Neue AfD-Jugendorganisation
Zwischen Aufbruch und rechter Rhetorik
In Gießen wurde die AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ gegründet. Von Mäßigung ist weiterhin kaum etwas zu spüren.
© AFP/Kirill Kudryavtse
Jean-Pascal Hohm, der Vorsitzende der neuen AfD-Jugendorganisation, ist tief in die rechtsextremen Strukturen in seiner Heimat Cottbus verwurzelt.
Von Jakob Kerry
„Kann ich Sie um ein Selfie bitten?“ Eine Frage, die viele Gespräche an diesem Tag in den Gießener Messehallen unterbrochen hat. Da wirken die zumeist strammen Männer mit akkuratem Scheitel zum Teil ziemlich nervös, wenn es um ein Foto mit ihren Polit-Idolen geht. So versammelt, wie an diesem Samstag, sind ihre Vorbilder nur selten: Teile des AfD-Bundesvorstandes inklusive der Doppelspitze Alice Weidel und Tino Chrupalla sind anwesend, der innerhalb der Partei umstrittene Matthias Helferich, der sich in der Vergangenheit selbst als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet hatte, sowie der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek, der einen eigenen Stand hatte. Alles aus der AfD und ihrem Vorfeld, was Rang und Namen hat, ist nach Gießen gekommen, zur Gründung der neuen Parteijugend, der „Generation Deutschland“ (GD).
Neben einem Jugendstatut, das den Namen und das Logo beinhaltet, wurde am Wochenende auch der Vorstand sowie ein Vorsitzender gewählt: der 28 Jahre alte Brandenburger AfD-Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm. Er musste sich schon zweimal von politischen Ämtern wegen seiner Kontakte zum rechten Rand zurückziehen und ist tief in die rechtsextremen Strukturen in seiner Heimat Cottbus verwurzelt.
25 000 Menschen beteiligten sich an Gegendemos
Aufgrund des massiven Protests von diversen Bündnissen – laut Polizei beteiligten sich 25 000 Menschen an den Gegendemos – konnte die Veranstaltung am Samstag erst mit mehr als zwei Stunden Verspätung anfangen. Als Hohm gewählt wurde, befanden sich rund 900 Akkreditierte in der Halle.
Ganz so harmonisch, wie es viele Bilder von sich in den Armen liegenden AfD-Politikern suggerieren, lief die Veranstaltung nicht ab. Es wurde deutlich, dass den Partei-Größen daran gelegen war, das Programm kurz zu halten. Die Basis hatte allerdings einiges an Redebedarf und erteilte dem Wunsch nach einem Ende der Debatte mehrmals eine Absage. Dennoch endete der Gründungskonvent bereits am Samstagabend; ursprünglich waren zwei Tage angesetzt worden.
Mäßigung hört sich anders an
Die Wunde zur Auflösung der alten Parteijugend schien bei vielen noch nicht verheilt. Anfang des Jahres beschloss die AfD bei ihrem Parteitag, die „Junge Alternative“ aufzulösen. Dabei standen vor allem die Angst vor Repressionen sowie die begrenzten Handlungsmöglichkeiten der Mutterpartei im Vordergrund. Denn wer in der Vergangenheit Mitglied der JA war, musste nicht zwangsläufig Mitglied der AfD sein. Mit der GD soll sich das nun ändern.
Wer unter 35 Jahre ist und in der Partei ist, wird fortan gleichzeitig Mitglied der neuen Jugendorganisation. Mit weniger radikalen Tönen der Jugend sollte man deswegen allerdings nicht rechnen. „Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder“ oder die Losung der Hitlerjugend: „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, war in Redebeiträgen zu hören – Mäßigung hört sich anders an.
