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Besonnenheit und Solidarität gefragt

Coronavirus: Stadtverwaltung reagiert auf jüngste Beschlüsse – Kindernotbetreuung für spezifische Berufsgruppen geplant

Die Sitzung des Gemeinderats am Donnerstagabend verlief routiniert und arbeitsam – das Gremium beriet, diskutierte und beschloss die Punkte, die auf der Tagesordnung standen. Doch spätestens beim TOP Informationen wurde klar, dass sich der Alltag durch die Ausbreitung des Coronavirus auch in der Walterichstadt drastisch verändern wird. Am Freitag bekam man dann eine Ahnung von den kommenden Einschnitten – ein öffentliches Leben wird es auch in Murrhardt vorerst nicht mehr geben.

In manchen Zeiten wie hier im Januar vergangenen Jahres ist in der Fußgängerzone und der Innenstadt nicht immer ganz so viel los. Durch die Coronakrise wird das öffentliche Leben aber nun stark eingeschränkt sein und so gut wie zum Erliegen kommen. Archivfoto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

In manchen Zeiten wie hier im Januar vergangenen Jahres ist in der Fußgängerzone und der Innenstadt nicht immer ganz so viel los. Durch die Coronakrise wird das öffentliche Leben aber nun stark eingeschränkt sein und so gut wie zum Erliegen kommen. Archivfoto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Bürgermeister Armin Mößner informierte den Gemeinderat und die überschaubaren Besucher der Sitzung über das Thema aus Sicht der Stadtverwaltung. Mit der steigenden Anzahl an Fällen auch im Rems-Murr-Kreis ist Corona längst im Alltag in Murrhardt angekommen: „Wir haben mittlerweile auch viele Anfragen rund um Corona“, sagte er. Beispielsweise, wenn Schüler oder Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen zu Hause bleiben müssten. Auch die ersten Veranstaltungen seien nun abgesagt worden wie die Jahresfeier des Gesangvereins Westermurr an diesem Wochenende. „Das wird sich auch noch verschärfen“, sagte Mößner. Noch habe man keinen Coronafall in Murrhardt, doch gebe es Betroffene in nicht allzuweiter Entfernung wie Auenwald und Backnang sowie den ersten Todesfall eines Mannes aus Remshalden im Zusammenhang mit dem Virus. „Wir müssen wach und umsichtig mit der Lage umgehen.“ Mößner plädierte dafür, Hinweisen und Empfehlungen des Gesundheitsamtes zu folgen.

Sowohl die Einschätzung, dass sich die Lage noch verschärfen würde, als auch Anmerkungen und Anregungen aus dem Gemeinderat erwiesen sich am Freitag als richtig. Stadträtinnen, Stadträte und Bürgermeister bestärkten sich in der Haltung, keine Panik zu verbreiten und gleichsam besonnen sowie möglichst vorausschauend zu handeln. Ralf Nentwich (MDAL/Die Grünen) war daran gelegen, für verlässliche Informationen zu sorgen – beispielsweise über die städtische Homepage beziehungsweise über bestimmte Ansprechpartner der Stadtverwaltung. Da in dieser Hinsicht das Landratsamt mit seiner Internetseite eine wichtige Adresse sei, regte Klaus Lang (CDU-FWV) an, auf der Stadt-Homepage einen entsprechenden Link zu setzen.

Brigitte Kübler (UL) stellte die Frage in den Raum, wie die Versorgung von Menschen, die zu Hause bleiben müssten beziehungsweise unter Quarantäne stünden, gewährleistet werden könne. Bürgermeister Mößner gab zu, dass man mit solch einer Situation keine Erfahrung habe, aber es sicher Fälle gebe, bei denen beispielsweise Alleinlebende oder Personen mit Haustieren Unterstützung benötigen könnten. Ralf Nentwich und Rolf Kirschbaum (CDU-FWV) gingen davon aus, dass die Schulen in Baden-Württemberg voraussichtlich Montag geschlossen werden. Dies greift nun nach Beschluss des Landes am kommenden Dienstag.

Im Laufe des Freitags erreichten die Redaktion unzählige weitere Veranstaltungsabsagen. Waren bisher Großveranstaltungen mit über 1000 Besuchern von generellen Absagen betroffen, so gilt dies jetzt auch für solche mit mehr als 100 erwarteten Gästen – bis Ende der Osterferien. „Die Stadt schließt nun seine Hallen. Auch im Stadion wird nichts mehr stattfinden“, informierte Armin Mößner die Redaktion über den aktuellen Stand.

