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125 Jahre Kantorei und richtig vital

Beim Festgottesdienst zum Jubiläum des Gemeindechors gestalten Sänger und Ludwigsburger Blechbläserquintett Adventsmusik

Kirchenmusik in all ihren Facetten spielt gerade in der heutigen Zeit eine bedeutende Rolle, um in Worten, Klängen und Rhythmen die wesentlichen Inhalte des christlichen Glaubens zu vermitteln. Einen großen Teil dieser Aufgabe erfüllen Kirchenchöre wie die seit 125 Jahren bestehende Kantorei der evangelischen Kirchengemeinde Murrhardt.

In ihrem Element: Die Kantorei mit Kantor Gottfried Mayer (vorne links), die gemeinsam mit dem Ludwigsburger Blechbläserquintett eine festliche Adventsmusik aufführen. Fotos: E. Klaper

In ihrem Element: Die Kantorei mit Kantor Gottfried Mayer (vorne links), die gemeinsam mit dem Ludwigsburger Blechbläserquintett eine festliche Adventsmusik aufführen. Fotos: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Im Jubiläumsfestgottesdienst am ersten Adventssonntag gestaltete die Sängerschar gemeinsam mit dem Ludwigsburger Blechbläserquintett unter der Leitung von Kantor Gottfried Mayer eine facettenreiche adventliche Chormusik. Im Ostchor der Stadtkirche präsentierten die Mitwirkenden klangprächtige Werke verschiedener Epochen und Stile, reich ausgeschmückt mit kunstvollen melodischen und harmonischen Stimmführungen.

Die hoch engagierten Chorsänger mit ihren klangschönen und kraftvollen Stimmen und die professionellen Bläser, Hubertus von Stackelberg und Ulrich Dann (Trompeten), Harald Domes (Horn), Michael Peuser (Posaune) und Dorian Kraft (Tuba) bildeten einen rundum harmonisch aufeinander abgestimmten Klangkörper. Die Kantorei hat ein für Amateure beachtlich hohes Niveau erreicht, was auch der intensiven Probenarbeit mit und der starken Motivation durch Kantor Gottfried Mayer zu verdanken ist.

„Seit 125 Jahren singt und lobt die Kantorei Gott und gestaltet das Gemeindeleben mit“, dies löse Respekt und Freude aus, auch angesichts der starken Vitalität, die dahinterstecke, betonte Pfarrer Achim Bellmann, der für die Liturgie und Predigt verantwortlich zeichnete. Mit den von der Kantorei gesungen Worten Gottes „kommt ein Schatz ins Herz, der Kraft für Leben und Glauben gibt“, hob Bellmann hervor.

Das Programm der adventlichen Chormusik umfasste feierliche Werke mit kunstreich gestalteter Melodik und Harmonik aus Renaissance und Frühbarock, wie „Machet die Tore weit“ von Andreas Hammerschmidt als Vorspiel. „Hosianna, dem Sohne Davids“ von Bartholomäus Gesius erklang mitten in der Schriftlesung über den Einzug Jesu Christi in Jerusalem. Von Strophe zu Strophe reicher ausgeschmückt kam das alte Adventslied „Nun komm, der Heiden Heiland“ von Martin Luther nach dem Satz von Johann Crüger zur Geltung.

Die ganze Pracht und Herrlichkeit der Barockmusik entfalteten das Quintett und der Kantor als Organist in Georg Friedrich Händels schwungvollem, jubelndem „Halleluja“ aus dem Oratorium „Der Messias“ in einer Fassung für Blechbläser und Orgel. Alle Akteure und die zahlreichen Besucher des Festgottesdienstes sangen und spielten gemeinsam Händels freudig bewegtes Adventslied „Tochter Zion“. Ein weiterer Höhepunkt war „Gloria: Ehre sei Gott in der Höhe“ von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Klangschön boten Sänger und Musiker die romantisch monumentalen, emotional und dynamisch sowie klangfarblich reich ausgearbeiteten Melodie- und Harmoniebögen dar. Zudem präsentierte ein Quartett junger Sänger aus dem Jugend- und dem Kammerchor bezaubernde solistische Partien: Rabea Vockeroth (Sopran), Hanna Jetter (Alt), Josua Vockeroth (Tenor) sowie Reiner Müller (Bass). Die Musik der Moderne repräsentierte das neue Lied „Die Kerze brennt“ im Pop-Jazz-Rhythmus von Bernd Schlaudt. Mit starkem Beifall dankten die Besucher den Mitwirkenden für die wunderschönen, stimmungsvollen Interpretationen.

Beim anschließenden Stehempfang verdeutlichte Pfarrer Hans Joachim Stein, warum eine Kirchengemeinde die Kantorei braucht: „Damit Menschen ihre Türen und Herzen öffnen für das Wirken Gottes“. Musik im Gottesdienst sei „kein schmückendes Beiwerk, sondern Verkündigung im allerbesten Sinne“, hob der geschäftsführende Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde der Walterichstadt hervor. Darum sei es umso schöner, dass es die Kantorei schon seit 125 Jahren gibt. Und jene Kirchengemeinderäte, die anno 1894 skeptisch waren, ob die Kantorei auch fortbestehen könnte, würden heute staunen über deren Können und Vielseitigkeit.

„Die Kantorei tut mit ihrer Musik der Gemeinde und sich selbst gut, denn Singen heißt ganz bei sich und bei Gott zu sein.“ Überdies sei Singen für Körper und Geist förderlich, zitierte Stein Kantor Gottfried Mayer. Zuversichtlich blickte der Pfarrer in die Zukunft: Zwar sei heute gemeinsames Singen nicht mehr im Trend, „aber solange es Gott gibt, wird es Stimmen geben, die ihm zu Ehren Lob singen“. Hans Joachim Stein dankte allen Sängern für ihre langjährige Treue, Zeit und Kraft, die sie in die Kantorei investieren. Ebenso dankte er Kantor Gottfried Mayer, der heuer den Chor seit 25 Jahren leitet, für dessen starkes Engagement.

Stein wünschte Mayer Momente, in denen er spüre, dass die Kirchenmusik bei den Zuhörern ankommt und diese begeistert. Abschließend überreichte der Pfarrer Heide Schneider, die schon seit über 60 Jahren in der Kantorei mitsingt, und Gottfried Mayer Urkunden des Verbands für evangelische Kirchenmusik in Württemberg sowie des Chorverbands der evangelischen Kirche in Deutschland als Anerkennung. Für den Kantor hatte der Pfarrer noch ein Geschenkpäckchen aus dem Weltladen im Gepäck mit fairen Espressobohnen in Schokolade, die ihm Kraft und Genuss für seine wichtige Aufgabe geben sollen.

Pfarrer Hans Joachim Stein (Mitte) nutzt das Jubiläum für zwei Ehrungen: Heide Schneider (rechts) ist seit über 60 Jahren in der Kantorei und Gottfried Mayer leitet sie seit einem Vierteljahrhundert.

© Elisabeth Klaper

Pfarrer Hans Joachim Stein (Mitte) nutzt das Jubiläum für zwei Ehrungen: Heide Schneider (rechts) ist seit über 60 Jahren in der Kantorei und Gottfried Mayer leitet sie seit einem Vierteljahrhundert.

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Erstellt:
3. Dezember 2019, 06:00 Uhr

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