„Wir sind krachend gescheitert“

Ein paar Tage haben die Verantwortlichen der SG Sonnenhof Großaspach gebraucht, um den verpassten Aufstieg zu verdauen. Doch jetzt geht der Blick wieder nach vorne in Richtung neue Saison.

Michael Ferber blickt durchaus kritisch auf die abgelaufene Saison. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Michael Ferber blickt durchaus kritisch auf die abgelaufene Saison. Foto: Alexander Becher

Von Lars Laucke

So langsam löst sich die Schockstarre nach dem jähen Saisonende bei der SG Sonnenhof Großaspach. Von 34 Spieltagen stand der Fußball-Oberligist nur an zweien nicht unter den ersten zwei Teams der Tabelle und einer davon war ausgerechnet der letzte. „Wir hatten uns den Aufstieg in die Regionalliga zum Ziel gesetzt und da sind wir krachend gescheitert. So ehrlich muss man sein“, sagt Sportvorstand Michael Ferber. Er habe ein, zwei Tage gebraucht, um den späten 1:1-Ausgleich in Holzhausen und damit den Absturz auf Rang drei zu verdauen. „Aber so langsam geht es jetzt in die Analyse und damit wieder an die Arbeit.“

Ein erstes Ergebnis ist die Trainerpersonalie: „Wir wollen mit dem aktuellen Trainer in die nächste Saison gehen“, bekräftigt Ferber. „Das habe ich vor einem Jahr zwar auch gesagt und dann ist der Trainer von sich aus gewechselt.“ Ähnliches scheint bei Pascal Reinhardt aktuell jedoch nicht zu drohen. „Von meiner Seite aus gibt es keinerlei Tendenz, meinen Vertrag nicht zu erfüllen“, stellt der Coach klar.

13 Spieler des aktuellen Kaders haben noch mindestens ein Jahr Vertrag

Auch der Kader der Aspacher wird sich nach jetzigem Stand der Dinge nicht dramatisch verändern. Allein 13 Spieler haben noch einen laufenden Vertrag „und sämtliche Verträge gelten bei uns sowohl für die Ober- als auch für die Regionalliga“, betont Ferber. Zudem hat man sich mit dem SSV Ulm geeinigt, dass die bisherige Leihe von Mert Tasdelen in ein Vertragsverhältnis umgewandelt wird. Mit Innenverteidiger Bastian Frölich und Mittelfeldspieler Luca Wöhrle möchte man die auslaufenden Verträge gerne verlängern. Den Verein verlassen werden Dominik Salz (Karlsruher SC II), Anthony Mbem-Som Nyamsi, der zum Studium ins Ausland geht, und Konrad Riehle, dessen Leihe von den Stuttgarter Kickers endet. Nicht verlängert werden die Verträge von Bleart Dautej sowie die der Torhüter Lukas Britzelmeir und Silas Ihde. Auch diese drei werden die SG also verlassen.

Neben Niklas Pollex kommt auch Keeper Alexander Michalik aus Fellbach

Als Zugänge von außen sind derzeit Niklas Pollex und Keeper Alexander Michalik (beide bislang beim SV Fellbach) fix. Sicher ist zudem, dass aus der eigenen U 19 Jannis Gesell, Brooklyn Schwarz und Steffen Bönisch zum Kader der ersten Mannschaft stoßen. „Die drei waren ja auch in der abgelaufenen Saison schon ab und an dabei“, sagt Michael Ferber. Zudem endet die Leihe von Tim Häußermann an den FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Ob er in den Fautenhau zurückkehrt, ist noch nicht sicher. „Hier sind wir in Verhandlungen mit dem Verein und dem Spieler“, so Ferber. Häußermann und Frölich sind gleich zwei Innenverteidiger, bei denen derzeit noch verhandelt wird. Daneben stehen für diese Position nominell nur noch Arbnor Nuraj und Brooklyn Schwarz zur Verfügung. „Auch Volkan Celiktas oder Christian Mistl könnten das spielen. Aber sicherlich ist es sinnvoll, sich auf dieser Position breit aufzustellen“, erklärt Michael Ferber. Vom Ausgang der Verhandlungen mit Frölich und Häußermann wird wohl abhängen, wie intensiv die SG hier noch auf die Suche gehen wird.

