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Die Häufchen häufen sich

Sind die Menschen durch Corona auf den Vierbeiner gekommen? In Murrhardt sind im Vergleich zum Vorjahr zumindest nicht mehr Hunde angemeldet worden. Trotzdem hat der Zweckverband Bauhof mit den Hinterlassenschaften einiges zu tun.

Ein seltsames Phänomen: Obwohl der Hundekot in Abfalltüten gepackt wird, landet er dann doch auf den Wegen oder auf der Wiese. Foto: K. Wieland

Ein seltsames Phänomen: Obwohl der Hundekot in Abfalltüten gepackt wird, landet er dann doch auf den Wegen oder auf der Wiese. Foto: K. Wieland

Von Christine Schick

MURRHARDT. Sich ein Tier anzuschaffen, sollte natürlich gut bedacht sein. Ein neues Familienmitglied braucht Zeit, Zuwendung, Platz und auch Kosten beispielsweise für den Tierarzt müssen einkalkuliert werden. Aber der Gedanke, dass ein aufgeweckter Vierbeiner einen bei den Spaziergängen begleitet, ist natürlich verlockend in einer Zeit, deren Möglichkeiten durch die Pandemie in vielerlei Hinsicht reduziert und von Einschränkungen gekennzeichnet sind. Und dann ist da auch die Wahrnehmung, dass bei besagten Spaziergängen durch Murrhardt und den Stadtpark die Hinterlassenschaften von Hunden zurzeit sehr präsent sind. Nicht jeder sammelt sie ein, seltsamerweise finden sich auch an sich ordentlich eingetütete Häufchen auf und an Wegen.

Also: Haben sich mehr Murrhardter in Coronazeiten einen Hund angeschafft oder sich dazu entschlossen, weil sie es schon lange vorhatten? Haben die Vierbeiner in der Stadt zugenommen? Eine Nachfrage bei der Murrhardter Stadtverwaltung bestätigt dies zumindest von den reinen Anmeldezahlen her nicht. Waren es 2019 exakt 107 Vierbeiner, kamen 2020 nur zwei mehr hinzu, womit die Zahl bei 109 lag. Vergleicht man die Zahlen zu Beginn des Jahres, haben sie (gezählt bis 10. März) sogar abgenommen und sind von 44 (2019) und 34 Vierbeinern (2020) auf 26 Hunde (2021) gefallen. Nicht überprüft werden kann natürlich, ob jeder Neuankömmling auch bei der Stadt angemeldet wird.

Die Umsicht mancher Hundebesitzer lässt zu wünschen übrig.

Wie Bürgermeister Armin Mößner berichtet, ist und bleibt der Hundekot ein Problem, und zwar eines, das „an Wegen, Straßen und in Wiesen in den vergangenen Jahren zugenommen hat“. Nach Rückmeldung des Bauhofteams bestätigt sich auch die Beobachtung, dass die Umsicht mancher Zweibeiner noch zu wünschen übrig lässt. „Oft wird der Hundekot auch eingesammelt in Tüten, dann aber in der Landschaft entsorgt“, erläutert Mößner. Auf den unbedarften Beobachter wirkt das bizarr. Gut verpacken und dann – zack – doch wegwerfen. Was könnte da dahinterstecken? Ist einem die Sache aus der untersten Ablage am Kinderwagen gerutscht oder hat der Besitzer das Tütchen an die Seite gelegt, sich gesagt, nehm ich auf dem Rückweg mit, und vergessen? Dieses Rätsel muss ungelöst bleiben. Indes kontrolliert der städtische Vollzugsdienst an den Punkten, die der Bürgermeister als neuralgisch bezeichnet. Allerdings sind angesichts der weiteren Aufgaben – Stichwort Kontrollen in Bezug auf Einhaltung der Coronavorschriften – die zeitlichen Ressourcen beschränkt.

Auch eine junge Mutter aus Murrhardt, die mit ihrer Tochter im Kinderwagen oft auf Spaziergängen rund um den Feuersee und im Stadtgarten unterwegs ist, bestätigt, dass ihr Hundekot auf Schritt und Tritt begegnet. Auf einem Gang zückte sie spontan ihr Handy, um die Hinterlassenschaften einmal zu fotografieren, die auszumachen waren, und kam auf 21 Stück. Haufenweise Häufchen sozusagen.

