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Der Wecker klingelt um halb zwei

Fällt Schnee, so befinden sich die Mitarbeiter der örtlichen Winterdienste schon zu frühen Morgenstunden im Einsatz. Gefällstrecken, Schulbusstrecken, Feuerwehrausfahrten und Kreuzungen werden zuerst geräumt.

Bis alle Wege geräumt sind, braucht es Stunden. Die Mitarbeiter sind daher immer zu zweit im Fahrzeug und können sich abwechseln. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Bis alle Wege geräumt sind, braucht es Stunden. Die Mitarbeiter sind daher immer zu zweit im Fahrzeug und können sich abwechseln. Fotos: J. Fiedler

Von Ute Gruber

MURRHARDT/SULZBACH AN DER MURR. Es soll Leute geben, für die der pausenlose Schneefall oder gar weiße Weihnachten nicht unbedingt das Höchste der Gefühle bedeuten. Die den Flocken vielmehr mit hochgezogenen Augenbrauen zusehen. Die deutlich entspannter sein können, wenn es draußen warm und grün ist. Gemeint sind die Mitarbeiter der Winterdienste. Für sie bedeuten Schnee und Eis nämlich: aufstehen mitten in der Nacht, damit bis um 7 Uhr in der Früh die Verkehrswege frei sind. Und das gilt auch, wenn sie eigentlich Urlaub haben, – das Wetter nimmt da keine Rücksicht. Gut, an Sonn- und Feiertagen gilt die offizielle Räumpflicht erst um 8 Uhr. Aber an Ausschlafen ist da auch nicht zu denken. „Genauso pausenlos, wie der Schnee nun schon den ganzen Tag fällt, sind unsere Jungs vom Winterdienst seit den frühen Morgenstunden ununterbrochen unterwegs“, hieß es gestern etwa auf der Facebook-Seite der Gemeinde Großerlach. Dort wird zugleich um Verständnis geworben, dass nicht jede Strecke sofort frei gemacht werden kann.

Besonders hart trifft es an solchen Tagen die Einsatzleiter, weshalb diese sich auch wöchentlich abwechseln. Täglich pünktlich um 15 Uhr erhalten sie eine E-Mail vom Winterdienst-Service mit einer örtlich genauen Prognose zu Temperaturen, Niederschlägen, Schneefallgrenze, Bodenfrost et cetera für die nächsten fünf Tage – in Dreistundenschritten aufgelistet. Sind Eis oder Schnee angesagt, versetzen sie ihre Mitarbeiter in Einsatzbereitschaft, heutzutage geht das per WhatsApp-Gruppe. Für den jeweiligen Einsatzleiter heißt das dann: Wecker scharf stellen. „Meiner klingelt um halb 2“, erzählt Werner Joos, der als Leiter des Zweckverband-Bauhofs für die Räumung der kommunalen Verkehrswege in Murrhardt und Sulzbach an der Murr zuständig ist. „Um 2 starte ich dann meine Kontrollfahrt.“ Dann werden die neuralgischen Stellen abgecheckt: die Brücken über die Murr und das berüchtigte Kälteloch beim Eulenhöfle zum Beispiel. Gibt es hier Glatteis, ist dies auch anderswo der Fall. Und er weiß: „Wenn bei uns daheim in Kirchenkirnberg Schnee liegt, dann ist das auf der anderen Seite in Berwinkel sicher auch so.“ Unten im Murrtal, in Murrhardt und Sulzbach, kann es dennoch nur regnen.

An manchen Stellen muss von Hand geschippt werden.

Ist Räumen nötig, heißt es jetzt: Gas geben und schnell alle 20 Mitarbeiter anrufen. „Bei dem mit der weitesten Anfahrt fange ich an.“ Die Mitarbeiter müssen freilich auf ungeräumten Straßen zur Arbeit gelangen – hier zeigt sich wahres Können. So können die Teams gleichzeitig spätestens um 3.30, 4 Uhr ausrücken, inklusive Einsatzleiter. Zwei Lkw und zwei Unimogs stehen dem Zweckverband zur Verfügung, dazu ein wendiger Hansa-Unimog und zwei Schmalspurschlepper. Außerdem zahlreiche Schneeschippen, denn manche Stellen wie Bushaltestellen, Fußgängerüberwege und Unterführungen müssen nun mal von Hand geräumt werden.

