Tech und Öl

Börsencrash in Südkorea – auch der Dax schwächelt

Ausverkauf in Asien: Der Chiphersteller SK Hynix hat bereits zwei Drittel an Wert verloren – in Seoul musste der Handel vorübergehend ausgesetzt werden.

Ein Bildschirm im Handelsraum der Hana Bank in der südkoreanischen Hauptstadt zeigt, dass der Leitindex Korea Composite Stock Price Index (KOSPI) um 324,11 Punkte bzw. 6,02 Prozent gefallen ist.

© YNA/dpa

Ein Bildschirm im Handelsraum der Hana Bank in der südkoreanischen Hauptstadt zeigt, dass der Leitindex Korea Composite Stock Price Index (KOSPI) um 324,11 Punkte bzw. 6,02 Prozent gefallen ist.

Von Michael Maier

Der KI-Ausbau galt lange als Wachstumsmotor für Tech-Aktien. Am Freitag, 6. November, wurde er aber zum Auslöser eines weltweiten Ausverkaufs: Anleger fürchten, dass politischer Gegenwind in den USA den Bau neuer Rechenzentren bremsen könnte. Besonders hart traf es Südkorea – einen Markt, in dem Halbleiterkonzerne viel Gewicht haben. Auch in Frankfurt geriet der DAX unter Druck.

Der südkoreanische Leitindex Kospi sackte im frühen Handel zeitweise um mehr als acht Prozent ab und fiel erstmals seit Februar unter 5.000 Punkte. Die Börse löste einen sogenannten Circuit Breaker aus: Der Handel wurde für 20 Minuten unterbrochen, um die Verkäufe zu bremsen. Zum Handelsschluss stand der Index bei 5.059,69 Punkten – ein Tagesverlust von gut sechs Prozent. Das zeigt, wie empfindlich der südkoreanische Markt auf Zweifel an der Nachfrage nach KI-Infrastruktur reagiert.

Crash bei Chip-Werten in Südkorea

Neben vielen anderen gaben die Wertpapiere der Speicherchip-Produzenten SK Hynix und Samsung deutlich nach. Beide Papiere hatten im Sommer für den Boom am südkoreanischen Aktienmarkt gesorgt. Besonders deutlich wird das beim Blick auf die SK-Hynix-Aktie. Das Papier hatte im Juni zeitweise mehr als 3 Millionen Won gekostet. Nach dem Minus von elf Prozent am Freitag sind es nur noch rund 1,1 Millionen Won - also fast zwei Drittel weniger als im Sommer. Im Vergleich zu Ende 2025 ist das aber immer noch ein Plus von mehr als 70 Prozent.

Auslöser der Nervosität waren starke Verluste an der Wall Street. Nach dem Erfolg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen sorgten sich Anleger, dass strengere politische Vorgaben oder lokaler Widerstand den Ausbau von Rechenzentren verzögern könnten. Dazu kommen grundsätzliche Zweifel, ob die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur die erwarteten Erträge liefern. Der Nasdaq verlor am Donnerstag 5,52 Prozent.

Ölkrise trifft auf KI-Sorgen

Ein zweiter Unsicherheitsfaktor sind die Ölpreise. Berichte über beschädigte Tanker in der Straße von Hormus schürten Sorgen um die Versorgung und weitere Preissteigerungen. Für Südkorea, das stark auf Energieimporte angewiesen ist, wären höhere Ölpreise eine zusätzliche Belastung. Die politischen Hintergründe der Meldungen und die tatsächlichen Folgen für den Schiffsverkehr bleiben dabei entscheidend für die weitere Preisentwicklung.

Der deutsche Leitindex hatte am Donnerstag zunächst ein Rekordhoch erreicht, drehte angesichts der schwachen US-Märkte aber ins Minus und schloss 0,43 Prozent tiefer bei 26.325 Punkten. Am Freitag startete er schwach: Gegen 9.30 Uhr lag der DAX laut dpa-AFX rund 1,5 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortags. Damit wurde aus der Rekordstimmung rasch Zurückhaltung.

ASML und Infineon unter Druck

Besonders anfällig sind europäische Unternehmen, deren Geschäft eng mit Halbleitern, Rechenzentren und KI-Investitionen verbunden ist. Reuters nannte unter anderem ASML und Infineon als Aktien, die bei einer Rotation aus KI-Werten unter Druck geraten könnten. Der DAX ist breiter aufgestellt als der Kospi, bleibt aber nicht immun gegen globale Verkäufe und steigende Energiepreise.

Gelingt das Anthropic-IPO?

Der Einbruch in Seoul ist ein Warnsignal für die hohe Konzentration vieler Börsen auf wenige stark gestiegene Technologiewerte. Er belegt aber für sich genommen bislang nicht, dass der KI-Ausbau dauerhaft zum Erliegen kommt. Entscheidend wird sein, ob sich die politischen Sorgen in konkreten Einschränkungen niederschlagen – und ob sich die geplanten Rechenzentrumsinvestitionen trotz hoher Kosten und lokaler Widerstände fortsetzen.

Im Fokus steht auch der in der zweiten Novemberhälfte geplante Börsengang des KI-Giganten Anthropic in den USA. Falls dieser abgesagt oder verschoben werden müsste, würden wohl alle Handelssignale auf Rot springen. Zuletzt schien es aber eine lebhafte Nachfrage für das Anthropic-IPO zu geben. In Deutschland sind sogar schon die beteiligten Broker bekannt.

Für Anleger kommt derzeit ein zweiter Unsicherheitsfaktor hinzu: Öl. Bleiben die Risiken rund um die Straße von Hormus hoch, könnte das die Inflations- und Zinsängste verstärken. Die Kombination aus sinkenden Tech-Kursen und steigenden Energiepreisen macht die Märkte besonders nervös. Die Kursverluste spiegeln diese Risiken wider, liefern aber noch keine Antwort darauf, wie lange die Korrektur anhält.

Werden nach dem Wahlsieg der Demokraten weniger Rechenzentren gebaut? (Symbolbild)

© Sebastian Gollnow/dpa

Werden nach dem Wahlsieg der Demokraten weniger Rechenzentren gebaut? (Symbolbild)

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Erstellt:
6. November 2026, 10:50 Uhr
Aktualisiert:
6. November 2026, 11:23 Uhr

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