Zweiteiler im Zweiten
Willkommen in der Hölle
„Mama ist die Best(i)e“ ist ein fesselndes und amüsantes zweiteiliges Familiendrama mit Adele Neuhauser als verurteilte Mörderin, die nach Rache sinnt.
© ZDF /Fabio Eppensteiner
Gloria Almeda (Adele Neuhauser) ist seit ihrer unerwarteten Rückkehr aus dem Gefängnis mit einer Fußfessel ans Schloss gebunden.
Von Tilmann P. Gangloff
Der Film beginnt mit einer Detonation, die für eine TV-Produktion durchaus beachtlich ist; und vor allem sehr, sehr laut. Dieser mehrfach wiederholte Knalleffekt markiert den Auftakt einer Handlung, die 180 Minuten lang fesselt, da sich der für seine bissigen Dialoge bekannte Autor Uli Brée viel Zeit nehmen kann, um eine moralisch durch und durch verkommene Wiener Sippe zu sezieren: Vordergründig mag der Zweiteiler wie ein Krimi wirken, weil eine als Mörderin ihres Gatten verurteilte Frau nach zehn Jahren im Gefängnis rausfinden will, wer ihren Mann wirklich auf dem Gewissen hat, aber tatsächlich ist „Mama ist die Best(i)e“ in erster Linie ein Familiendrama. Der grafisch clever gestaltete Titel – erst ein Blutstropfen macht die „beste“ Mama zur Bestie – ist allerdings irreführend: Gloria Almeda (Adele Neuhauser) war vor ihrer Haftstrafe alles andere als eine gute Mutter, doch dieses Etikett hat sie nicht verdient.
Außerdem hat die Zeit im Gefängnis sie zu einem anderen Menschen werden lassen. Ob auch zu einem besseren, wird sich zeigen, denn zunächst hat sie nur ein Ziel: Rache.
Sittengemälde voller Intrigen, Lügen und Bosheiten
Nach und nach entfalten Brée sowie die nicht minder erfahrene Regisseurin Ute Wieland auch dank vieler Rückblenden ein Sittengemälde voller Intrigen, Lügen und Bosheiten.
Was zunächst klischeehaft wirkt, entpuppt sich als besonders geschickter Schachzug, weil sich schließlich offenbart, dass gerade Glorias Kinder (Fanny Krausz, Manuel Rubey) tragische Figuren sind.
Für die Mutter gilt das nicht minder, allerdings nur in der Gegenwart: Die kaufsüchtige Gloria von früher führte ein Leben in Saus und Braus, ging ins Bett, wenn andere aufstehen, und widmete ihr Dasein gemeinsam mit ihrer nicht minder vermögenden Freundin Bernadette (Elena Uhlig), mit deren Mann (Roland Koch) sie ein Verhältnis hat, der Vernichtung perlender Getränke, wobei sie die Erzeugnisse aus der Sektkellerei ihres Ehemanns allerdings tunlichst mied. Victor (Bernhard Schir), der das Traditionsunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Gaston (Andreas Lust) geführt hat, war ein Scheusal, das für die gesamte Familie bloß Verachtung übrig hatte und seine Frau vor aller Augen im Gartenpavillon des fürstlichen Anwesens betrogen hat. Dort ist er auch bei der Auftaktexplosion ums Leben gekommen; ein Tyrannenmord, wie er im Buche steht, und allem Anschein nach hat Gloria die Tat in Auftrag gegeben. Der Täter, Bernadettes Gärtner, ist bei dem Anschlag umgekommen. Gloria gibt zwar zu, dem Mann eine erste Rate gezahlt zu haben, doch dann habe sie den Auftrag zurückgezogen; und mittlerweile ist die zuständige Kommissarin (Aglaia Szyszkowitz) geneigt, ihr zu glauben. Weil die Dialoge zwischen den Almedas vor Sarkasmus geradezu triefen, sind die Guten in dieser Geschichte zwei Frauen, mit denen sich Gloria im Knast angefreundet hat. Wie sie mit Hilfe der beiden Ex-Knackis (Lara Mandoki, Edita Malovcic) das Unternehmen und die Familie unterwandert, bis schließlich eine ganze Reihe höchst unbequemer Wahrheiten ans Licht kommen, ist raffiniert ausgedacht und immer wieder überraschend.
Eine weitere Traumrolle für Adele Neuhauser
Für Adele Neuhauser ist die Titel-Antiheldin nach den ARD-Filmen „Faltenfrei“ (2021), „Ungeschminkt“ (2024) sowie zuletzt „Makellos“ (2026) eine weitere Traumrolle aus der Feder Brées. Es macht sowieso großen Spaß, dem gesamten Ensemble zuzuschauen. Ihre Rückkehr ins traute Heim kommentiert Gloria mit den Worten „Ab in die Hölle“. Immerhin ist es ihre Hölle: Victor hat ihr angesichts der finanziellen Bredouille, die dem Unternehmen damals drohte, kurz vor seinem Tod sämtliche Immobilien überschrieben, weshalb sie zum Leidwesen der auf dem Anwesen lebenden Familie nach Belieben schalten und walten kann.
Mama ist die Best(i)e: ab 10.5. in der ZDF-Mediathek, im TV am 18.5. ab 20.15 Uhr.
