Zwischen Kolosseum und K.-o.-Runde
Die Ligaphase der Europa League geht für den VfB Stuttgart in die entscheidende Phase – mit dem attraktiven Auswärtsspiel bei der AS Rom. Der große Gegner im Porträt.
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Die Fans der AS Rom, die
Von Marco Seliger
Stuttgart/Rom - Die Reise in die Ewige Stadt ist attraktiv – und aus sportlichen Gesichtspunkten extrem wichtig. Wenn der VfB Stuttgart an diesem Donnerstag bei der AS Rom (21 Uhr/RTL) antritt, geht es um eine Vorentscheidung im Rennen um den direkten Achtelfinaleinzug in der Europa League. Wie also ist die Ausgangslage – und vor allem: Was für ein Gegner kommt da auf den VfB zu?
Die Konstellation Die Associazione Sportiva Roma (kurz AS Rom) empfängt als aktueller Tabellenzehnter den neuntplatzierten VfB, beide Teams haben aus bisher sechs Spielen jeweils zwölf Punkte geholt. Das Duell auf Augenhöhe ist auch eines um die begehrten Tickets für den direkten Achtelfinaleinzug. Den schaffen nur die besten acht Teams der Ligaphase (Rom und der VfB haben aktuell jeweils einen Punkt Rückstand auf den Tabellen-Achten FC Porto) – am vorletzten Spieltag in Rom werden nun also die Weichen gestellt.
Die Situation der AS Rom In der Serie A ist der Hauptstadtclub nach dem 2:0-Sieg beim FC Turin am Sonntagabend auf Kurs Champions League. Die Römer rangieren auf Platz vier der Tabelle, mit sieben Punkten Rückstand auf den Tabellenführer Inter Mailand. In der Coppa Italia, dem italienischen Pokal-Wettbewerb, gab es dagegen vor einer Woche eine herbe Enttäuschung. Da war Schluss im Achtelfinale – durch ein 2:3 gegen den FC Turin.
Die Mannschaft Die AS Rom holte kürzlich in Donyell Malen ein bekanntes Gesicht der Bundesliga auf Leihbasis. Der niederländische Offensivmann ging bis Januar 2025 für Borussia Dortmund auf Torejagd, nun trennten sich die Wege von Malen und dem Premier-League-Club Aston Villa nach einem Jahr schon wieder. Rom hat italienischen Medienberichten zufolge eine Kaufoption.
Ansonsten stehen in Abwehrmann Evan N’Dicka (Eintracht Frankfurt) und Mittelfeldspieler Manu Koné (Borussia Mönchengladbach) zwei ehemalige Bundesliga-Profis regelmäßig in der AS-Startelf. Zu den Stars des Teams zählen in Mittelfeldmann Lorenzo Pellegrini und Flügelstürmer Stephan El Shaarawy zwei italienische Nationalspieler.
Der Trainer Der VfB trifft am Donnerstagabend auf ein bekanntes Gesicht. Roms Trainer Gian Piero Gasperini coachte von 2016 bis 2025 den Ligarivalen Atalanta Bergamo – der in der vergangenen Champions-League-Ligaphase mit 2:0 in Stuttgart gewann. VfB-Trainer Hoeneß war damals angetan von Gasperinis Arbeit in Bergamo: „Ich möchte ihnen den größten Respekt ausdrücken und auch ein Lob an meinen Trainerkollegen weitergeben, es ist eine überragende Mannschaft“, sagte Hoeneß in Richtung Gasperini. Atalanta war unter Gasperini regelmäßig im internationalen Geschäft dabei und gewann im Mai 2024 durch ein 3:0 im Finale von Dublin gegen Bayer Leverkusen die Europa League.
Nun setzt der 67-jährige Trainerfuchs seine Arbeit in Rom fort – wo er wie in Bergamo auf ein extrem körperbetontes Spiel setzt, inklusive einer intensiven Manndeckung über den ganzen Platz. Der VfB wird sich also auf ein physisch geprägtes Spiel einstellen müssen – hat aber zuletzt in dieser Hinsicht ja selbst erfolgreich Partien geprägt.
Die Historie Die größten Erfolge der AS Rom sind die drei italienischen Meistertitel (Scudetti) in den Jahren 1942, 1983 und 2001, die neun Coppa-Italia-Siege, der Gewinn des Messepokals 1961 und der jüngste Titelgewinn: der Sieg in der Conference League 2022 – es war der erste internationale Titel des Vereins. Die Roma erreichte das Finale im Europapokal der Landesmeister 1984 sowie in der Europa League 1991 (damals noch Uefa-Pokal) und 2023.
Die Deutschen Klingende deutsche Fußballnamen sind das, die schon für die AS Rom aktiv waren. Insbesondere mit Blick auf die WM 1990 in Italien mit dem deutschen Titelgewinn im Finale von Rom und die damalige Stärke der Serie A waren in den Weltmeistern Rudi Völler, Thomas Häßler und Thomas Berthold gleich drei Deutsche in der Ewigen Stadt am Ball. Später waren noch der ehemalige VfB-Abwehrmann Antonio Rüdiger (von 2015 bis 2017/heute Real Madrid) und Mats Hummels (2024/25) aktiv für die Roma – wo ein gewisser Karl-Heinz Schnellinger einst den Pionier gab in Sachen deutscher Italien-Legionäre. Der Vizeweltmeister von 1966 spielte von 1963 bis 1965 für die AS.
Das Stadion Das Stadio Olimpico gehört zu den großen Traditionsstätten des Weltfußballs – hier holte die DFB-Elf am 8. Juli 1990 den WM-Titel. Das mehrfach modernisierte Stadion fasst aktuell knapp 72 000 Zuschauer. Der VfB war bisher einmal dort zu Gast: Im Europa-League-Achtelfinale 2013 setzte es im Rückspiel gegen Lazio Rom nach dem 0:2 im Hinspiel eine 1:3-Niederlage. Gegen die AS Rom hat der VfB bisher noch kein Spiel bestritten.
