Reaktionen auf Rücktritt von SPD-Chefin

Bärbel Bas' Rückzug „macht nicht nur traurig sondern auch betroffen“

Die Duisburger Sozialdemokratin Bärbel Bas gibt ihre Ämter in der Bundespolitik auf. Nicht nur Sozialdemokraten stimmt das nachdenklich. Reaktionen im Überblick.

Die eine geht. Bleibt der Andere? Lars Klingbeil und Bärbel Bas geben am 7. September 2026 vor einer Klausur des SPD-Parteivorstandes vor dem Willy-Brandt-Haus ein Statement ab.

© Joerg Carstensen/dpa

Die eine geht. Bleibt der Andere? Lars Klingbeil und Bärbel Bas geben am 7. September 2026 vor einer Klausur des SPD-Parteivorstandes vor dem Willy-Brandt-Haus ein Statement ab.

Von Markus Brauer

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat nach dem Rücktritt von SPD-Chefin Bärbel Bas das Verhalten der Union scharf kritisiert. „Mein Mitgefühl gilt Bärbel Bas“, schreibt die SPD-Landeschefin am Morgen auf der Plattform X. „Ich wünsche ihr viel Kraft in dieser schweren Situation. Persönlich danke ich Bärbel Bas für die gute Zusammenarbeit! Die Attacken der CDU – trotz ihrer persönlichen schweren Situation – waren unmenschlich und rücksichtslos.“

Bas hatte am Montagmorgen bekanntgegeben, als Arbeitsministerin und SPD-Chefin zurückzutreten. Sie begründete den Schritt in einer öffentlichen Mitteilung mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union.

Bärbel Bas hat ihren Rücktritt als Arbeitsministerin und SPD-Chefin am frühen Montagmorgen (12. Oktober) bekanntgegeben. zurück. Sie begründet den Schritt in einer öffentlichen Mitteilung mit dem Tod ihrer Stieftochter und mit öffentlichen Angriffen auf sich, auch aus den Reihen des Koalitionspartners, der Union.

Das hat die 58-jährige Duisburgerin am Montagmorgen (12. Oktober) in einer Stellungnahme auf Instagram bekannt gegeben. Sie gibt persönliche Gründe für ihren Rückzug an.

Der SPD-Spitzenkandidat zur Landtagswahl in NRW, Jochen Ott, erklärt, der Rücktritt von Bas mache ihn nicht nur „traurig sondern auch betroffen und nachdenklich“. Menschlichkeit, Anstand und Respekt seien dabei in den letzten Wochen auf der Strecke geblieben.

„Dass ein Mensch, der nach einem Trauerfall im engsten Familienkreis eine Auszeit braucht, in dieser schweren Situation persönlichen Angriffen ausgesetzt ist, darf uns als Gesellschaft nicht gleichgültig lassen“, erklärt Ott.

Trauer um die Stieftochter

Bärbel Bas hatte ihren Rücktritt auch mit dem Tod ihrer Stieftochter begründet, die im Alter von 47 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben war. Während der Trauerphase erbat sich Bas offenbar eine Auszeit.

Über die verstorbene Stieftochter von Bärbel Bas ist öffentlich nahezu nichts bekannt. Die Angehörige der SPD-Politikerin stand selbst nicht im Rampenlicht und trat, soweit öffentlich bekannt, auch nicht im Zusammenhang mit der politischen Karriere ihrer Stiefmutter in Erscheinung.

Weder zu ihrer Identität noch zu ihrem Alter oder ihrem beruflichen und privaten Leben liegen öffentlich bestätigte Angaben vor. Auch über die genauen Umstände ihres Todes hat sich Bas nicht näher geäußert.

Die Politikerin beschränkte sich in ihrer persönlichen Erklärung darauf, den schweren familiären Verlust als Grund für ihren Rückzug zu nennen. Weitere Einzelheiten über die Verstorbene teilte sie nicht mit.

Bereits 2020 musste Bas schweren Verlust verkraften

Für Bärbel Bas ist es nicht das erste Mal, dass sie einen geliebten Menschen verliert. Im September 2020 starb ihr Ehemann Siegfried Ambrosius im Alter von 79 Jahren.

Die beiden waren 15 Jahre lang ein Paar, davon fünf Jahre verheiratet. Ambrosius war selbst über viele Jahrzehnte in der SPD aktiv und arbeitete 39 Jahre als Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Duisburg.

