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Aufbruchstimmung im Heimatmuseum

Der Heimat- und Geschichtsverein will für das 1987 eingerichtete Haus in Gschwend-Horlachen die Weichen neu stellen.

Die Holzbearbeitungsutensilien von früher konnten teils restauriert werden. Foto: R. Kollmer

Die Holzbearbeitungsutensilien von früher konnten teils restauriert werden. Foto: R. Kollmer

Von Rainer Kollmer

GAILDORF. Das Museum muss zwar gegenwärtig geschlossen bleiben, aber ein prüfender Blick in die einzelnen Räume macht deutlich, dass die Verantwortlichen zurzeit an einer veränderten Ausstellungskonzeption arbeiten. Ralf Brix, der als Vorsitzender zusammen mit seiner Stellvertreterin Sibylle Hornung die Fäden zusammenhält, verzichtete heuer sogar auf einen auswärtigen Sommerurlaub und krempelte stattdessen zusammen mit seiner Frau Sandra und den Kindern Sebastian und Nathalie bereits seit April die Ärmel hoch. Mit Unterstützung von Steffen Altvater, Heike Haug, Peter und Sibylle Hornung, Jochen Ziehr und Eberhard Zimmer sind die Renovierungsarbeiten inzwischen weit gediehen.

Mittlerweile ist viel geschehen: Etliche Parkettböden und Exponate aus Holz konnten gereinigt und konserviert werden. Dazu gehört auch ein Aussteuerschrank mit Webprodukten, der im Lauf der Jahre mit nicht weniger als fünf verschiedenen Farbschichten versehen worden war. Aber auch Wände wurden gestrichen, Beschriftungen gestaltet und thematisch orientierte Abläufe entwickelt, der Bestand wurde gesichtet und neu sortiert. Ein entscheidender Impuls entstand mit der Anschaffung von acht hochwertigen Vitrinen, die speziell für das Museum entworfen und hergestellt wurden. Um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein, hatte sich der Verein dazu entschlossen, eine Bewerbung bei der Projektförderung der „Leader-Regionalentwicklung Schwäbischer Wald“ einzureichen. Bürgermeister Christoph Hald sicherte dabei auch eine mögliche Zwischenfinanzierung zu. Die Förderung von mehr als 12000 Euro wurde inzwischen bewilligt, die Vitrinen wurden daraufhin bei einem professionellen Hersteller in Auftrag gegeben und Ende Juni in mehreren Räumen aufgestellt.

Die Vitrinen haben drei verschiedene Größen, bestehen aus einem abschließbaren Unterschrank, einem hohen, ungeteilten Glasoberteil mit höhenverstellbaren Glasböden und einer indirekten LED-Beleuchtung. Ralf Brix ist überzeugt, dass diese aufwendige Anschaffung die Arbeit im Museum voranbringt. Es wird einerseits ein rascher Wechsel der Exponate aus dem Fundus möglich, andererseits kommen kleinere Gegenstände wie altes Spielzeug oder Uhren besser zur Geltung. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter freuen sich, dass sie durch eine professionelle Präsentation künftig die Möglichkeit haben, dem Museumsbesucher Exponate von anderen Museen als Sonderausstellung anzubieten. Schon aus diesem Grund soll zukünftig aus dem gewohnten Heimatmuseum nun ein weiter gefasstes „Museum Horlachen“ werden. Die neue Ausstattung verändert auch die pädagogischen Perspektiven für Kinder und Erwachsene. „Wir müssen auch ein bisschen darauf achten, dass wir nicht zu viel und durcheinander ausgestellt haben. Das ist auch der Hintergrund, vor dem wir uns entschieden haben, das ein bisschen zu entzerren“, erläutert Brix. Anstelle eines Sammelsuriums von 14 gleichartigen Zangen aus einer Schmiede sollen nun wenige Einzelgegenstände beispielhaft in den Blick genommen werden.

Um Arbeitsabläufe leichter nachvollziehbar zu machen, ist auch eine alte Kücheneinrichtung nun bewusst ausgelichtet worden. Gegenwärtig wird auch über veränderte Öffnungszeiten und ein Multimediaangebot nachgedacht. Damit könnte für die Besucher ein reizvoller Vergleich zwischen dem alten und neuen Gschwend erfahrbar gemacht werden. Das Museum ist nicht nur dazu da, alte Gegenstände zu bewahren, der alte „Kruscht“ soll auch wichtige Hinweise auf die Gegenwart geben, betont Sandra Brix, die auch mit Schulklassen immer wieder Führungen macht. Dabei kommen wie selbstverständlich Fragen zur „Nachhaltigkeit früher und heute“ auf. Die Aufbruchstimmung ist spürbar. „Uns fehlen noch irdene Teile“ (aus Ton gebrannt), bedauert Sibylle Hornung den noch unausgewogenen Bestand. Auch „Waldglas“ aus früherer Zeit würde noch gesucht. „Wir haben noch zu wenige Exponate aus dem täglichen Leben vor 1945“, ist immer wieder zu hören. Spielsachen wie Karten- oder Legespiele, Blech- und Holzspielzeuge, aber auch Dosen oder Essgeschirr aus Metall sollen die Palette weiter bereichern. Außerdem werden weitere Mitarbeiter gesucht. Auch zukünftig sind pro Jahr zwei Sonderausstellungen und eine Weihnachtsausstellung geplant.

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Erstellt:
12. August 2020, 06:00 Uhr

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