Australian Open
Zverev scheitert im epischen Fünf-Satz-Halbfinale gegen Alcaraz
Der Hamburger verliert gegen den Weltranglistenersten in einem Marathon-Halbfinale der Australian Open. Ab dem dritten Satz wird es dramatisch.
© AFP/DAVID GRAY
Der Hamburger hat den vierten Einzug in ein Grand-Slam-Finale verpasst (Archivbild).
Von red/dpa
Alexander Zverev hat den erneuten Einzug ins Finale der Australian Open in einem Tennis-Drama verpasst. Der 28-Jährige musste sich in Melbourne in einem epischen Halbfinale dem Spanier Carlos Alcaraz mit 4:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 5:7 geschlagen geben, obwohl der Weltranglisten-Erste ab Ende des dritten Satzes mit großen körperlichen Problemen zu kämpfen hatte.
Zwar waren die Temperaturen in Melbourne mit etwas mehr als 30 Grad deutlich angenehmer als an den großen Hitzetagen mit bis zu 45 Grad zuvor. Dafür war es sehr schwül, was Alcaraz offensichtlich große Probleme bereitete. Zverev schlug im längsten Spiel seiner Tennis-Karriere im fünften Satz zum Matchgewinn auf, brachte den Sieg aber nichts ins Ziel. Nach 5:27 Stunden verwandelte Alcaraz seinen ersten Matchball.
„Es war das körperlich schwerste Spiel meiner Karriere“, sagte Alcaraz. „Entscheidend war, dass ich immer daran geglaubt habe“, sagte der Spanier, der erstmals bei den Australian Open im Finale steht.
Alcaraz plötzlich mit körperlichen Problemen
Zverev, der im vergangenen Jahr im Endspiel gegen Jannik Sinner verloren hatte, muss damit weiter auf seinen ersten Grand-Slam-Titel warten. Alcaraz trifft nun im Endspiel am Sonntag entweder auf Titelverteidiger Sinner aus Italien oder Rekord-Grand-Slam-Champion Novak Djokovic aus Serbien.
Gegen Alcaraz war Zverev fast drei Sätze lang nahezu chancenlos, ehe der Spanier plötzlich große körperliche Probleme bekam. Beim Stand von 4:4 im dritten Satz hatte Alcaraz auf einmal mit Krämpfen zu kämpfen. Nachdem der Spanier seinen Aufschlag mit Mühe durchgebracht hatte, ließ er sich beim Seitenwechsel behandeln und nahm eine medizinische Auszeit.
Sehr zum Unmut von Zverev. „Das ist unglaublich. Das gibt es nicht. Das kann nicht euer Ernst sein“, kommentierte Zverev die Behandlungspause des Spaniers in der entscheidenden Phase des dritten Satzes im Gespräch mit dem Oberschiedsrichter. Behandlungen sind eigentlich nur bei Verletzungen gestattet, nicht aber bei Krämpfen. Alcaraz hatte aber wohl angegeben, dass er einen Stich im Oberschenkel gespürt hatte.
Alcaraz kann kaum laufen
Alcaraz hatte nun deutlich Probleme, sich zu bewegen. Doch Zverev konnte daraus zunächst kein Kapital schlagen. Dem 28-Jährigen unterliefen ein paar leichte Fehler, sodass sich der Spanier in den Tiebreak retten konnte. Dort endlich nutzte Zverev die körperlichen Schwierigkeiten seines Gegners aus und ließ den Spanier laufen. Nach 3:03 Stunden Gesamtspielzeit holte er sich den dritten Satz.
Alcaraz ließ sich auch danach massieren und war nach wie vor weit von seiner normalen Fitness entfernt. Zverev schien der strauchelnde Gegner aber eher zu irritieren. Die deutsche Nummer eins versäumte es weiter, Druck auf Alcaraz auszuüben. Beim Stand von 3:2 hatte Zverev zwei Breakbälle, die Alcaraz aber bravourös abwehrte. Wieder musste die Entscheidung im Tiebreak fallen. Hier spielte Zverev nun sein bestes Tennis und schaffte nach 4:07 Stunden den Satzausgleich. Auf einmal war in der Rod Laver Arena wieder alles offen.
Zverev anfangs ohne Chance
Dabei hatte es in den ersten zweieinhalb Sätzen nach einer deutlichen Angelegenheit für Alcaraz ausgesehen. Zverev haderte lange Zeit mit seinem Aufschlag. Nachdem der 28-Jährige zuvor im Viertelfinale gegen den Amerikaner Learner Tien noch 24 Asse geschlagen hatte, wollte der erste Aufschlag gegen die Nummer eins der Welt nicht funktionieren.
Nach 40 Minuten nutzte Alcaraz seinen ersten Satzball. Die mit großer Spannung erwartete Partie plätscherte erst einmal weiter vor sich hin. Erst Mitte des zweiten Satzes steigerte sich Zverev, gewann endlich ein paar spektakuläre Ballwechsel. Alcaraz wirkte nun kurz unkonzentriert, Zverev nutzte die kleine Schwächephase und zog auf 5:2 davon. Doch dann schaltete Alcaraz wieder einen Gang nach oben und holte sich den Satz im Tiebreak.
Die Aufgabe für Zverev schien nun fast unmöglich. Alcaraz hatte im gesamten Turnierverlauf noch keinen Satz verloren, Zverev brauchte nun drei für den Einzug ins Finale. Auch er selbst schien nicht wirklich daran zu glauben. Doch dann begann das Drama. Alcaraz kämpfte mit großen Problemen, Zverev schaffte den Satzausgleich.
Unfassbares Niveau im fünften Satz
Im fünften Satz hatte sich Alcaraz dann weitgehend wieder erholt. Doch Zverev spielte nun großes Tennis und schaffte ein frühes Break. Beim Stand von 2:1 lieferten sich Zverev und Alcaraz dann einen erbitterten Kampf. Das Aufschlagspiel des Deutschen dauerte mehr als zehn Minuten. Zverev wehrte zwei Breakbälle des Spaniers ab und brachte sein Service schließlich durch.
Das Drama nahm weiter seinen Lauf. Beim 5:4 schlug Zverev zum Matchgewinn auf, kassierte aber das Break. Alcaraz ließ sich von den Zuschauern feiern und nutzte die Emotionen, um das Spiel doch noch zu drehen.