Zwischen Bas und ihrem Ehemann lagen 27 Jahre Altersunterschied. Die beiden hatten keine gemeinsamen Kinder. In einem Interview mit der „Bunten“ erzählte Bas 2022, dass sie sich nach zehn Jahren Beziehung vor allem aus praktischen Gründen für eine Hochzeit entschieden hätten. Ambrosius litt an Parkinson. Durch die Ehe wollten beide für mögliche medizinische Notfälle rechtlich abgesichert sein.

Am 22. September 2020 starb Ambrosius an den Folgen einer Infektion nach einer Rückenoperation. Bas nahm damals auch öffentlich Abschied und erklärte, dass sie Zeit benötigen werde, um den Verlust zu verarbeiten.

„Das muss man dann auch aushalten“

Der rheinland-pfälzische CDU-Ministerpräsident Gordon Schnieder zeigt Verständnis für die persönliche Entscheidung der SPD-Politikerin, weist jedoch ihre Kritik am politischen Umgang mit ihr entschieden zurück.

„Also den Teil der Erklärung kann ich da nicht nachvollziehen“, betont er. „Das muss man dann auch aushalten. Wenn man Vereinbarungen nicht einhält, wenn man auch entsprechende Entwürfe nicht auf den Tisch legt, wenn man damit nicht ins Kabinett geht, dann muss man sich irgendwann fragen lassen, warum das nicht so ist.“

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf dankt Bas für die Zusammenarbeit: „Von Herzen vielen Dank für die gemeinsame Zeit und für alles, was du gegeben hast.“

Ähnlich äußert sich Grünen-Co-Chef Felix Banaszak. „Ich weiß, was du für unser Land und deine Partei gegeben hast und bin dir dafür dankbar.“

Ihr Bundestagsmandat will Bas behalten und weiterhin die Bürger ihres Wahlkreises Duisburg vertreten. Sie hoffe, ihre Arbeit bald wieder mit voller Kraft ausüben zu können. „Heute endet für mich ein Kapitel, aber nicht die Geschichte.“

SPD-Chef Lars Klingbeil dankt Bas für die Zusammenarbeit. „Ich bin über deine Entscheidung sehr traurig, kann sie aber persönlich nachvollziehen“, schreibt er in einem Beitrag auf Instagram. „Hinter den Ämtern sind wir alle nur Menschen.“ Klingbeil findet  auch deutliche Worte für die Attacken gegen Bas: „Die Angriffe gegen dich gerade in den Tagen deiner Trauer haben mich sehr betroffen gemacht. Sie waren unanständig und verletzend. So geht man nicht miteinander um.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch dankt Bas. „Ich habe großen Respekt vor ihrer Entscheidung. Sie trifft sie aus persönlichen Gründen, die ich zutiefst respektiere“, teilt Miersch in einem Schreiben an SPD-Mitglieder mit. Als Ministerin und Vorsitzende habe sie für die Werte der SPD gestritten. „Sie hat Haltung gezeigt, auch wenn es unbequem wurde. Aber die Kraft ist endlich.“

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) findet lobende Worte für Bas und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihr. „Als Vater und Großvater kann ich nur erahnen, wie schwer dieser Verlust wiegt. Ihr und ihrer Familie wünsche ich viel Kraft“, so Merz.

Der ehemalige Gesundheitsminister und SPD-Politiker Karl Lauterbach schreibt auf X, dass Bas' Rücktritt alle treffe. Bas stehe wie kaum jemand für Werte und Aufstiegsversprechen der SPD. „Ihr Rücktritt zeigt auch, dass, bei aller Härte der Politik, die zunehmenden persönlichen Angriffe die falschen Leute in die Politik bringt.“

Schweitzer soll Nachfolger werden

Nach dem überraschenden Rücktritt von Bärbel Bas als Bundesministerin für Arbeit und Soziales steht nun offenbar deren Nachfolger fest. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ aus Parteikreisen erfahren haben will, soll Alexander Schweitzer (SPD) neuer Arbeitsminister werden.

Schweitzer war zwischen 2024 und 2026 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und ist seitdem Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz. Seit 2017 gehört der 53‑Jährige dem SPD-Parteivorstand an und ist seit Juni 2025 stellvertretender Parteivorsitzender.

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Erstellt:
12. Oktober 2026, 10:14 Uhr

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