Auf jeden Fall auf der Suche ist man in Aspach nach Alternativen für die Offensive. „Mit Salz und Nyamsi gehen uns 25 Tore flöten. Aber wir haben in Nico Engel einen Killer in den eigenen Reihen, der zuletzt nicht so zum Zuge kam“, sagt Pascal Reinhardt. „Wir wollen Nico mehr Vertrauen schenken“, betont auch Michael Ferber. „Immerhin hat er vergangene Saison sechs Tore geschossen, ohne ein einziges Mal in der Startelf zu stehen.“ Trotzdem will man sich natürlich weiter umschauen. „Aber es geht dabei nicht nach Namen, sondern es muss sinnvoll sein. Wir werden sicher keinen Konstantinos Markopoulos oder Marcel Sökler einkaufen“, so Ferber, der zudem aufgrund der Abgänge von Nyamsi und Riehle auch die Außenbahn als eine weitere Baustelle nennt.

Nun ist der Kader ja das eine, was man aus dem Personal macht, ist das andere. „Wenn man sein Saisonziel verfehlt, dann sind da Fehler gemacht worden, da kann sich niemand ausnehmen“, räumt Ferber unumwunden ein. „Wir haben zum Beispiel eine deutlich bessere Hin- als Rückrunde gespielt, mit erfolgreicherem und attraktiverem Fußball. In der Rückrunde haben wir nur einmal zwei Spiele am Stück gewonnen. Es gab Lichtblicke wie im Pokal gegen Ulm oder die Partie in Pforzheim und direkt im Anschluss wieder Rückschläge. Es fehlte die Konstanz.“ Pascal Reinhardt sieht es ähnlich: „Im Misserfolg hinterfragt man sich ja immer umso mehr. Wir haben letztlich zu viele Punkte in Spielen gegen Teams aus den unteren Regionen liegen gelassen“, sagt er mit Blick zum Beispiel auf die torlosen Heimspiele gegen Oberachern und Bissingen. „Das letzte Spiel in Holzhausen war ein Stück weit symptomatisch.“ Die Aspacher lagen vorne, wurden kurz vor Schluss aber noch abgefangen. Einige Spieler erweckten dabei den Eindruck, dass nach der Führung plötzlich die Angst vor dem Verlieren größer war als der Wille zum Sieg. „Da werden wir sicher als Mannschaft dran arbeiten“, sagt Reinhardt.

Womöglich muss das Spielsystem variabler werden

Michael Ferber gibt zu bedenken, dass die Mannschaft noch sehr jung ist. „Möglicherweise fehlte da auch ein Stück weit Erfahrung.“ In diesem Zusammenhang verweist Pascal Reinhardt darauf, dass man zum Beispiel Marius Kunde genau deshalb geholt habe, weil er neben der sportlichen Qualität eben auch diese Erfahrung habe. „Der fehlte aber leider im Saisonfinale, hat in der Rückrunde nur drei Spiele absolvieren können.“ Und so habe es viele Kleinigkeiten gegeben, die am Ende mit reingespielt haben. „Klar ist aber auch: Letztlich lag es nur an uns als Mannschaft mit mir als Trainer“, betont Reinhardt. „Womöglich müssen wir auch unser Spielsystem flexibler gestalten, um schwieriger berechenbar zu sein. Das sind Dinge, mit denen wir uns jetzt beschäftigen werden.“