Jedes Fahrzeug hat einen festen Routenplan, angefangen wird mit den kritischen Stellen: Gefällstrecken – die es im Schwäbischen Wald zuhauf gibt –, Schulbusstrecken, Feuerwehrausfahrten, Kreuzungen. Die sollten geräumt sein, bevor der Berufsverkehr losgeht. Erst zuletzt sind die Wohngebiete dran. Der gesetzlich vorgeschriebene Beifahrer managt den Salzstreuer und bedient den Funk, sodass sich der Fahrer auf die Straße konzentrieren kann. Außerdem dokumentiert er die Uhrzeit zu Beginn und Ende jedes Räumabschnitts, die ausgebrachte Salzmenge und eingesetzte Technik, was wichtig ist für die spätere Abrechnung einerseits und wegen der Haftung bei Unfällen andererseits. Und wenn es gar nicht aufhören will mit Schneien und mehrere Runden gedreht werden müssen, kann der Beifahrer den Fahrer ablösen. So geschehen gleich Anfang Dezember: „Da haben wir um halb 4 morgens angefangen und um 13 Uhr waren wir fertig.“

Joachim Seiser füllt Streusalz nach – der Verbrauch ist an Tagen wie gestern groß.

© Jörg Fiedler

Joachim Seiser füllt Streusalz nach – der Verbrauch ist an Tagen wie gestern groß.

Solche Tage schlagen sich natürlich auch im Salzverbrauch nieder: Drei Viertel eines der beiden 50-Tonnen-Silos seien am Abend leer gewesen. 130 Tonnen Lagerraum hat man im Zweckverband, der wie ein Eigenbetrieb funktioniert und seine Leistungen mit den beiden Kommunen anteilig abrechnen muss. Insgesamt brauche man im Schnitt pro Winter rund 300 Tonnen Steinsalz in Murrhardt und Sulzbach. Über diese Menge besteht ein Liefervertrag, der eine Lieferung innerhalb von 48 Stunden zusichert, auch sonntags. Kehrseite der Medaille: Nach einem harmlosen Winter muss für die nicht abgerufene Menge Lagergebühr bezahlt werden, im vorliegenden Fall ein Euro pro Tonne im Monat. „Dieses Jahr ist seither ein normaler Winter“, stellt der Bauhofleiter fest.

Ganz andere Dimensionen kennt man in der Straßenmeisterei in Backnang. Sie ist für die 380 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im nördlichen Teil des Rems-Murr-Kreises zuständig und unterhält einen Stützpunkt am sogenannten Harbach-Kreisel in Murrhardt. „Wir haben immer ungefähr 2000 Tonnen Salz auf Vorrat“, erklärt der stellvertretender Leiter Roland Hänle. Das Streusalz sei durch ein zugesetztes Antibackmittel lagerfähig, bei der Ausbringung werde es mit Sole angefeuchtet, damit es weniger stäubt.

1000 Tonnen Salz werden pro Winter ausgebracht.

Fünf eigene Räumfahrzeuge besitze der Kreis, weitere fünf würden angemietet. Auch hier müssen die Mitarbeiter pro Fahrzeug in aller Herrgottsfrühe eine vorgegebene Planstrecke räumen, jeweils etwa 30 bis 35 Kilometer. „Bei Glatteis reicht eine Überfahrt, die Streubreite kann ja bis auf acht Meter erhöht werden“, erläutert Hänle den Arbeitsaufwand. „Der Schneepflug muss die Strecke natürlich doppelt abfahren: erst die eine Straßenseite, dann die andere.“ Rund 1000 Tonnen Salz werden in einem durchschnittlichen Winter in 60 Einsatztagen ausgebracht, damit der Verkehr ungehindert rollen kann. Aber „die Einsätze können einen ganzen Tag oder auch nur eine Stunde dauern, dabei kann der Salzverbrauch zwischen fünf und 150 Tonnen variieren“, erläutert Hänle. Die Aussage biete daher nur einen groben Anhaltspunkt. Diesen Winter gab es schon im November stabilen Schnee, ebenso wie über Weihnachten – sehr zur Freude der verhinderten Skiurlauber. In 17 Einsatztagen bis zum Jahresende hat die Straßenmeisterei bereits rund 750 Tonnen Streusalz verbraucht. Auch gestern fielen in den Höhenlagen im Murrhardter Wald über 20 Zentimeter Neuschnee.

Und es werden nicht die letzten sein: Für den kommenden Freitag bringt der besagte Winterdienst-Service Schneefall von 4 bis 19 Uhr, also den ganzen Tag lang, und bis zu 17 Zentimeter, bei Dauerfrost und Ostwind. Für die tapferen Winterdiensthelfer bedeutet dies einen weiteren langen Arbeitstag.

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Erstellt:
13. Januar 2021, 06:00 Uhr

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