Berlin
Altbundespräsident Gauck missfällt Bild der Brandmauer gegen AfD
Wie umgehen mit der AfD? Altbundespräsident Joachim Gauck plädiert für eine Mischung aus Gelassenheit und klarer Kante.
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Altbundespräsident Joachim Gauck plädiert für einen differenzierten Umgang mit der AfD (Archivfoto).
Von red/KNA
Altbundespräsident Joachim Gauck plädiert für einen differenzierten Umgang mit der AfD und ihren Wählern. Seiner Meinung nach sei es ein schwerer Fehler, jeden AfD-Wähler pauschal zum Faschisten zu erklären, sagte Gauck der "Welt am Sonntag". "Das ist Unfug."
Als eigentliches Hauptproblem identifizierte Gauck ein psychologisches Bedürfnis nach Entlastung. "Viele Menschen wollen in dieser komplexen Welt kein aktives demokratisches Subjekt mehr sein. Sie sehnen sich nach einer Gefolgschaft, einer Führerpersönlichkeit. Das entlastet von der eigenen Verantwortung."
Klartext mit Wählern reden
Es gelte, der Wählerschaft deutlich vor Augen zu stellen, "dass die AfD das Land in eine wirtschaftliche und außenpolitische Katastrophe steuern würde, dass man die Interessen des Kriegsbrandstifters Putin vertritt". Dies jedoch sei etwas anderes als die pauschale Verurteilung: "Alles Nazis", so Gauck.
Auf die Frage, wie er zur Debatte um die "Brandmauer" zur AfD stehe, antwortete der Altbundespräsident, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und CSU-Chef Markus Söder mit ihrer Abgrenzungsstrategie völlig recht hätten. "Mit dieser Partei darf es in den Parlamenten keine Zusammenarbeit geben. Die AfD hat sich selbst systematisch disqualifiziert."
Plädoyer für pragmatische Politik
Trotzdem gefalle ihm das Bild der "Brandmauer" nicht, so Gauck. Er bevorzuge das Bild einer befestigten, aber geregelten Grenze. "Das bedeutet: Man zieht eine glasklare politische Trennlinie - mit denen nicht. Aber auf kommunaler Ebene muss man pragmatisch das Schwimmbad oder den Kindergarten auch mal mit deren Stimmen beschließen können, ohne dass gleich die demokratische Welt einstürzt."
Mit Blick auf die im September anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern betonte der Altbundespräsident: "Wer seine Stimme der AfD gibt, wählt zu großen Teilen den reinen Protest. Eine echte Zukunftsaussicht sehe ich dort überhaupt nicht. Denken Sie nur an die Vorstellungen in der Bildungspolitik." Aber selbst wenn die AfD eine Alleinregierung bilden sollte, werde sie beim konkreten Gestalten an ökonomische und rechtliche Grenzen stoßen, fügte Gauck hinzu.