Die Musikschule und die Volkshochschule schließen

Ebenso bei kleineren Zusammenkünften müsse abgewogen werden, ob diese unbedingt notwendig seien (wenn überhaupt, sollten sie nicht in engen und begrenzten Räumlichkeiten mit schlechter Belüftung stattfinden. Zudem sollte es eine Teilnehmerliste geben, um im Zweifel im Nachgang Kontaktpersonen ermitteln zu können, so das Landratsamt). Die Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land und die Murrhardter Volkshochschule werden ihren Betrieb am Dienstag der kommenden Woche einstellen. Durch die Schließungen von Kindergärten und Schulen in Baden-Württemberg stehen Eltern nun vor dem Problem, dass sie unter Umständen ihre Kinder betreuen müssen und dies mit einer Berufstätigkeit je nach Kontingent in Konflikt geraten kann.

In Murrhardt soll eine Notbetreuung für Kinder bestimmter Berufsgruppen eingerichtet werden, wie Mößner berichtet: Für diejenigen, die im Medizinwesen tätig sind und Beschäftigte, die zur sogenannten Blaulicht-Gruppe gehören wie Rettungskräfte und Polizeibeamte, für Beschäftigte aus der Lebensmittelbranche sowie für Mitarbeiter, die für zentrale, kritische Infrastruktur zuständig sind wie Wasser- und Gasversorgung, Strom, Wärme und Kläranlage. Eltern, die dies betrifft, können sich bei der Stadtverwaltung melden (Kontakte: siehe Infokasten). Nach den entsprechenden Rückmeldungen wird die Stadtverwaltung dann prüfen, wo solch eine Betreuung eingerichtet werden könnte.

Da Ältere und Menschen mit Grunderkrankungen als besonders gefährdete Gruppe gelten, werden Veranstaltungen für diese Klientel generell abgesagt (auch städtischer Seniorennachmittag am 21. April). „Senioren und Menschen mit einer Vorerkrankung sollten am besten zu Hause bleiben“, sagt Armin Mößner. Die Stadtverwaltung überlegt nun, wie man gegebenenfalls Betroffene logistisch unterstützen kann. Dazu bedarf es aber noch der Abstimmung, was in dieser Hinsicht möglich ist.

Auch die Alten- und Pflegeheime müssen auf die Lage reagieren. Das Erich-Schumm-Stift wird am Wochenende noch sehr eingeschränkt Besuche von Angehörigen (Verwandtschaft ersten Grades) ermöglichen, ab Montag verhängt die Einrichtung dann aber vorerst ein absolutes Besuchsverbot, wie eine Mitarbeiterin informierte.

Ebenso haben weitere Gruppierungen Konsequenzen gezogen: Die Sportvereine der Stadt haben den Trainingsbetrieb bis auf Weiteres eingestellt und die Freiwillige Feuerwehr Murrhardt hat ihre Übungen gecancelt.

Gleichsam plädiert Bürgermeister Armin Mößner an die Bevölkerung, auch in Bezug auf den persönlichen Kontakt mit der Stadtverwaltung zu verzichten und zum Telefon zu greifen oder eine E-Mail zu schicken. „Wir möchten den Publikumsverkehr im Rathaus, im Amtshaus, im Naturparkzentrum und bei den Stadtwerken so umfassend wie möglich einschränken.“

Info

Die Stadt Murrhardt informiert über ihre Homepage rund um die Lage zu Corona. Dort werden spezifische Aspekte zur Walterichstadt zu finden sein, genauso wie Verweise zu weiterführenden Stellen: www.murrhardt.de.

Wer zu den Berufsgruppen Medizinwesen, Blaulicht, Lebensmittelbranche oder kritische Infrastruktur gehört und eine Kinderbetreuung benötigt, kann sich bei der Stadtverwaltung unter Telefon 07192/213-116 melden oder eine Mail an: info@murrhardt.de schreiben.

Die Homepage des Kreises informiert auch umfangreich zum Thema Corona unter www.rems-murr-kreis.de.

Des Weiteren können sich Bürgerinnen und Bürger täglich zwischen 9 und 18 Uhr unter der Telefonnummer 0711/904-39555 an eine eigens eingerichtete Hotline des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg wenden.

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Erstellt:
14. März 2020, 06:00 Uhr

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