Generationswechsel bei Trigema

Wolfgang Grupp: „Loslassen ist die härteste Arbeit, die ich je verrichtet habe“

Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp erhält einen Preis für sein Lebenswerk. In Wiesbaden spricht er über seine größte Lebenskrise und warnt davor, den Standort Deutschland schlechtzureden.

Wolfgang Grupp hält den Standort Deutschland nicht für ein Auslaufmodell.

© IMAGO/Dennis Duddek

Wolfgang Grupp hält den Standort Deutschland nicht für ein Auslaufmodell.

Von Eberhard Wein

Wer Wolfgang Grupp einlädt, bekommt klare Ansagen. Im Staccato referiert die Ikone des deutschen Wirtschaftspatriarchats dann ihre Überzeugungen über das Unternehmertum, die manche für schrullig halten, viele aber auch bewundern.

Beim Founder Summit 2026 im RheinMain CongressCenter hat der ehemalige Trigema-Chef jetzt über Scheitern gesprochen, über Verzweiflung und über seinen Suizidversuch im vergangenen Jahr. „Meine Frau hat mir dort das Leben gerettet“, sagte der 84-Jährige mit brüchiger Stimme. Und die Halle wurde still.

Grupp war nach Wiesbaden gekommen, um bei der zehnten Auflage des Business Festivals, das sich vor allem an Unternehmensgründer wendet, eine Auszeichnung für sein Lebenswerk entgegenzunehmen. Über Jahrzehnte galt der langjährige Trigema-Chef als moralischer Kompass der deutschen Wirtschaft, als unbeugsamer Verfechter des Produktionsstandorts. Dass er damit auch nervte, weiß Grupp. Bei ihm sei immer genau hingesehen worden, ob er die eigenen Standards auch einhalte.

Wolfgang Grupp: „Ein Lebenswerk vollendet sich im Loslassen“

„Ein Unternehmer, der nicht haftet, ist kein Unternehmer, sondern ein Angestellter mit Privilegien“, lautet eine seiner zentralen Botschaften, die er auch in Wiesbaden wiederholte. Doch gleichzeitig zeigte er eine neue Verletzlichkeit. Der Mann, der immer der Erste im Betrieb und der Letzte beim Verlassen sein wollte, gab vor den Jungunternehmern zu: „Ein Lebenswerk ist erst dann vollendet, wenn man die Größe hat, zum richtigen Zeitpunkt loszulassen.“

Der Generationswechsel bei Trigema, die Übergabe an seine Kinder, sei seine schwerste Aufgabe gewesen. Schwerer noch als die wirtschaftlichen Krisen, die er durchlebt habe, wie etwa die Corona-Zeit. Damals mussten auf einen Schlag alle Läden schließen. Die Ware stapelte sich im Lager. Doch Grupp ließ weiter produzieren. Das Primat der Arbeitsplatzsicherheit galt weiter. Es gebe ein Problem, „aber das ist meines und nicht eures“, habe er zu seinen Mitarbeitern gesagt. So sieht er auch die Übergabe des Burladinger Betriebs. „Meine Kinder übernehmen kein Unternehmen, sie übernehmen eine Verantwortung gegenüber 1.200 Menschen.“

Eigenverantwortung statt Staatshilfe: Grupps Appell an Gründer

Seine Ratschläge an die in Wiesbaden versammelte junge Gründergeneration klangen dabei so anachronistisch wie konsequent: Eigenverantwortung statt Staatshilfe, persönliche Haftung statt Exit-Strategien, Standorttreue statt Globalisierung. „Wer in Deutschland nur die hohen Kosten sieht, hat das Potenzial der deutschen Mitarbeiter nicht verstanden“, mahnte er und fügte hinzu: „Erfolg misst man nicht am Kontostand, sondern an der Anzahl der Familien, die man sicher durch den Monat bringt.“

Gleichzeitig brach er eine Lanze für den Standort Deutschland. „Glauben Sie nicht, dass im Ausland alles einfacher ist – dort verlieren Sie oft Ihre Seele, hier in Deutschland nur Ihr Geld, wenn Sie faul sind.“

Eindringlich wiederholte er sein Mantra: Es gebe keine Fehlentscheidungen, so lange man den Mut habe, sie bei neuen Erkenntnissen zu korrigieren. Für ihn gelte das auch im privaten Bereicht. „Ich war ein begnadeter Junggeselle“, bis er sich schließlich zur Heirat entschlossen habe – für ihn eine richtige Entscheidung. „Später braucht man die Familie. Sie ist das, wo man Zuflucht sucht.“

Wolfgang Grupps Krise und seine Rettung

Seine Frau habe ihm auch durch seine schwerste Krise geholfen. In einer depressiven Nacht habe er keinen Ausweg mehr gesehen. Er habe gemerkt, dass die Firma auch ohne ihn lief, und geglaubt, nicht mehr gebraucht zu werden. „Das Loslassen ist die härteste Arbeit, die ich je verrichtet habe. Viel härter als jede Nachtschicht in der Textilproduktion“, bekannte er.

Das Eingreifen seiner Frau Elisabeth und die Erkenntnis, dass er für seine Familie eben doch noch gebraucht werde – wenn auch in einer anderen Rolle –, hätten ihn gerettet. „Man darf hinfallen, man darf verzweifeln, aber man darf niemals die Verantwortung für sein Handeln auf andere abwälzen“, sagte Grupp zum Schluss. Es folgte langanhaltender Applaus.

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Erstellt:
13. April 2026, 14:00 Uhr

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