Bürgermeister Armin Mößner bleibt neben den Kontrollen vor allem, an die Hundebesitzer zu appellieren, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner verantwortungsvoll zu entsorgen. Dabei geht es um die Wege und gestalteten Bereiche wie dem Stadtpark, aber auch um die landwirtschaftlichen Flächen. Dort kann der Kot das (heranwachsende) Tierfutter verunreinigen und stellt insofern auch eine Gesundheitsgefahr beispielsweise für Kühe dar. „Die Stadt und der Bauernverband weisen gemeinsam in den Teilorten seit einiger Zeit auch mit entsprechenden Schildern auf diesen Umstand hin.“ Hinzu kommt, dass es während der Vegetationszeit – zwischen Saat, Bestellung und Ernte beziehungsweise Aufwuchs vor der Ernte – verboten ist, die Wiesen und Nutzflächen zu betreten. Für den Zweckverband Bauhof jedenfalls sei klar, dass die Kapazitäten in puncto Nachsorge beim Hundekot, ob mit oder ohne Beutel, an einer Grenze angelangt beziehungsweise ausgeschöpft sind.

Helfen sollen letztlich auch die Hundekot-Abfallbehälter, die in Murrhardt aufgestellt sind und über die Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner entsorgen können. Nach Auskunft Mößners sind sie an den bekannten Hundeauslaufstrecken platziert. 21 sind es innerhalb von Murrhardt, sechs in Fornsbach und zwei in Kirchenkirnberg. Sie werden auch genutzt. Die Stadt jedenfalls kümmert sich um eine wöchentliche Leerung. Im Sommer erfolgt diese öfters, damit die Geruchsbelastung nicht zu groß wird, was Passanten in der Vergangenheit schon angemahnt haben, so Mößner.

Verlust einer ganzen Heuernte

In den vergangenen Wochen kam es verstärkt zu Beschwerden auf dem Rathaus wegen Hundekot auf Wegen, Wiesen, Feldern und landwirtschaftlich genutzten Grünflächen. Dies möchte die Stadt nutzen, um zum Thema zu sensibilisieren und um Rücksicht und Beachtung der geltenden Vorschriften zu bitten.

Die Stadtverwaltung schreibt zum Thema in einer Pressemitteilung: Wälder und Wiesen stehen demnächst in sattem Grün und das Wetter lockt zu ausgedehnten Spaziergängen und Wanderungen, vielfach begleitet vom besten Freund des Menschen, dem Hund. Viele Hundebesitzer gehen mit dieser Thematik verantwortungsvoll um und stellen Vorbilder dar. Sie nehmen die verrichtete Notdurft mit nach Hause oder werfen sie in Hundekotstationen ein. In anderen Fällen geschieht dies aber nicht. Es finden sich die Hinterlassenschaften dann auch an Wegesrändern, auf Wiesen und Feldern. Dennoch ist vielen Hundebesitzern nicht bewusst, dass die Tiere ihre Notdurft weder auf fremden Grundstücken noch in landwirtschaftlich genutzten Feldern und Äckern verrichten dürfen.

Während der Vegetationszeit ist nach dem Gesetz des Landes Baden-Württemberg zum Schutz der Natur und zur Pflege der Landschaft sogar schon das Betreten dieser Flächen außerhalb der Wege untersagt. Die auf den Wegen hinterlassenen „Tretminen“ sind für Wanderer und Spaziergänger äußerst ärgerlich. Aber insbesondere auf landwirtschaftlich genutzten Grünflächen ist Hundekot ein großes Problem. Auf Wiesen, die zur Fütterung von Rindern und anderen Nutztieren dienen, machen sie das Gras dadurch oft unbrauchbar. Die mit Hundekot verunreinigten Gräser beziehungsweise das Heu werden in der Regel von ihnen abgelehnt, sodass unter Umständen eine ganze Ente entsorgt werden muss. Fressen Rinder und andere Nutztiere das verunreinigte Gras oder Heu dennoch, kann dies zu Krankheiten bei Tieren und Menschen führen und somit eine ganze Futter- und Nahrungsmittelkette mit verschiedenen Bakterien und Parasiten kontaminieren.

Das Rathaus appelliert deshalb auch im Namen der Grundstückseigentümer und Landwirte an alle Hundebesitzer, den Kot der Tiere mit geeigneten Beuteln aufzunehmen und entweder in den an einigen Stellen aufgestellten Sammelbehältern oder zu Hause im Hausmüll zu entsorgen. Die Stadt bittet aber auch um Verständnis dafür, dass solche Sammelbehälter mit Beutelspendern aus Kostengründen nur an von Hundehaltern viel benutzten Wegen aufgestellt werden können.

Wer die Hinterlassenschaften seines Tiers nicht beseitigt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann.

Weiter weist die Stadt auf die Leinenpflicht auf öffentlichen Straßen und Gehwegen im Innenbereich der Stadt Murrhardt sowie während der Brunft zum Schutz der Jungtiere im Wald hin. In Waldgebieten sind außerdem die Vorschriften des Landeswald- und Landesjagdgesetzes zu beachten.

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Erstellt:
24. März 2021, 06:00 Uhr

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