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„Das ist irre“ – wie teuer ist Schokolade 2026?

Während Rewe-Chef Lionel Souque die Markenhersteller kritisiert, weisen die Schoko-Preise in Deutschland eine große Bandbreite von 79 Cent bis über 5 Euro auf.

Die lila Kuh wirbt seit 1973 für Milka – laut Landgericht neuerdings auch „wettbewerbswidrig“ mit „Mogelpackungen“.

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Die lila Kuh wirbt seit 1973 für Milka – laut Landgericht neuerdings auch „wettbewerbswidrig“ mit „Mogelpackungen“.

Von Michael Maier

Wer in diesen Tagen durch den Supermarkt geht und Sehnsucht nach einem Stück Seelentröster hat, reibt sich ungläubig die Augen. Der Blick auf das Preisschild im Süßwarenregal löst keinen Heißhunger mehr aus, sondern pure Fassungslosigkeit. Eine simple Tafel Vollmilchschokolade kratzt an Marken, die früher manchmal edlen Pralinen vorbehalten waren.

Man möchte laut rufen: „Das ist irre!“ Genau diese Worte sind vor wenigen Tagen tatsächlich gefallen, und zwar nicht von frustrierten Kunden an der Kasse, sondern aus der Chefetage eines der größten deutschen Lebensmittelhändler. Rewe Chef Lionel Souque wählte diesen Satz im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, um die aktuelle Preispolitik der großen Schokoladenkonzerne zu attackieren.

Schokoladen-„Shrinkflation“ bei Milka & Co.

Konkret kritisierte er, dass etablierte Marken wie Milka das Gewicht der Tafeln heimlich schrumpfen und gleichzeitig die Preise massiv anheben - während gleichzeitig die Weltmarktpreise für Kakao sinken. Wenn selbst die Top Manager des Handels fassungslos auf den Schokoladenmarkt blicken, weiß man: Der einstige Alltagsgenuss wandelt sich zum teuren Extra. Das böse Wörtchen „Shrinkflation“ oder gar „Gierflation“ scheint nicht übertrieben zu sein.

Doch wie extrem ist es 2026 wirklich geworden – und warum kostet Schokolade plötzlich so viel mehr?

75 Prozent Inflation bei Schokolade

Die Zeiten, in denen man eine solide Tafel Schokolade für unter einen Euro im Angebot mitnehmen konnte, gehören endgültig der Vergangenheit an. Die Preisentwicklung hat durch eine Kombination aus gestiegenen Rohstoffkosten und den Strategien der Hersteller eine neue Dimension erreicht. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes war Schokolade zuletzt im Schnitt 75 Prozent teurer als noch im Jahr 2020.

Schokoladen-Ärger um Milka und Ritter Sport

Das Extrembeispiel, das den Rewe-Chef zu seinem Wutausbruch verleitete, ist die klassische Alpenmilch Schokolade von Milka. Die ursprünglich 100 Gramm schwere Tafel wurde vom Hersteller Mondelez auf 90 Gramm reduziert – laut jüngstem Urteil des Landgerichts Hamburg eine „relative Mogelpackung“ und „wettbewerbswidrig“. Gleichzeitig kletterten die Preise drastisch: Statt der früheren 1,49 Euro werden im Supermarktregal mittlerweile regulär 1,99 Euro fällig. Der Kilo Preis schnellt damit auf weit über 20 Euro hoch.

Bei anderen Herstellern wie Ritter Sport sorgt eine neue Edelkakao-Klasse für Diskussionen, weil dort die Tafeln bei gleichem Preis sogar nur noch 75 Gramm wiegen. Das Unternehmen aus Waldenbuch im Kreis Böblingen hat jedoch eine Begründung für die „Schrumpftafeln“ geliefert und den Vorwurf der Preistreiberei zurückgewiesen.

Das kostet Schokolade 2026

Wer heute einkauft, sieht sich mit folgenden Realitäten konfrontiert:

  • Eigenmarken der Discounter: Im Preiseinstieg wird versucht, die Kunden zu halten. Während Marken explodieren, haben Händler ihre eigenen 100 Gramm Tafeln im Preiseinstieg nach harten Verhandlungen teilweise wieder auf rund 79 Cent gesenkt, um einen Gegenpol zu bieten.
  • Etablierte Markenqualität: Wer zu den bekannten Klassikern im Regal greift, zahlt für eine geschrumpfte Packung von 90 Gramm mittlerweile regulär rund 1,99 Euro.
  • Premium & Edelschokolade: Hochwertige Sorten, Bio Produkte oder Fair-Trade-Schokoladen mit hohem Kakaoanteil bewegen sich mittlerweile spielend in Regionen zwischen 3,50 Euro und über 5,00 Euro pro Tafel.
  • Dubai-Schokolade: Auch hier werden teils Spitzenpreise über 5 Euro aufgerufen – 20 Euro für die Tafel wie zu Hype-Zeiten scheinen aber passé.

Schokoladen-Inflation für Endverbraucher verzögert

Auch wenn sich die Rohstoffpreise an den Börsen zuletzt wieder etwas beruhigt haben, geben die Markenhersteller die zuvor extrem gestiegenen Kosten nun voll an die Endverbraucher weiter.

Das eigentliche Konfliktpotenzial im Jahr 2026 liegt in der Art und Weise, wie diese Kosten an die Verbraucher weitergegeben werden. Genau diese Taktik hat nun juristische Konsequenzen gefordert. Das Landgericht Bremen hat im Streit um die geschrumpften Milka-Tafeln ein wegweisendes Urteil gefällt. Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte gegen den Mutterkonzern Mondelez wegen unlauteren Wettbewerbs geklagt und recht bekommen.

Milka-Urteil ändert nicht viel

Laut dem Urteil darf der Hersteller eine geschrumpfte 90 Gramm Tafel nicht mehr ohne deutlichen Hinweis in einer fast identischen Verpackung in den Handel bringen, wenn dort in den vier Monaten zuvor noch die 100-Gramm -Version lag. Die Auswirkungen dürften indes begrenzt sein, weil Mondelez nach vier Monaten im Prinzip wieder tun kann, was es will. Zudem steht dem Konzern eine Berufung offen.

Vielleicht führt die aktuelle Entwicklung aber auch zu einem Umdenken. Wenn die Tafel Schokolade zum echten Luxus wird, schlingen wir sie nicht mehr achtlos beim Fernsehabend herunter. Wir lernen stattdessen wieder, jedes einzelne Stück bewusst zu genießen, so wie es ein wertvolles und rares Genussmittel von Natur aus verdient hat.

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Erstellt:
18. Mai 2026, 17:22 Uhr

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