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Der Waldfee auf der Spur

Bei einem Spaziergang durch den Wald in Siegelsberg erklärt Petra Weller den Teilnehmern allerhand Hintergründe zum Thema Märchen. Die einzelnen Stationen hat sie liebevoll gekennzeichnet.

Petra Weller (Zweite von links) führt durch den märchenhaften Siegelsberger Wald. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Petra Weller (Zweite von links) führt durch den märchenhaften Siegelsberger Wald. Foto: J. Fiedler

Von Renate Schweizer

MURRHARDT. „Es gab einmal eine Zeit, da färbten sich die Nadeln der Tannenbäume gelb und fielen ab, wenn der Winter kam...“ Ist lange her. Heute bleiben die Tannenbäume bekanntlich auch im tiefsten Winter immergrün und die meisten Menschen wissen gar nicht mehr, dass das früher einmal anders war, damals, als hinter dem großen Sumpf noch die kleinen Leute lebten. Das klingt nach Fantasy? Nein, viel älter: Märchen.

Wer mit Petra Weller durch den Wald spaziert, erfährt, wie es wirklich war mit den Tannennadeln, woher der Ausdruck „Holla, die Waldfee!“ stammt und warum keiner die Waldmännchen sieht, obwohl sie bestimmt immer noch da sind. Ganz nebenbei erfährt er auch, was der Unterschied zwischen einem Zaubermärchen und einem ätiologischen Märchen ist, warum die Heldin als eine andere aus dem Wald kommt, als sie hineingegangen ist, und überhaupt so dies und das zur „Märchentheorie“.

Man kann die hauptberufliche Märchenerzählerin beim Schlendern von einer Erzählstation zur nächsten alles fragen, was man jemals über Märchen wissen wollte – „man kann es aber auch bleiben lassen“, lacht Weller, denn nötig ist dieses Wissen nicht, um Märchen zu verstehen und zu genießen. „Im Grunde erzählen Märchen Gefühle, nicht Ereignisse. Man muss nichts erklären.“ Sie kommt selbst daher wie eine Waldfee im Samtgewand und mit ihrem lockigen Silberhaar – man nimmt ihr die Faszination ab, denn mit „der erzählten Sprache entsteht eine Welt“, das braucht keine Bilder und Hilfsmittel und keine Powerpointpräsentation. Der Film entsteht im Kopf der Zuhörer.

Trotzdem hat Petra Weller die Erzählstationen liebevoll gekennzeichnet: Mal hängt da ein kleines Krüglein am Baum, mal ein winziger Vogelkäfig und einmal gar ein Jungfernschleier, ein weißes Stück Vorhang nämlich. (Er gehört zu einer „ganz gefährlichen Geschichte“, die aber gut ausgeht.) Die Mitwanderer müssen die Augen offen halten und zum Glück ist auch ein Kind bei der Gruppe von einem guten Dutzend Menschen, das eifrig vorausläuft und alle Stationen findet. Mit dabei ist auch Ralf Nentwich, Vorsitzender der Siegelsberger Dorfgemeinschaft.

Die Dorfgemeinschaft Siegelsberg versucht sich an neuen Formaten.

Zusammen mit der Volkshochschule Murrhardt ist der Verein Veranstalter des märchenhaften Waldspaziergangs und ja, Nentwich ist ganz schön stolz auf die Sache und überhaupt auch auf sein Dorf und den Verein: Von 380 Einwohnern des kleinen Orts gleich hinter Murrhardt sind 107 Mitglieder im Dorfgemeinschaftsverein – das soll ihnen erst mal einer nachmachen. „Wir wollen nicht nur Festle machen, das auch, aber eben auch Kultur. Und jetzt gerade sind wir sowieso auf der Suche nach neuen Formaten. Da ist ein gemeinsamer Spaziergang ideal.“ Stimmt: Man schlendert so dahin und im Laufen ergibt sich der richtige Abstand ganz von alleine. Grün gucken soll ja auch ausgesprochen gesund und gut fürs Immunsystem sein und Märchen stärken die Seele in allen Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens. Nicht nur der richtige Abstand übrigens ergibt sich ganz von alleine, sondern auch die Gespräche beim Gehen. Mäuschenstill wird es nur, wenn Petra Weller erzählt, einmal singt sie sogar: Gar nicht laut, aber glockenhellklar – so müssen Feen singen. Dann hängen alle an ihren Lippen und springen im Geiste mit: weit, weit und mit Anlauf über den großen Sumpf und alle Schwierigkeiten des Lebens...

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Erstellt:
13. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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