Es wird also zwangsläufig einen dritten Anlauf geben, damit die SG Sonnenhof Großaspach wieder in die Regionalliga zurückkehrt. Dafür soll an einigen Stellschrauben gedreht werden, das grundsätzliche Konzept will man aber nicht verändern. „Wir werden sicher nicht elf fertige Spieler einkaufen, um mit denen dann aufzusteigen“, stellt Michael Ferber klar. Dass von außen gerne mal Äußerungen kommen, dass man doch mit dem vielen Geld der Familie Ferber durchmarschieren müsste, das juckt ihn schon lange nicht mehr: „Diese Sprüche habe ich schon zu Landesliga-Zeiten gehört. Aber wer wirklich Ahnung vom Fußball hat und sich unseren Kader anschaut, dem ist klar, dass das Unsinn ist. Wir haben sicherlich für die Oberliga sehr gute Bedingungen und vermutlich auch einen der höchsten Etats, aber bestimmt nicht den höchsten.“ Das werde vermutlich auch nächste Saison so sein, wenn zum Beispiel der Ex-Zweitligist VfR Aalen runterkommt. Doch das könne man nicht beeinflussen. „Wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir auf dem Platz machen.“

Pascal Reinhardt will und soll die SG auch nächste Saison trainieren. Foto: Tobias Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Pascal Reinhardt will und soll die SG auch nächste Saison trainieren. Foto: Tobias Sellmaier

Kommentar
Großaspach ist nicht Hoffenheim

Von Lars Laucke

Die SG Sonnenhof Großaspach hat im zweiten Jahr in Folge die Rückkehr in die Regionalliga verpasst. Diesmal hat es „noch nicht einmal“ für die Relegation gereicht. Über abfällige oder schadenfrohe oder kopfschüttelnde Bemerkungen müssen sich die SG-Verantwortlichen sicher keine Gedanken machen – denn die werden so sicher kommen wie der nächste Streit über den VAR. Und meistens schwingt eines mit: die Vermutung, dass doch Uli Ferber da so viel Geld reinbuttert, dass der Aufstieg kein Problem sein dürfte. Natürlich ist der Aspacher Hotelier und Vereinsmitbegründer eine wichtige, wenn nicht die entscheidende Figur in der Geschichte der SG. Natürlich würde ohne ihn das Stadion im Fautenhau nicht in dieser Form existieren und hätte der Verein nicht sechs Jahre in der Dritten Liga gespielt. Doch darf man eines nicht vergessen: Ferber ist weder Hopp noch Mateschitz, Aspach ist weder Hoffenheim noch Leipzig. Das Konzept der SG Sonnenhof Großaspach ist ein anderes und man ist seit den zwei Abstiegen wieder mehr zu diesem ursprünglichen Konzept zurückgekehrt: weniger Vollprofis, mehr dualer Weg und mehr junge Spieler, am besten aus der Region.

Das Wichtigste aber ist: Die SG war und ist nicht der einzige Verein in der Oberliga, in dem gute Fußballer am Werk sind. Villingen, Göppingen, Pforzheim, Nöttingen, Gmünd – alles Vereine mit starken Teams und teils sehr guter Infrastruktur. Und es werden in der nächsten Saison wohl nicht weniger. Denn selbst wenn neben Villingen auch Göppingen aufsteigen sollte, kommen die Regionalliga-Absteiger VfR Aalen und TSG Balingen hinzu. Der Aufstieg wird also auch in der nächsten Saison mit Sicherheit kein Selbstläufer.

Für die Verantwortlichen der SG Sonnenhof Großaspach gilt es nun, klar zu analysieren: Welche Fehler sind in der vergangenen Saison gemacht worden und wie kann man sie abstellen? Wo waren die Schwachpunkte im Kader und wie kann man sie beheben? Und zwar mit dem vorhandenen Konzept und Budget. Und dann muss gearbeitet werden, auf und neben dem Platz. Wie gut diese Arbeit ist und ob sie am Ende zum Aufstieg führt, das kann niemand vorhersagen. Dafür sind Fußball und der Sport im Allgemeinen – zum Glück – viel zu unberechenbar. Wer eine Garantie haben will, der sollte sich ein Auto kaufen. Und selbst da kann es schiefgehen.

l.laucke@bkz.de

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Erstellt:
6. Juni 2024, 06:00 Uhr

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