Regierungskrise in London

Ministerrücktritt stürzt britischen Premier tiefer in Krise

Weil Premier Keir Starmer nicht genug Geld für das Militär einplant, kehrt ihm einer seiner bislang loyalsten Mitstreiter den Rücken. Ist für den britischen Regierungschef nun «Game Over»?

Healey galt bisher als loyaler Mitstreiter von Premier Keir Starmer.

© Kin Cheung/AP Pool/AP/dpa

Healey galt bisher als loyaler Mitstreiter von Premier Keir Starmer.

Von Von Christoph Meyer, dpa

London - Schwerer Schlag für Premier Keir Starmer: Der britische Verteidigungsminister John Healey ist im Streit um den Verteidigungsetat zurückgetreten. Das teilte der Labour-Politiker in einem Brief Starmer mit, den er auf X postete. 

Für den ohnehin bereits angezählten Starmer könnte sich der unerwartete Schritt des bislang loyalen Ministers als schicksalhaft erweisen. Sein innerparteilicher Rivale, der Bürgermeister von Manchester, Andy Burnham, läuft sich derzeit warm, um den Partei- und Regierungschef herauszufordern. Er könnte bereits am kommenden Donnerstag bei einer Nachwahl im Bezirk Makerfield den Sprung ins Unterhaus schaffen. Beobachtern zufolge dürften die Chancen Starmers, im Amt zu bleiben, nun weiter schrumpfen.

Starmer "unfähig" und Finanzministerium "unwillig"

Healey, der als besonnener Politiker gilt und häufig an der Seite von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius auftrat, begründete seinen Rücktritt mit den Plänen Starmers für den Verteidigungsetat. Diese seien "weit unter dem, was für die Verteidigung und das Land in dieser gefährlichen Zeit notwendig ist", schrieb Healey. Das von ihm beworbene Ziel, die Verteidigungsausgaben bis 2030 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, werde damit deutlich verfehlt. 

In dem teils scharf formulierten Schreiben heißt es zudem, Starmer sei "unfähig" und das Finanzministerium "unwillig" gewesen, "die Ressourcen bereitzustellen, die die Nation braucht, um das Land in dieser Zeit wachsender Bedrohungen zu schützen".

Die Anforderungen an das britische Militär seien zudem durch die Zusage für mögliche Einsätze in der Straße von Hormus, in der Arktis sowie in der Ukraine nach einem Ende des Kriegs dort weiter gestiegen.

Politische Spielräume gelten als extrem eng

Bis zum Ende dieses Jahrzehnts rechneten die britischen und andere Nato-Geheimdienste mit einem möglichen Angriff Russlands auf das Verteidigungsbündnis, habe Starmer selbst gewarnt. "Sie wissen, was die Verteidigung braucht", hielt ihm Healey vor.

Ohne einen Etat, der den Herausforderungen gerecht werde, "bin ich gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die die Bereitschaft unserer Streitkräfte verringern würden und das Risiko für Menschen im Einsatz erhöhen würden und das Land weniger sicher machen", so Healey weiter. 

Die politischen Spielräume der Regierung in London gelten wegen der hohen Staatsverschuldung seit langem als extrem eng. Die Sozialdemokraten von Starmers Labour-Partei waren mit dem Wahlversprechen in die Regierung gekommen, keine Steuern zu erhöhen. Reformen zur Einsparung bei Sozialausgaben scheiterten weitgehend am Widerstand in der eigenen Partei. 

Geht er freiwillig oder wird er abgewählt?

Mit Healey tritt bereits das zweite Kabinettsmitglied innerhalb weniger Wochen zurück. Mitte Mai hatte Wes Streeting seinen Posten als Gesundheitsminister niedergelegt. Auch er will sich um das Amt des Partei- und Regierungschefs bewerben. 

Rücktrittsforderungen hatte Starmer bislang zurückgewiesen. Doch mit dem Abgang seines Verteidigungsministers dürfte seine Position immer wackeliger werden. Sein Rückhalt in der eigenen Fraktion ist trotz satter Labour-Mehrheit im Parlament nicht mehr ausreichend, um Gesetzesvorhaben durchzubringen. Erwartet wird daher, dass der populäre Burnham Starmer schon bald ablösen wird. Fraglich scheint nur noch, ob der Premier freiwillig geht, oder ob er in einer Abstimmung abgewählt wird.

Der britische Premier Keir Starmer hat keinen ausreichenden Rückhalt mehr in seiner Fraktion. (Archivfoto)

© Isabel Infantes/PA Wire/dpa

Der britische Premier Keir Starmer hat keinen ausreichenden Rückhalt mehr in seiner Fraktion. (Archivfoto)

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Erstellt:
11. Juni 2026, 13:40 Uhr
Aktualisiert:
11. Juni 2026, 15:12 Uhr

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