Nationalmannschaft

Bei Klopps Anruf kamen diesem DFB-Stürmer die Tränen

Der neue Bundestrainer hat Younes Ebnoutalib erstmals in den Nationalkader berufen. Für den Angreifer ist das ein besonders emotionaler Moment gewesen.

Der Frankfurter Younes Ebnoutalib steht bei der Nationalmannschaft in Herzogenaurach Rede und Antwort.

© IMAGO/Marc Schueler

Der Frankfurter Younes Ebnoutalib steht bei der Nationalmannschaft in Herzogenaurach Rede und Antwort.

Von Carlos Ubina

Younes Ebnoutalib ist ein Grenzgänger. Denn auf dem Fußballplatz bewegt er sich gerne auf der feinen Linie zwischen der letzten Verteidigungsreihe des Gegners und dem Abseits. Von dort sprintet der 23-Jährige los, um in sein Revier zu kommen: den Strafraum. Der 1,91-Meter-Schlaks ist ein dynamischer Mittelstürmer, der mit rechts, links und dem Kopf den schnellen Torabschluss sucht – und zurzeit zeichnet den Angreifer von Eintracht Frankfurt große Treffsicherheit aus. Vier Tore hat er in vier Bundesligaspielen bereits erzielt.

Doch nicht nur diese Qualität hat Jürgen Klopp dazu bewogen, Ebnoutalib für die Nationalmannschaft zu nominieren, die am Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in den Niederlande in der Nations League antritt. „Seine Art zu spielen, seine Bereitschaft, alles herauszuhauen und seine Schlauheit im Spiel sind außergewöhnlich“, sagt der Bundestrainer über den jungen Mann, den er vor wenigen Monaten noch gar nicht kannte und jetzt in den erlauchten Kreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geholt hat. „Ich habe sein erstes Spiel für die Frankfurter gesehen und mich gefragt: Wo haben die den denn her?“, erzählt Klopp über seinen anfänglichen Eindruck.

Der Bundestrainer schaute nach. Ebnoutalib kam zu Jahresbeginn von der SV Elversberg zur Eintracht. Als Zweitliga-Torjäger für acht Millionen Euro. Der Marktwert dürfte nun merklich steigen. Was Klopp jedoch mehr schätzt als die vermeintliche Ablösesumme: Wie der Stürmer mit den Brüchen in seiner Karriere umgegangen ist. Denn er verkörpert alles andere als ein Akademie-Talent, das früh und gezielt bis zum Sprung in den Profibereich gefördert wurde.

Ebnoutalib ist in Frankfurt geboren und spielte erst mit 14 Jahren im Verein. SV 07 Heddernheim und Rot-Weiß Frankfurt – ordentliches, aber kein besonderes Niveau. Dann versuchte er in der U19 des AC Perugia sein Glück, um in den bezahlten Fußball zu gelangen. Doch ein Mittelfußbruch beendete nach einem Jahr das Italien-Abenteuer. Zurück in Deutschland war der Stürmer für einige Monate vereinslos, ehe ihn der FC Gießen für die vierte Liga verpflichtete. Von da an schoss der Spätstarter nach oben. „Auf meinem Weg gab es bisher viele Höhen und Tiefen. Das hat mich geprägt und für mich gilt, was mein Vater mich gelehrt hat: Niemals aufgeben“, sagt Ebnoutalib.

Jürgen Klopps erste Ansprache ist kurz und knapp

Eine Haltung, die sich mit Klopps Erwartungen an die Nationalspieler deckt. „Seine erste Ansprache war kurz und knapp“, sagt Ebnoutalib zur Zusammenkunft in Herzogenaurach, „er will, dass wir mit Stolz Deutschland repräsentieren, dass wir immer Gas geben, dass wir mit hundert Prozent weitermachen, auch wenn es mal nicht läuft.“ Wie hoch seine Einsatzchancen in Amsterdam sind, weiß der Angreifer nicht. Mit Kai Havertz bildet er vorerst die Kategorie Angriff bei Klopp. Nick Woltemade und sein Frankfuter Clubkollege Jonathan Burkardt besetzen die Rubrik im zweiten Block. Alles in Konkurrenz zu Deniz Undav vom VfB Stuttgart, der sich nach der WM einen kleinen Bonus erhofft hatte, aber vom neuen Bundestrainer erst einmal nicht berücksichtigt wurde.

Auch, weil im Klopp-Stil laufstarke Stürmer gefragt sind, die bei Ballverlust sofort in das Gegenpressing gehen. Ebnoutalib erfüllt dieses Anforderungsprofil – und für ihn ist klar gewesen, dass er im Fall der Fälle das DFB-Trikot tragen will. Trotz der Avancen aus dem Heimatland seines Vaters Faissal. „Ich habe auch mit dem marokkanischen Nationaltrainer gesprochen, aber der Kontakt war nicht so intensiv“, erzählt der Deutsch-Marokkaner über sein Gespräch mit Mohamed Ouahbi, „und wenn Kloppo dich anruft, dann musst du da hin.“

Selbst wenn Deutschland als Zwölfter in der Weltrangliste mittlerweile hinter dem Sechsten Marokko liegt und das nordafrikanische Projekt erfolgsversprechend weiterläuft, wie Ouahbi spitz nach Ebnoutalibs Absage anmerkte. Der Angreifer hat sich von den verärgerten Aussagen jedoch nicht beirren lassen und fühlt sich nach großen Anstrengungen bestätigt.

Im vergangenen Sommer trainierte Ebtounalib in einer kleinen Gruppe gesondert in Marokko, um stark in die Saison zu starten. Ohne seinen Vater Faissal, der in Frankfurt als deutscher Olympiazweiter von 2000 eine Taekwondo-Schule betreibt, aber mit der Überzeugung, vorwärts kommen zu können. Und nun sieht sich Ebnoutalib kurz vor der Erfüllung eines Traums: „Ehrlich gesagt, hatte ich Tränen in den Augen, als Jürgen Klopp mich angerufen hat.“

Das erste Länderspiel unter Jürgen Klopp naht – und der Bundestrainer will in den Niederlanden drei Punkte für die Nations League holen.

© Boris Roessler/dpa

Das erste Länderspiel unter Jürgen Klopp naht – und der Bundestrainer will in den Niederlanden drei Punkte für die Nations League holen.

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Erstellt:
22. September 2026, 13:56 Uhr

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