KiK dünnt Filialnetz aus
Wie viele KiK-Filialen schließen in Stuttgart und der Region?
Der Textil-Discounter KiK schließt 300 Filialen, rund die Hälfte davon in Deutschland. Was geschieht mit den rund 50 Filialen in Stuttgart und der Region?
© Soeren Stache/dpa
Der Textildiscounter schließt in Deutschland rund 150 Filialen.
Von Daniel Gräfe
Die Leggins für 4,99 Euro, die Herren-Jeans für 12,99 und das Kinder-Shirt für 2,99 Euro: Der Textil- und Haushaltswarendiscounter KiK ist auch in der Region Stuttgart mit Schnäppchenpreisen groß geworden. Zu groß, wenn es nach der KiK-Geschäftsführung geht. Sie will das Filialnetz stark schrumpfen. „Wir haben zu dicht expandiert. Das bauen wir zurück“, wird KiK-Geschäftsführer Christan Kümmel von der Nachrichtenagentur dpa zitiert, die zuerst über die Abbaupläne berichtete.
KiK hat von den Textilhändlern die meisten Filialen in Deutschland. Aktuell sind es laut Unternehmen rund 2350 Geschäfte mit rund 19.000 Beschäftigten. Europaweit sind es gar knapp 4300 Geschäfte mit 32.000 Beschäftigten
Bis Ende des Jahres sollen europaweit 300 Filialen schließen, aber auch 75 neu eröffnet werden. In Deutschland wird KiK rund 150 Filialen schließen und rund 15 neu eröffnen, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit. Damit wären wohl mehr als 1000 Beschäftigte von den Filialschließungen betroffen.
KiK werde die Beschäftigten der betroffenen Filialen „in anderen Filialen weiter beschäftigen oder anderweitig eine Lösung finden“, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Kündigungen seien nicht geplant.
Betroffene Beschäftigte müssen die Filiale wechseln – falls das geht
Wie realistisch Wechsel in andere Filialen sein werden, hängt erfahrungsgemäß auch von der Mobilität und persönlichen Lage der Beschäftigten ab. Details zu möglichen Lösungen teilte KiK nicht mit. Gleichzeitig deutete Kümmel im Gespräch mit dpa weitere Filialschließungen in den kommenden Jahren an.
Welche Filialen bis Ende 2026 nicht weitergeführt werden, teilte KiK auf Anfrage nicht mit. Auch zu den einzelnen Standorten wollte das Unternehmen keine Auskunft geben. Laut Webseite ist das Filialnetz in der Region Stuttgart eng geknüpft. Knapp 50 Geschäfte betreibt der Textildiscounter in Stuttgart und den angrenzenden Landkreisen.
In Stuttgart gibt es laut Unternehmen derzeit sieben Filialen. Eine befindet sich im Stuttgarter Westen, eine im Osten und eine in Bad Cannstatt. Dazu kommen Filialen in Vaihingen, Fellbach, Feuerbach und Zuffenhausen. Nicht alle Standorte sind dabei so zentral gelegen wie im Vaihinger Einkaufszentrum Schwabengalerie oder in der Nähe des Ostendplatzes.
Auch in den umliegenden Kreisen ist die Zahl der KiK-Filialen hoch. Im Landkreis Esslingen betreibt KiK Geschäfte in Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt (2), Ostfildern, Deizisau, Reichenbach an der Fils, Kirchheim unter Teck, Wendlingen, Nürtingen und Neckartenzlingen.
Zehn Filialen unterhält der Textildiscounter im Landkreis Ludwigsburg, nämlich in Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Asperg, Markgröningen, Schwieberdingen, Remseck, Kornwestheim, Bönnigheim, Sachsenheim und Gerlingen.
Neun Filialen hat KiK im Landkreis Böblingen aufgebaut – konkret in Böblingen, Sindelfingen, Leonberg, Rutesheim, Weil der Stadt, Aidlingen, Herrenberg, Gärtringen und Weil im Schönbuch.
Fünf Fililalen verzeichnet KiK im Rems-Murr-Kreis, wo die Standorte in Kernen, Weinstadt, Winnenden, Korb und Winterbach sind. Dazu kommen noch sechs Geschäfte im Landkreis Göppingen: in Göppingen selbst sowie in Eislingen an der Fils, Ebersbach an der Fils, Rechberghausen, Donzdorf und Kuchen.
Verdi: Es werden vor allem kleinere Geschäfte schließen
Die Gewerkschaft Verdi in Baden-Württemberg rechnet damit, dass die rund 150 Filialschließungen in Deutschland vor allem kleinere Geschäfte in kleineren Orten betreffen werden. Das habe man aus Gesprächen mit den Beschäftigten erfahren.
KiK hatte bereits im vergangenen Herbst angekündigt, unrentable Filialen zu schließen, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit wieder zu steigern. Die Zahl der Schließungen falle jetzt wesentlich geringer aus, „als in den Medien im Herbst 2025 spekuliert wurde“, betonte eine Sprecherin.
Dem Unternehmen machen hauseigene Probleme wie die zu dichte Planung des Filialnetzes zu schaffen. Dazu kommt die Kaufzurückhaltung der Kunden. Gerade bei Textildiscountern wie KiK ist laut Handelsexperten die Kundenloyalität geringer als bei kleineren Modeunternehmen. Hier haben in den vergangenen Jahren Online-Billiganbieter aus China wie Temu und Shein häufig KiK-Preise unterboten und Kunden abgezogen.
Man halte aber am Standort Deutschland fest, teilte das Unternehmen mit. „Deutschland ist und bleibt unser wichtigster Markt, bei dem wir in den allermeisten Regionen und Städten vertreten sind. In Summe sind wir weiterhin mit über 2.200 Filialen in ganz Deutschland vertreten. Für uns und unsere Mitarbeitenden besteht damit Planungssicherheit für 2026.“
