„Wer wird Millionär?“
Zocker-Oma räumt bei Jauch ab
Mit einem ebenso unterhaltsamen wie ungewöhnlichen Auftritt hat Elisabeth Jakubowski am Ostermontag bei „Wer wird Millionär?“ für Aufsehen gesorgt. Die 86-Jährige überzeugte mit Schlagfertigkeit, Humor – und einem mutigen Risiko, das sich am Ende auszahlte.
© RTL / Guido Engels
Moderator Günther Jauch. (Archivbild)
Von Katrin Jokic
Bereits Anfang März war Jakubowski im Studio zu Gast gewesen. Damals blieb ihr der Weg auf den Kandidatenstuhl verwehrt, da sie die Auswahlrunde nicht überstand. Dennoch hinterließ sie Eindruck: Mit Zwischenrufen und spontanen Einwürfen beteiligte sie sich auffällig am Geschehen und fiel dadurch nicht nur dem Publikum, sondern auch Jauch auf.
Offenbar so sehr, dass die Produktion Konsequenzen zog: Für das Oster-Special am 6. April wurde die Seniorin erneut eingeladen – diesmal allerdings ohne Auswahlfrage direkt als Kandidatin.
Schlagfertiger Einstieg und klare Ansagen
Gleich zu Beginn griff Jauch die Ereignisse des ersten Besuchs auf. Nach der Sendung habe sich Jakubowski über mehrere Dinge beschwert: zu kaltes Studio, schlechtes Essen und sogar gesundheitliche Probleme als Erklärung dafür, warum sie die Auswahlfrage nicht schnell genug beantwortet habe.
Die Reaktion der Kandidatin fiel knapp aus: „Korrekt. Kein Widerspruch.“ Jauch kommentierte trocken: „Das ist die dreisteste Ausrede, die es je gegeben hat.“
Damit war der Ton für den Abend gesetzt: direkt, ehrlich und mit viel Humor.
Mehr Joker, viel Unterhaltung
Jakubowski entschied sich für die Variante mit vier Jokern. Durch das Oster-Special kam ein weiterer Zusatzjoker hinzu. Damit startete sie mit umfangreicher Unterstützung in das Spiel.
Doch im Mittelpunkt standen weniger die Joker als vielmehr die Art, wie die Kandidatin durch die Fragen ging. Immer wieder unterbrach sie den Ablauf mit Anekdoten, Kommentaren und spontanen Reaktionen.
Auch private Themen wurden nicht ausgespart. Auf die Frage, ob ihr Mann im Falle eines Gewinns beteiligt werde, antwortete sie: „Der hat ja selbst genug.“ Als Jauch darauf hinwies, dass durch die lange Ehe ohnehin vieles gemeinsames Vermögen sei, konterte sie: „An mir hat der doch schon genug.“
Das Publikum reagierte ebenso wie Jauch mehrfach mit Gelächter.
Eierlikör im Studio und Geschichten aus dem Alltag
Nach der 16.000-Euro-Frage wurde im Studio Eierlikör serviert – ein weiterer ungewöhnlicher Moment. Jauch und Jakubowski stießen gemeinsam an, woraufhin die Kandidatin eine Geschichte aus ihrem Leben erzählte, die sich um ein Pfarrfest und Schnaps drehte.
Solche Einschübe sorgten dafür, dass der Quizcharakter der Sendung zeitweise in den Hintergrund trat, zugunsten eines sehr persönlichen und unterhaltsamen Abends.
Entscheidender Moment bei 32.000 Euro
Bei der 32.000-Euro-Frage musste Jakubowski erstmals stärker auf ihre Joker zurückgreifen. Gesucht war der Zusammenhang mit dem sogenannten „xG-Wert“.
Mit Hilfe eines Telefonjokers und des zusätzlichen Publikumsjokers kam sie schließlich auf die richtige Antwort: Fußballübertragungen. Danach war sie jedoch ohne weitere Hilfsmittel.
Risiko ohne Netz und die richtige Entscheidung
Die 64.000-Euro-Frage entwickelte sich zum Wendepunkt des Abends. Ohne Joker stand Jakubowski vor der Entscheidung, weiterzuspielen oder auszusteigen.
Die Frage lautete, wann Senioren laut Statistik am häufigsten im Straßenverkehr verunglücken. Gemeinsam mit Jauch analysierte sie die Antwortmöglichkeiten – weniger faktenbasiert als vielmehr aus persönlicher Erfahrung heraus.
Montagmorgen schloss sie aus, da Senioren ihrer Ansicht nach eher ausschlafen. Späte Abendstunden am Samstag hielt sie ebenfalls für unwahrscheinlich. Am plausibelsten erschien ihr der Freitagvormittag – typische Zeit für Einkäufe oder Arztbesuche.
Trotz fehlender Sicherheit entschied sie sich für diese Antwort – und lag richtig.
Jauch zeigte sich beeindruckt: „Das hätte ich mich niemals getraut.“ Die Kandidatin reagierte trocken: „Sie sind ja noch nicht so alt, aber ich kann mich da gut reinversetzen.“
Ausstieg bei 125.000 Euro
Nach diesem Erfolg stand Jakubowski vor der nächsten Hürde: der 125.000-Euro-Frage. Gefragt wurde, wo die Begriffe „Butterfly“ und „Mushroom“ unterschieden werden.
Die Kandidatin tendierte zur richtigen Antwort – Popcorn –, entschied sich jedoch gegen das Risiko. Ohne Joker und mit hoher Fallhöhe erschien ihr der Schritt zu unsicher.
Sie stieg aus und sicherte sich damit 64.000 Euro.
Persönlicher Abschluss und ein letzter Lacher
Zum Ende der Sendung wurde noch einmal deutlich, warum dieser Auftritt so besonders war. Auf die Frage, was sie mit dem Geld machen wolle, sprach Jakubowski unter anderem von einem möglichen Mehrgenerationenhaus für ihre Familie.
Auch hier blieb sie ihrem Stil treu. Als Jauch anmerkte, dass Immobilien in Duisburg vergleichsweise günstig seien, entgegnete sie trocken: „Aus gutem Grund. Wer will schon nach Duisburg?“
Zum Abschluss gab es erneut einen Schluck Eierlikör und die Auflösung der letzten Frage: Ihre Vermutung wäre korrekt gewesen.
Ein Auftritt, der hängen bleibt
Günther Jauch zog am Ende ein humorvoll-persönliches Fazit. Selten habe ihn eine Kandidatin emotional so aus dem Konzept gebracht.
Elisabeth Jakubowski hinterließ damit nicht nur als Gewinnerin einen Eindruck, sondern vor allem als Persönlichkeit. Ihr Auftritt zeigte, dass bei „Wer wird Millionär?“ nicht allein Wissen entscheidet – sondern manchmal auch Humor, Lebenserfahrung und die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen.
