Sechs Jahre nach Verschwinden

„Da ist einfach nichts.“ – Vater sucht vermisste Scarlett

Noch immer fehlt von Scarlett Salice jede Spur. Im Jahr 2020 verschwand die junge Frau beim Wandern im Südschwarzwald. Ihr Vater gibt nicht auf und sucht weiter nach ihr.

Der Schluchtensteig ist ein beliebtes Ziel für Wanderer im Südschwarzwald.

© Philipp von Ditfurth/dpa

Der Schluchtensteig ist ein beliebtes Ziel für Wanderer im Südschwarzwald.

Vor rund sechs Jahren brach Scarlett Salice zur letzten Etappe auf ihrer Wandertour durch den Südschwarzwald auf - und kam nie an ihrem Ziel an. Am 10. September 2020 wurde die damals 26-Jährige das letzte Mal nachweislich gesehen, auf den Überwachungsaufnahmen eines Supermarkts in Todtmoos (Landkreis Waldshut). Seitdem fehlt von der jungen Frau aus dem ostwestfälischen Bad Lippspringe jede Spur.

Ihr Vater Ralf Salice sucht immer noch nach seiner Tochter. Am kommenden Wochenende wird er erneut von Paderborn nach Todtmoos fahren - nach eigener Aussage zum vierten Mal in diesem Jahr. Mehrere Menschen werden ihn begleiten: Freiwillige, die sich kurz nach dem Verschwinden von Scarlett in einer Suchgruppe zusammengefunden haben. „Die haben auch alle Familie und Jobs“, sagte er. „Und die nehmen sich trotzdem diese Zeit.“ Das könne Salice ihnen nie genug danken. Die Facebook-Gruppe „Bitte findet Scarlett“ zählt mittlerweile fast 4.700 Mitglieder.

Todesermittlungsverfahren nach zweieinhalb Jahren eingestellt

Selbst wenn Salice nicht dabei ist, kommt immer wieder eine Suchgruppe zusammen. Unter anderem mit Metalldetektoren, Drohnen und Kletterausrüstung suchen sie in teils schwer zugänglichen Bereichen des Schluchtensteigs, zu dem Scarlett für die letzte Etappe ihrer Tour aufgebrochen war. Ihrem Vater zufolge war es die erste Wanderung mit Zelt, die seine Tochter alleine unternommen hat. Als sie nicht wie verabredet bei einer Freundin ankam, meldete ihre Familie sie als vermisst.

Die Suche damals war umfangreich: Polizei, Bergwacht, Feuerwehr, Hundestaffeln, Hubschrauber, Drohnen. Auch in der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... Vermisst“ war ihr Verschwinden Thema. Das Todesermittlungsverfahren wurde schließlich zweieinhalb Jahre nach Scarletts Verschwinden eingestellt – weil es keinen Hinweis auf eine Straftat gab, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Freiburg erklärte. Es könne weiterhin nicht ausgeschlossen werden, dass die junge Frau in dem steilen, unwegsamen und mit Schluchten durchzogenen Waldgebiet verunglückt ist.

Der Vermisstenfall selbst jedoch sei weiterhin offen. „Der entscheidende Durchbruch fehlt bislang“, so der Sprecher. Monatlich gehen demnach immer noch im Schnitt drei bis vier neue Hinweise ein, die auch weiterhin bewertet werden - insgesamt seien es mittlerweile 641 Hinweise.

Vater glaubt nicht an Unfall

Ralf Salice hingegen glaubt nicht an einen Unfall. „Sie hatte eine kurze Hose an - sie wäre nicht in Bereiche gegangen, wo Dornen oder Zecken sind“, sagte er. Scarlett sei fünf von sechs Etappen planmäßig gelaufen, die letzte sei nicht die herausforderndste gewesen. „Warum sollte sie so abseits gehen?“ Wenn sie dort verunglückt wäre, müsste irgendwo etwas von ihr zu finden sein an Ausrüstung oder Kleidung. „Da ist einfach nichts“, so Salice. „Solange sie nicht gefunden wurde, kann sie noch leben.“

Im vergangenen Herbst druckte der Fruchtsafthersteller True Fruits vier Wochen lang Scarletts Foto auf Smoothie-Flaschen - in mehr als 30.000 Supermärkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Handfeste Hinweise ergaben sich dadurch nicht, teilte die Familie anschließend mit. Dennoch sei die Reichweite enorm gewesen - viele Menschen hätten zum ersten Mal von Scarlett erfahren. Eine Belohnung von 100.000 Euro für sachdienliche Hinweise bleibt ausgeschrieben. Die Familie gibt die Hoffnung nicht auf: Sie seien sich sicher, dass es künftig wieder neue Ideen geben werde, die neue Türen öffnen könnten.

An Wanderwegen bei Todtmoos hängen ebenfalls Plakate mit dem Gesicht der jungen Frau. Ein 100 Quadratmeter großes Banner zur Suche nach Scarlett, das True Fruits produziert hatte, habe Salice nach der Aktion behalten. Es entsorgen zu lassen, sei nie infrage gekommen. Lediglich eine so große Fläche zum Platzieren zu finden, sei nicht einfach. „Das Plakat werde ich behalten, solange es nötig ist“, sagte Salice.

Seit sechs Jahren fehlt von Scarlett jede Spur.

© Philipp von Ditfurth/dpa

Seit sechs Jahren fehlt von Scarlett jede Spur.

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Erstellt:
9. September 2026, 07:42 Uhr

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