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Wohncontainer haben bald ausgedient

Ursprünglich hat die Stadt Murrhardt die Anlage für die Anschlussunterbringung geflüchteter Menschen vom Kreis angemietet. Der Vertrag läuft zum Jahresende aus. Nun sollen die 22 Personen dezentral in städtischen Wohnungen unterkommen.

Schon fast fünf Jahre her: Die Ankunft von Geflüchteten in der Containerwohnanlage in der Fritz-Schweizer-Straße. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Schon fast fünf Jahre her: Die Ankunft von Geflüchteten in der Containerwohnanlage in der Fritz-Schweizer-Straße. Archivfoto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Als 2015/16 viele geflüchtete Menschen ins Land kamen, hieß es für den Landkreis zunächst in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden, so schnell wie möglich Gemeinschaftsunterkünfte anzubieten. In Murrhardt wurde aus Mangel an Alternativen, sprich städtischem Wohnraum, die Containerwohnanlage in der Fritz-Schweizer-Straße installiert, in der Fornsbacher Murrtalstraße ein Gebäude sowie in Oberneustetten ein ehemaliges Pflegeheim zur Unterbringung genutzt. Letztere beiden sind schon länger als Unterkünfte aufgelöst.

Da die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Murrhardt allerdings schwierig war, hatte die Stadtverwaltung, die für die Anschlussunterbringung der Geflüchteten zuständig ist, die Containerwohnplätze vom Landratsamt beziehungsweise der Kreisbau angemietet. So wurde aus der Gemeinschaftsunterkunft eine mittelfristige Wohnmöglichkeit. Nun endet der Leasingvertrag zum Ende des Jahres und die Stadt hat sich angesichts des auslaufenden Untermietvertrags zum 30. September überlegt, wie es weitergehen kann. Zwar habe der Kreis nun angeboten, die Frist bis zur Auflösung der Containeranlage zu verlängern, aber die Stadt wiederum habe klargemacht, dass man in Murrhardt einen anderen Weg gehen möchte, informierte Bürgermeister Armin Mößner in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats in der Gemeindehalle Kirchenkirnberg.

Aktuell sind es noch 22 Menschen, die dort in der Fritz-Schweizer-Straße wohnen – drei vierköpfige Familien sowie Einzelpersonen aus Somalia, Syrien, Afghanistan, dem Irak und Gambia. Zu dem kommt eine Zahl auf dem Papier: Die Stadt hat bis Jahresende zur Erfüllung ihrer Quote noch 16 geflüchtete Menschen in der Anschlussunterbringung aufzunehmen. Inwieweit diese noch zugeteilt werden, kann die Verwaltung aber derzeit nicht abschätzen.

Die Möglichkeiten mit Blick auf städtischen Wohnraum haben sich in der letzten Zeit verbessert, sodass eine dezentrale Unterbringung der 22 Menschen in einzelnen Wohnungen und Häusern möglich ist. Zur Verfügung stehen Wohnungen in der Bahnhofstraße, in der Geschwister-Scholl-Straße und in der Unteren Schulgasse, ein Wohnhaus in der Marktstraße und Schäferstraße in Fornsbach sowie in der Fritz-Schweizer-Straße in Murrhardt sowie ein Zimmer im Schulhaus Vorderwestermurr. So sollen die Familien und Einzelpersonen bis Ende September dort eine neue Bleibe finden, sodass der Vertrag mit der Kreisbau aufgelöst werden kann. Da sich so auch die Rahmenbedingungen ändern, muss die Stadt die Gebühren aus der Satzung für die Nutzung der Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte neu kalkulieren.

Aus den Reihen des Gemeinderats kamen Fragen sowie Anregungen. Martin Stierand (MDAL/Die Grünen) dankte zunächst allen, die sich um die Geflüchteten bemüht und sie begleitet haben, wie Elke Strohmaier-Detz, Leiterin des Amts für Ordnung und Soziales, und engagierte Bürger. Seiner Einschätzung nach sei die Lage gut, es habe nie größere Konflikte im Wohncontainer gegeben, wo Angehörige verschiedenster Kulturen zusammenleben. Eine dezentrale Unterbringung mit besseren Bedingungen begrüße er dennoch. Allerdings halte er eine weitere Begleitung für wichtig und merkte an, dass der Vertrag für die Mitarbeiter der Caritas zum September auslaufe. Er sprach sich dafür aus, die Betreuung auf ein Jahr zu verlängern und bat die Stadtverwaltung, sich in der Sache zu erkundigen. Zu den 16 Personen, die noch zugewiesen werden können, fragte er: „Haben wir da noch Wohnraum oder wird das dann knapp?“

Bürgermeister Mößner sagte, dass die Zahl der Quote entspräche und wenn die Menschen kämen, das von den jetzigen Wohnmöglichkeiten her erst mal nicht abgedeckt sei. Man müsse sich dann entsprechend bemühen. Der noch nachgeschobenen Bitte von Stierand, die neu kalkulierten Gebühren im Rat vorzustellen, wolle er nachkommen.

Auch Rolf Kirschbaum (CDU/FWV) war die soziale Betreuung der Menschen wichtig. „Wenn das ganz wegfällt, ist das sicher nicht im Interesse der Stadt“, sagte er, und der Arbeitskreis Asyl könne dies nicht auffangen. Er zeigte sich zuversichtlich, dass, sollte die Zuweisung von 16 Geflüchteten kommen, die Stadt Möglichkeiten finden könne.

Brigitte Kübler (UL) erkundigte sich, ob es Zahlen gebe, wie viele der Flüchtlinge, die vor rund fünf Jahren nach Murrhardt kamen, geblieben sind. Mößner sagte, dass das vermutlich nicht ganz einfach zu eruieren sei, man könne versuchen, die Einwohnerregister durchzugehen. Seiner Einschätzung nach sind noch viele Familien in Murrhardt, die damals kamen, auch weil die Bindung der Kinder an Kindergarten und Schule da sei. Für Alleinstehende sei es leichter umzuziehen, sie seien flexibler.

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Erstellt:
25. Juli 2020, 06:00 Uhr

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