Trauung nachts in Tübingen

Wie Cem Özdemir bei seiner Hochzeit die Medien austrickst

Kein Spalier, kein Medienrummel: Kurz nach Mitternacht heiratet Cem Özdemir seine Partnerin Flavia Zaka in Tübingen – und lässt Fotografen am Valentinstag ins Leere laufen.

Hochzeit ganz in Schwarz: Cem Özdemir mit seiner Frau Flavia Zaka.

© Alwin Maigler

Hochzeit ganz in Schwarz: Cem Özdemir mit seiner Frau Flavia Zaka.

Von Uwe Bogen

Während Fotografen und Journalisten am Samstagvormittag vor dem Tübinger Rathaus warten, ist die Trauung längst vollzogen. Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat sich zum Heiraten für eine ungewöhnliche Uhrzeit entschieden – und damit die Öffentlichkeit überrascht, manche sagen auch ausgetrickst.

Kurz nach Mitternacht, also gleich zu Beginn des symbolträchtigen Valentinstags, heiratet der 60-Jährige seine 40-jährige Partnerin Flavia Zaka, eine kanadische Juristin, im historischen Rathaus von Tübingen. Beide tragen Schwarz mitten in der Nacht. Die standesamtliche Zeremonie mit OB Boris Palmer als Standesbeamter findet im engsten Kreis im Tübinger Rathaus statt. Nur wenige Gäste sind anwesend, nur der Stuttgarter Fotograf Alwin Maigler, bekannt für Fotos vom Stuttgarter Ballett, darf den für das Paar so bedeutsamen Moment festhalten. In einer gemeinsamen Erklärung lassen die Frischvermählten am Samstag mitteilen: „Wir haben uns heute, am 14. Februar, kurz nach Mitternacht im Tübinger Rathaus das Ja-Wort gegeben und sind sehr glücklich darüber.“ In turbulenten Zeiten wolle man als Familie zusammenstehen, erklären sie weiter. Gefeiert habe man bewusst im kleinsten Kreis.

Zugleich kündigen Özdemir und Zaka an, später ein großes Fest nachzuholen. Man werde dann „mit unseren Familien und Freunden eine große Hochzeitsfeier begehen“, heißt es in der Mitteilung.

Mit der Wahl des Datums und der Uhrzeit setzt Özdemir ein Zeichen – und entzieht sich mit seinem Überraschungscoup zugleich dem erwartbaren Medienrummel. Während am Samstagvormittag noch Fotografen fragen, ob die Hochzeit vielleicht im Schloss Bebenhausen stattfindet, hat sich das Paar sein Ja-Wort längst ganz im Privaten gegeben.

Neugierige harren am Vormittag vor dem Rathaus aus

Einige Neugierige in Tübingen haben also umsonst gewartet. Ein Fahrradfahrer, den Korb voller Einkäufe, etwa stoppte auf dem Platz vor dem Rathaus und machte einige Schritte in Richtung des Eingangs, während er sich fortwährend umschaute. Sein Rad verlor er dabei völlig aus den Augen – es donnerte auf den Asphalt, Orangen rollen über den regennassen Boden.

Mathias Allgäuer hatte gehofft, noch einen Blick aufs Brautpaar zu erhaschen. Dafür hatte er sogar die übliche Gassirunde mit seinem Dackel abgeändert. Dieser wirkte nicht sehr glücklich darüber – zitternd und regennass saß er Allgäuer zu Füßen.

Katharina Wagner ist eine begeisterte Anhängerin Özdemirs. Mit ihrem Regenschirm wartete sie im Regen geduldig vor dem Rathaus, um das Erscheinen des Grünen-Politikers auch ja nicht zu verpassen. „Ich wünsche ihm und seiner Frau alles Glück der Welt“, sagt die Tübingerin. Die Kritik an dem Zeitpunkt der Hochzeit verstehe sie nicht. „Der kann doch heiraten, wann er will“, sagt sie.

Im Tübinger Rathaus herrschte oberste Geheimhaltungspflicht

In den vergangenen Tagen war darüber diskutiert worden, ob es bei der Hochzeit so kurz vor der Landtagswahl um ein Wahlkampfmanöver handelt, was Özdemir zurückgewiesen hat. Vor allem aus den Reihen der CDU wurde Kritik laut. Während Boris Palmer über Facebook verraten hatte, dass die Trauung am Valentinstag stattfindet, hatte seine Sprecherin die Uhrzeit mit Hinweis auf die Privatsphäre nicht mitgeteilt.

Im gesamten Tübinger Rathaus herrschte oberste Geheimhaltungspflicht. Am Samstag erklärt die Sprecherin: „Ich sagte ja, es lohnt sich nicht, vor dem Rathaus zu warten.“ Bei den Journalisten und Fotografen, die es trotzdem getan haben, entschuldigt sie sich: „Es tut uns leid.“

Am Sonntag wurde bekannt, dass ein Vorfall Ende Januar vor einem Auftritt von Cem Özdemir in einer Halle in Metzingen wohl gravierender war als angenommen. Darüber berichtete der „Spiegel“. Auf einem Holzbalken hatte es bei der Wahlveranstaltung zu kokeln begonnen – laut „Spiegel“ sei dann ein mit brennbarem Material gefülltes Plastikröhrchen gefunden worden. Bisher war lediglich von einem brennenden Docht die Rede gewesen. Das Landeskriminalamt ermittelt seit dem Vorfall. Zu der Veranstaltung in der Festkelter waren rund 400 Menschen gekommen.

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Erstellt:
15. Februar 2026, 14:58 Uhr

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