Gebeine des Ottonen-Kaisers

Archäologen erforschen Otto den Großen bis ins kleinste Detail

Verletzungen, Krankheiten, ausgeprägter Zahnstein – selbst der Speiseplan des mittelalterlichen Herrschers wird deutlich. Die Sanierung des Grabmals in Magdeburg bietet Forschern neue Möglichkeiten.

Die Gebeine Otto des Großen liegen am 18. März im Hörsaal auf dem Campus der Universitätsmedizin Magdeburg auf einem Tisch. Dort fand eine Pressekonferenz der zu den Untersuchungsergebnissen am Grabmal von Otto dem Großen statt.

© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Die Gebeine Otto des Großen liegen am 18. März im Hörsaal auf dem Campus der Universitätsmedizin Magdeburg auf einem Tisch. Dort fand eine Pressekonferenz der zu den Untersuchungsergebnissen am Grabmal von Otto dem Großen statt.

Von dpa/Markus Brauer

Er war für seine Zeit mit rund 180 Zentimeter überdurchschnittlich groß, saß offenbar viel im Sattel, hatte Arthrose besonders an Knien und Hüfte und starken Zahnstein an den unteren Schneidezähnen: All das trifft laut Forschern auf Otto den Großen (912-973) zu.

 Wegen der Sanierung des Sarkophags des mittelalterlichen Herrschers bekamen sie die Gelegenheit, dessen Gebeine mit neuen wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen.

Das wichtigste Ergebnis ist: Es handelt sich tatsächlich um die Gebeine Ottos. „Es war gar nicht unbedingt zu erwarten, weil in solchen Gräbern, die so lange zugänglich sind, ganz häufig die Toten ausgetauscht werden“, sagt Sachsen-Anhalts Landesarchäologe Harald Meller.

Fast das gesamte Skelett ist erhalten

Der entscheidende Nachweis, dass es sich um Otto I. handelt, sei über die Genetik erfolgt, so Meller weiter. Archäogenetische Analysen an den Gebeinen Ottos des Großen und Heinrichs II. aus dem Bamberger Dom belegten, dass es sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um Otto handele. Beide sind Verwandte dritten Grades und über die väterliche Linie verbunden.

Die Archäologen präsentierten die gut erhaltenen sterblichen Überreste Ottos I. auf einem Tisch mit weißer Decke in einem Hörsaal der Universitätsmedizin Magdeburg. Nur wenige Knochen fehlen.

Der Kaiser war unter anderem in einem Computertomografen untersucht worden, viele Analysen erfolgen in Laboren. Zusammen sind laut Meller zahlreiche Wissenschaftler aus mehr als 30 Institutionen an den Untersuchungen beteiligt.

Knochenbrüche und eine mögliche Todesursache

Die Forscher fanden unter anderem diverse Verletzungen bei dem Herrscher. An der linken Speiche etwa seien Spuren einer verheilten Fraktur zu erkennen. Am Hinterkopf und im Gesicht fanden sich Spuren verheilter Gewalteinwirkungen.

Es fehlten drei obere Schneidezähne, die schon zu Lebzeiten verloren gegangen seien. Sie stünden möglicherweise im Zusammenhang mit anderen Verletzungen am Schädel.

Hinweise auf die mögliche Todesursache sehen Forscher in einseitig vergrößerten Gefäßkanälen, die zum Kopf führen. Der Kaiser sei möglicherweise durch einen Schlaganfall gestorben. Das könne zu detaillierten Beschreibungen zum Tod Ottos passen. So soll der Kaiser tagsüber noch normal gegessen haben. Am Abend verlor er beim Gebet plötzlich das Gleichgewicht, wurde hingesetzt, kippte dann aber um. Er wurde 60 Jahre alt.

So könnte Ottos Speiseplan ausgesehen haben

Mit einer Isotopenanalyse gewannen die Wissenschaftler Erkenntnisse zu den Ernährungsgewohnheiten Ottos. Die Ergebnisse sprächen dafür, dass er häufig tierische Proteine zu sich nahm, wahrscheinlich auch Süßwasserfisch.

Auch Getreide und Hülsenfrüchte standen demnach auf dem Speiseplan, selten aber Hirse, die bei ärmeren Bevölkerungsschichten verbreitet gewesen sei. „Die Nahrungsgewohnheiten sind typisch für elitäre Persönlichkeiten des Mittelalters aus dem mitteleuropäischen Raum“, heißt es.

Ausgangspunkt der neuen Untersuchungen war das bröckelnde Grab von Otto dem Großen im Magdeburger Dom. „Wir hatten ein riesiges Glück, dass der Sarkophag Ottos nicht einfach zusammengebrochen ist, denn er war so rissig und geschädigt, dass wir im letzten Moment Otto davor retten konnten, unter der 300 Kilo schweren Marmorplatte zerquetscht zu werden“, erklärt Landesarchäologe Meller.

Otto hätte gehofft, dass er identifiziert wird

Meller betont, gemeinsam mit Kirchenvertretern seien das Vorgehen und auch die Präsentation abgewogen worden. Über Otto sagt er: „Er hätte gewollt, dass man sich seiner erinnert, dass man an seinem Grab einen Gottesdienst feiern kann, dass man ihn identifiziert. Das wäre aus der mittelalterlichen Sicht so gewesen.“

Und auch die aktuelle theologische Sicht sei so, ergänzt Meller. Er verweist auf jüngste Äußerungen von Papst Leo, welcher der christlichen Archäologie nochmals den Rücken gestärkt habe.

Neue Beisetzung am 1. September im Magdeburger Dom

Insofern handele man „völlig ethisch“ in Übereinstimmung mit religiösen Normen und Gesetzen, konstatiert Meller. „Für uns ist natürlich die Würde des Menschen als Wissenschaftler entscheidend. Deshalb werden wir Otto auch wieder beilegen.“ In einem neu gestalteten Sarg sollen die Gebeine im Magdeburger Dom am 1. September wieder beigesetzt werden.

Otto I., auch Otto der Große genannt, war der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Otto wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. 968 gründete er das Erzbistum Magdeburg. 973 starb er in Memleben. Er wurde im Magdeburger Dom an der Seite seiner schon 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt.

Herrschaft der Ottonen

Die Bezeichnung Ottonen geht auf die drei liudolfingischen Kaiser Otto I. (936–973), Otto II. (973–983) und Otto III. (996-1002) zurück.

Bereits zu Regierungszeiten von König Heinrich I. (um 876-936, König des Ostfrankenreiches von 919-936) aus dem Geschlecht der sächsischen Liudolfinger war Quedlinburg einer der Hauptorte der Herrscherdynastie der Ottonen. Sie wurde durch Heinrichs I. Sohn, den ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Otto den Großen (912-973) begründet.

Otto I. gilt als einer der bedeutendsten Herrscher im frühen Mittelalter. Nach der Abwehr von Normannen, Ungarn und Sarazenen erlebte Europa in seiner Zeit einen unvergleichlichen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. Unter anderen bildete sich in Ansätzen das heutige Gefüge der Nationalstaaten heraus.

Otto I., auch Otto der Große genannt, war der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und eine zentrale Figur der europäischen Geschichte. Otto wurde 962 in Rom zum Kaiser gekrönt. 968 gründete er das Erzbistum Magdeburg. 973 starb er im Memleben. Er wurde im Magdeburger Dom an der Seite seiner schon 946 verstorbenen Frau Editha beigesetzt.

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Erstellt:
18. März 2026, 18:20 Uhr

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