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An der Villa Franck grasen keine Schafe mehr

Das Veterinäramt hat die 25-köpfige Herde wegen wiederholter Beanstandungen bei der Pflege eingezogen. Situation und Vernachlässigung haben erhebliche Leiden bei den Tieren verursacht, so eine zentrale Begründung. Halter Patrick Siben bestreitet dies und hat rechtliche Mittel eingelegt.

Patrick Siben hatte viele Jahre Waldschafe auf dem Gelände der Villa Franck und auf Flächen in der Nähe gehalten – das Bild stammt von 2020. Das Veterinäramt hat nun aber Grundlegendes bei der Haltung bemängelt und die Herde schließlich eingezogen. Archivfoto: Jörg Fiedler

© Jörg Fiedler

Patrick Siben hatte viele Jahre Waldschafe auf dem Gelände der Villa Franck und auf Flächen in der Nähe gehalten – das Bild stammt von 2020. Das Veterinäramt hat nun aber Grundlegendes bei der Haltung bemängelt und die Herde schließlich eingezogen. Archivfoto: Jörg Fiedler

Von Christine Schick

Murrhardt. Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass die Schafhaltung von Patrick Siben auf dem Gelände der Villa Franck in Murrhardt in den Fokus der Behörden gerückt war. Im Frühjahr 2020 intervenierte das Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises, weil es einem Lamm der Herde schlecht ging, ließ das Jungtier in eine Tierarztpraxis bringen und nachdem es sich vollständig erholen konnte, haben die Verantwortlichen es dem Halter wieder übergeben (wir berichteten). Das Amt beurteilte den gesundheitlichen Zustand der Herde allerdings insgesamt als mangelhaft und kündigte an, die Lage in Bezug auf Einhaltung der Tierschutzvorschriften weiterhin im Blick zu behalten.

Nun sah sich das Veterinäramt gezwungen, wieder aktiv zu werden und noch stärker einzugreifen. Auf Nachfrage erläutert Veterinäramtsleiter Thomas Pfisterer, dass ein ähnlicher Fall wie vor zwei Jahren vorlag. Einem Muttertier und einem Lamm sei es schlecht gegangen. Der Zustand des Jungtieres sei so kritisch gewesen, dass es ohne Intervention wohl nicht überlebt hätte. Die Kreisbehörde entschloss sich deshalb, die beiden Tiere aus dem Bestand zu entnehmen und – dann kurzfristig – diesen komplett aufzulösen, um mögliches weiteres Leid abzuwenden.

Veterinäramt: ausreichende Fütterung und Tränkung wiederholt nicht erfolgt

Patrick Siben hatte 2020 betont, dass es sich bei seinen bayerischen Waldschafen um eine Rasse handele, die besonders robust sei, sprich gut mit widrigen Umständen – steilem Gelände und rauerer Witterung – zurechtkäme. Allerdings mahnt das Amt Grundsätzliches an: „Die Aufgabe des Tierhalters ist es, auch bei robusten Rassen unter anderem für eine ausreichende Fütterung und Tränkung der Tiere Sorge zu tragen. Dieser ist der Tierhalter wiederholt nicht nachgekommen.“ Weitere Punkte sind: „Die Haltungsumstände waren mangelhaft. So brachen die Tiere aus und der Unterstand war nicht mehr funktionstüchtig. Der Tierhalter ist für eine sachgerechte Pflege seiner Tiere verantwortlich. So ist die erforderliche Entwurmung der Schafe erst durch Intervention des Veterinäramts erfolgt.“ Die Verantwortlichen kommen zu dem Schluss: „Der Halter hat durch die Situation und die Vernachlässigung erhebliche Leiden bei den Tieren verursacht.“

Die Kreisbehörde musste aus ihrer Sicht tätig werden, weil der Halter seiner Fürsorgepflicht fortwährend nicht ausreichend nachgekommen sei. Aufgrund der Vorgeschichte und der Begleitung bestand Gelegenheit für den Halter, sich auf die geforderten Rahmenbedingungen einzustellen beziehungsweise sie zu schaffen, ließe sich schlussfolgern. Allerdings beurteilt Patrick Siben die Lage und die Vorwürfe völlig anders. Er hat Widerspruch eingelegt, sodass ein Gericht in den Prozess miteingebunden war. Es entschied für die Entnahme der Herde; somit wurde die Rechtmäßigkeit des behördlichen Handelns von dieser Seite bestätigt.

