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Wie Krebs bei Katzen entsteht

Zwischen Katzen und Menschen gibt es viele Gemeinsamkeiten – auch was Krebserkrankungen angeht. Forscher haben jetzt Gene entdeckt, die bei Veränderung Tumorwachstum auslösen können.

Ein Tierarzt hält die Pfote einer Katze zur Behandlung.

© Imago/Zoonar

Ein Tierarzt hält die Pfote einer Katze zur Behandlung.

Von Markus Brauer

Forscher haben das bisher größte genetische Bild von Katzenkrebs erstellt. Dafür wurden für die Studie im Fachjournal „Science“ 493 Tumoren aus 13 verschiedenen Krebsarten untersucht – zusammen mit gesundem Gewebe der gleichen Katzen.

Ziel der Studie war es, herauszufinden, welche genetischen Veränderungen bei Katzenkrebs typisch sind, was das mit menschlichem Krebs zu tun hat und wie man diese Erkenntnisse für neue Behandlungen nutzen kann.

Gemeinsamkeiten von Katzen und Menschen

Die Ergebnisse zeigen: Katzen und Menschen haben bei Krebs viele Gemeinsamkeiten. Besonders oft war bei den Katzen das Gen TP53 verändert, das auch beim Menschen eine wichtige Rolle spielt. Auch andere Gene wie FBXW7, CTNNB1 und PIK3CA waren häufig betroffen.

  • Zur Info: Als Tumorsuppressor (Unterdrücker von Krebsgeschwulsten) reguliert das Gen TP53 den Zellzyklus, repariert DNA-Schäden oder leitet den Zelltod (Apoptose) ein. Mutationen in diesem Gen sind mit über 50 Prozent die häufigste Ursache für maligne Tumore, da sie unkontrolliertes Zellwachstum ermöglichen.

„Das Tumorsuppressor-Gen TP53 war in etwa einem Drittel aller Fälle verändert – ein klares Muster, das wir auch beim Menschen sehen“, erklärt Christof Bertram, Co-Autor der Studie und Assistenzprofessor am Zentrum für Pathobiologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni).

Doch es gibt auch Unterschiede: Zum Beispiel ist bei Brustkrebs bei Katzen das Gen FBXW7 (ebenfalls ein zentrales Tumorsuppressorgen; es ist häufig bei verschiedenen Krebsarten wie etwa Kolon-, Brust- oder Magenkarzinomen mutiert) oft verändert, während beim Menschen eher TP53 eine Rolle spielt.

Was über Ursachen für Krebs bei Katzen bekannt ist

Die Studie gibt auch Hinweise darauf, wie Krebs bei Katzen entsteht. Bei Hautkrebs fanden die Forscher in über der Hälfte der Fälle Spuren von UV-Licht-Schäden – ähnlich wie beim Menschen, der zu viel Sonne abbekommt.

Außerdem entdeckten sie in einigen Tumoren DNA von Papillomaviren, die möglicherweise eine Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen könnten.

Spannend ist auch, dass Tumoren bei Katzen oft einem bestimmten Muster folgen: Entweder gibt es viele kleine Mutationen oder große Veränderungen in den Chromosomen, aber selten beides gleichzeitig. „Dieses Entweder-oder-Muster erinnert stark an das, was wir aus der Humanmedizin kennen“, erläutert Bertram.

Bessere Behandlungen für Katzen und Menschen

Die genetischen Erkenntnisse könnten in Zukunft helfen, Krebs bei Katzen gezielter zu behandeln. In mehr als der Hälfte der untersuchten Tumoren fanden die Forscher Mutationen in Genen, die mit Medikamenten angreifbar sind.

Einige Gene haben „Schwachstellen“, die man gezielt nutzen könnte, um Tumorzellen zu bekämpfen. Insgesamt könnten 37 Prozent der Tumoren auf diese Weise behandelt werden.

Außerdem entdeckte das Team in 67 Fällen genetische Veränderungen, die bereits in der Humanmedizin als behandelbar gelten. „Von UV-Schäden bis zu präzisen Angriffspunkten: Diese Studie liefert eine praktische Landkarte für zukünftige Behandlungen bei Katze und Mensch“, resümiert Christof Bertram.

Neue biologische Zusammenhänge werden sichtbar

Die Studie zeigt, wie ähnlich sich Katzen und Menschen bei Krebs sind – und wie wir voneinander lernen können. Gleichzeitig machen die Unterschiede zwischen den Arten neue biologische Zusammenhänge sichtbar.

Das ist ein großer Schritt für den sogenannten One-Helath-Ansatz: Dabei arbeiten Human- und Tiermedizin zusammen, um bessere Therapien für alle zu entwickeln.

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Erstellt:
20. Februar 2026, 12:06 Uhr
Aktualisiert:
20. Februar 2026, 12:28 Uhr

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