Parteispitze kündigt Prüfung an
Wirrer Auftritt bei AfD-Jugendkongress – Pantisano auf U-Boot reingefallen?
Ein Bewerber sorgt beim AfD-Jugendkongress mit einer Rede im Hitler-Stil für Verwirrung und Unruhe. Die Parteispitze reagiert – und prüft, ob mehr dahintersteckt.
© Jörg Ratsch/dpa/Jörg Ratsch
Für Alexander Eichwald hat es nicht gereicht – aber ist er überhaupt mit lauteren Absichten angetreten?
Von Sascha Maier/dpa
Die AfD-Spitze prüft nach Angaben von Parteichef Tino Chrupalla den fragwürdigen Auftritt eines Teilnehmers beim Gründungskongress der neuen Jugendorganisation. „Mit dem Inhalt sowie die Art und Weise seines Bewerbungsvortrags hat sich Alexander Eichwald von den Grundsätzen der Partei distanziert. Der Bundesvorstand missbilligt das ausdrücklich und sieht sich daher veranlasst, eine Prüfung seiner Daten und Mitgliedsrechte vorzunehmen“, sagte Chrupalla der Deutschen Presse-Agentur.
Rollendes „R“ erinnert an Reichskanzler
Bei dem Kongress in Gießen hatte sich ein „Alexander Eichwald“ für einen Posten im Vorstand beworben und mit seiner Bewerbungsrede in der Halle für Verwirrung und Kritik gesorgt. Eichwald trat mit rollendem „R“ und einer im Ton an NS-Reichskanzler Adolf Hitler erinnernden Rede ans Pult, sprach die Teilnehmer mit „Parteigenossen und -genossinnen“ an und rief in den Saal: „Die Liebe und Treue zu Deutschland teilen wir uns hier gemeinsam“ und „es ist und bleibt unsere nationale Pflicht, die deutsche Kultur vor Fremdeinflüssen zu schützen“.
Aus dem Saal kam anschließend scharfe Kritik. Eichwald wurde unter großem Beifall gefragt, ob er ein V-Mann des Verfassungsschutzes sei. Sein rollendes „R“ erklärte er damit, Russlanddeutscher zu sein. Gemutmaßt wurde auch, ob der Auftritt Teil einer Comedy-Aktion sein könnte, um der AfD zu schaden. Auf die Frage, ob sein Auftritt ernst gewesen sei, sagte Eichwald beim Verlassen der Tagungshalle zur dpa nur kurz „Ja“.
Derweil schießen im Netz Spekulationen ins Kraut. Auch der Stuttgarter-Linken-Abgeordnete Luigi Pantisano teilte eine Aufnahme des Auftritts auf der Plattform X und schrieb dazu: „Das ist nicht Generation Deutschland, das ist die Generation Hitler. Ekelhaft!“
Das ist nicht Generation Deutschland, das ist die Generation Hitler. Ekelhaft!#Giessenpic.twitter.com/iOdkbYdc3q — Luigi Pantisano (@LuigiPantisano) November 29, 2025
Im Netz finden sich über inaktive Accounts noch Bilder von einem jungen Mann, der frappierende Ähnlichkeit zu Eichwald besitzt und als Alexander Oak offenbar als Liedermacher tätig war. Sollte es sich um dieselbe Person handeln und der Auftritt nicht allein der Verhöhnung der Partei gedient haben, dürfte er einen Sinneswandel vollzogen haben: Denn die Bilder versprühen eher Hippie- denn Führer-Vibes.
Der Mann, der sich Alexander Eichwald nennt, kommt laut Chrupalla aus dem Landesverband Nordrhein-Westfalen. Er sei am 5. Oktober dieses Jahres in den Kreisverband Herford aufgenommen worden, den Beitritt zur Jugendorganisation habe er am 15. Oktober erklärt.