Das Veterinäramt lässt in seiner Stellungnahme auch wissen, dass dies ein schwieriger Schritt sei und nicht leichtfertig geschehe. Das bedeutet aber vor allem, dass eine Wegnahme der Tiere – inklusive der Weitervermittlung an einen neuen Halter – und das Verbot der Haltung von Tieren erst als letzte Maßnahmen nach einem langen verwaltungsrechtlichen Verfahren möglich seien, so die Kreisbehörde.

Was passiert ist, ist für Patrick Siben „ein ungeheuerlicher Vorgang“. Er halte seit 20 Jahren Schafe, wobei ganz grundsätzliche Überlegungen eine Rolle gespielt hätten, wie die Wiesen des Geländes rund um die Villa Franck nicht maschinell mit dem Rasenmäher zu bearbeiten, der Benzin verbrauche, sondern mit den Tieren Landschaftspflege zu betreiben, wie es schon vor 100 Jahren üblich gewesen sei. „Das ist für mich auch eine Art Denkmalschutz“, sagt er. Er lebe aber nicht nur in der der Vergangenheit, sondern denke aktuell auch an die Erhaltung der Vielfalt einer Streuobstwiesenlandschaft. Seinen Schafen gehe es hier oben gut, sie ließen sich auf den verschiedenen Flächen umtreiben, hätten mit dem angrenzenden Wald auch Schatten. Bewusst habe er sich für das bayerische Waldschaf entschieden, das, wie er wieder unterstreicht, keine Hochleistungsrasse und robust, gut an die Bedingungen draußen im Gelände angepasst und nicht krankheitsanfällig sei. „Das Veterinäramt kennt diese Rasse nicht, beurteilt den Ernährungszustand falsch“, sagt er. Die Schafe seien kleinwüchsig, nicht fett, sondern mager.

Patrick Siben weist alleVorwürfe des Veterinäramtes zurück

Seit sechs oder sieben Jahren seien immer wieder Kontrollen erfolgt, aber die Vorwürfe, die man ihm mache, müsse er alle zurückweisen. Nun habe man die Tiere vor ungefähr drei Wochen ohne sein Beisein abgeholt und es gehe ihm ähnlich wie den Bäuerinnen in Weissach im Tal vor einem Jahr (wir berichteten). Mittlerweile habe er Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim eingelegt. „Ich hoffe, dass so mein Leumund wiederhergestellt werden kann“, sagt er. Er sei ungerechtfertigt zu einem staatlich anerkannten Tierquäler abgestempelt worden. Zu dem besagten Lamm und Muttertier fällt seine Beurteilung vollkommen anders aus. Das Jungtier sei ein sogenanntes Nachzüglerlamm eines Muttertieres niedriger Rangordnung gewesen, es habe ihr Junges gut versteckt. Die Mutter habe aber Futter, auch Extraportionen, von ihm bekommen. Beiden sei es gut gegangen. Das Lamm habe eine Anomalie an den Vorderläufen gehabt, „es ist aber aufgestanden, war vital“. Dazu gebe es auch ein Beweisfoto. Ein Unterstand sei vorhanden genauso wie ein Stall und die Entwurmung habe ebenso stattgefunden. Auch bei Fütterung und Tränkung sieht Patrick Siben keine Versäumnisse. Dass die Tiere ausgebrochen sind, hat für ihn Gründe, die außerhalb liegen. Er berichtet von Situationen, in denen der Strom am Zaun abgestellt worden sei oder Mütter mit ihren Kindern die Tiere gefüttert hätten. Dabei lande Brot auch schon mal vor dem Zaun, sodass die Schafe nach außen drängen würden.

Wie kann er sich selbst erklären, dass das Veterinäramt die Lage so anders beurteilt? Patrick Siben äußert Zweifel daran, dass das Wissen um die Rasse und die Praxis der Zuständigen für eine sachgerechte Einschätzung ausreiche. Für ihn sei dies auch eine Frage der Maßstäbe, und die seien letztlich gesellschaftlich geprägt. Dazu wiederholt er sein Bild von 2020: Wer als Tüv-Prüfer in der Regel Fahrzeuge wie einen Porsche abnehmen müsse, stelle bei einer Ente natürlich infrage, ob die den Standards genügt.

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Erstellt:
5. Mai 2022, 06:00 Uhr

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