sich trockene Luft auf die Gesundheit auswirkt.
Von Matthias Kemter
Eine niedrige Luftfeuchtigkeit empfinden viele Menschen als unangenehm. Trockene Haut und eine höhere Anfälligkeit für Erkältungen sind dann unter anderem die Folge (1,2). Vor allem im Winter ist die Luftfeuchtigkeit in beheizten Innenräumen meist sehr niedrig, denn wenn im Winter die Temperaturen sinken, kann die Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen, weshalb man auch von „relativer Luftfeuchtigkeit“ spricht. Hat die Außenluft zum Beispiel bei -4 Grad Celsius eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 %, sinkt dieser Wert beim Aufheizen auf 22 Grad Celsius auf nur noch 9 %. Werte unter 30 bis 40 % werden von vielen Menschen als unangenehm empfunden.
Auswirkungen von niedriger Luftfeuchtigkeit
Trockene Luft ist nicht nur unangenehm, sondern wirkt sich außerdem sowohl direkt als auch indirekt auf die Gesundheit aus. Folgende Auswirkungen auf den Menschen lassen sich feststellen:
- Trockene Schleimhäute: Durch eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit geben Schleimhäute vermehrt Feuchtigkeit an die Luft ab, was zur Austrocknung dieser führt und Schleimhautreizungen sowie Atemwegserkrankungen wie Husten und Schnupfen fördert.
- Anfälliger für Krankheiten: Schleimhäute dienen dem Körper vor allem als Filter, welcher Bakterien und Viren davon abhält, uns zu schaden. Sind die Schleimhäute trocken und die Filterfunktion somit geschwächt, können sich Krankheitserreger auf ihnen deutlich besser niederlassen.
- Viren und Bakterien: Je nach Luftfeuchtigkeit verändert sich auch die Lebenszeit von Viren und Bakterien. Je nach Krankheitserreger können sich sowohl trockene als auch feuchte Luft positiv auf die Inaktivierung auswirken. Während zum Beispiel behüllte Viren (z.B. Influenza- oder Coronaviren) bei trockener Luft tendenziell länger überleben, werden unbehüllte Viren (z.B. Rhino- oder Poliovirus) deutlich schneller inaktiv. Insgesamt überwiegen bei mittleren relativen Luftfeuchtigkeitswerten (40 – 60 %) die Vorteile für den Menschen (3).
- Krankheitserreger bleiben länger in der Luft: Unabhängig von der Dauer bis zur Inaktivierung steigt bei geringer relativer Luftfeuchte die Verweildauer von Krankheitserregern in der Luft (Suspensionszeit) bis zum Absetzen auf Oberflächen. Grund ist eine schnellere Verdunstung der Flüssigkeitsanteile von Aerosolen, in denen Krankheitserreger gelöst sind.
- Hausstaub und Pollen: Auch Hausstaub und Pollen bleiben bei niedriger relativer Luftfeuchte länger in der Luft. Steigt die Feuchtigkeit, bindet sich diese besser mit Partikeln in der Luft, wodurch sie schneller absinken.
- Augenbeschwerden: Bei trockener Luft nehmen Augenreizungen ebenfalls zu. Grund ist ein schnelleres Austrocknen des Tränenfilms, was unter anderem auch zu einem vermehrten Blinzeln führt.
- Hautbeschwerden: Im Winter haben viele Menschen mit trockener Haut zu kämpfen. Grund ist, dass auch der Hydrierungszustand der Haut bei trockener Luft signifikant abnimmt, was Studien ebenfalls gezeigt haben.
Die Luftfeuchtigkeit wirkt sich auf viele Bereiche aus, weshalb die Einflüsse für jedes Kriterium individuell betrachtet und miteinander abgewogen werden müssen. So hat trockene Luft auch Vorteile:
- Schimmelrisiko sinkt: In Zeiten von hohen Heizkosten steigt auch das Schimmelrisiko, denn ist die Innentemperatur zu niedrig, nimmt auch die relative Luftfeuchtigkeit wieder zu, was Schimmelsporen die wichtigste Grundlage bietet. In Wohnungen mit einem hohen Schimmelrisiko freuen sich Hausbewohner daher oft über eine niedrige relative Luftfeuchtigkeit.
- Staubmilben: Auch Milben haben es bei trockener Luft schwer (4), denn am wohlsten fühlen sich diese in einer warmen, feuchten und dunklen Umgebung. Sinkt im Winter die Luftfeuchtigkeit, sterben viele Milben. Da dann aber die Milbenkörper und der Kot zerfallen, können in dieser Zeit dennoch Beschwerden bei Allergikern auftreten.
War tun gegen niedrige Luftfeuchtigkeit?
Allgemein wird eine Luftfeuchtigkeit in Innenräumen von 40 bis 60 % empfohlen (5). In diesem Bereich entstehen gesundheitlich die meisten Vorteile für den Menschen. Temperatur und „relative“ Luftfeuchtigkeit hängen eng zusammen, weshalb man sich auch an der Raumtemperatur orientieren sollte. Nimmt die Temperatur im Innenraum durch Regulierung der Heizung ab, steigt die Luftfeuchtigkeit. Durch ein Aufdrehen der Heizung sinkt sie. Gemessen werden kann die relative Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer, welcher bereits für wenig Geld im Handel zu bekommen ist. Sollte die Temperatur im Raum angenehm, aber die Luftfeuchtigkeit noch zu gering sein, kann diese mit einfachen Mitteln erhöht werden:
- Schale mit Wasser: Stellen Sie einfach eine Schale mit Wasser auf ein Fensterbrett über einer Heizung auf. Nach und nach wird so Feuchtigkeit an die Raumluft abgegeben. Schneller geht es, wann die Schüssel direkt auf die Heizung gestellt wird.
- Heizkörper-Luftbefeuchter: Ebenfalls für wenig Geld sind im Handel Heizkörper-Luftbefeuchter aus Keramik erhältlich. Diese werden einfach an den Heizkörper gehangen.
- Wäsche in der Wohnung trocknen: Eine nützliche Möglichkeit ist es, die Wäsche in der Wohnung zu trocknen, statt den Trockner zu nutzen.
Weitere Möglichkeiten, wie Sie die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen erhöhen können, haben wir in diesem Ratgeber für Sie zusammengefasst.
