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Diskussion um künftige Pferdepension

Gemeinderat sah die Bauvoranfrage für ein Projekt in Schloßhof teils kritisch und wollte sichergehen, dass die Anlagen für 15 Tiere den Flecken durch den Betrieb und Verkehr nicht überfordern. Schließlich gab es mehrheitlich doch grünes Licht für das Vorhaben.

Der Teilort Schloßhof ist überschaubar, die Einwohnerzahl liegt im unteren zweistelligen Bereich. Eine Befürchtung in der Beratung war, dass zu wenig Stellplätze für die Besitzer der Pensionspferde vorhanden sind. Die müssen allerdings im Rahmen des weiteren Bauantrags nachgewiesen werden, wie Baurechtsamtsleiterin Simone Sauer erläuterte. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Der Teilort Schloßhof ist überschaubar, die Einwohnerzahl liegt im unteren zweistelligen Bereich. Eine Befürchtung in der Beratung war, dass zu wenig Stellplätze für die Besitzer der Pensionspferde vorhanden sind. Die müssen allerdings im Rahmen des weiteren Bauantrags nachgewiesen werden, wie Baurechtsamtsleiterin Simone Sauer erläuterte. Foto: J. Fiedler

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Mit der Bauvoranfrage zu einem nicht ganz unumstrittenen Bauprojekt im Teilort Schloßhof setzte sich der Murrhardter Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung intensiv auseinander. Baurechtsamtsleiterin Simone Sauer informierte über die wichtigsten Punkte des Vorhabens. Geplant sind der Bau eines Pensionspferdestalls mit 15 Plätzen sowie eines Reitplatzes, Maschinenschuppens und Einfamilienwohnhauses. Dazu sollen die auf den Baugrundstücken bestehenden Scheunengebäude abgebrochen werden.

Der Teilort Schloßhof ist baurechtlich als Außenbereich eingestuft, der Reitplatz und die Koppeln tangieren teilweise das Landschaftsschutzgebiet. Zudem befindet sich das gesamte Vorhaben im Wasserschutzgebiet. Um zu prüfen, ob das Bauvorhaben zulässig ist, wurde eine Bauvoranfrage gestellt. Darin ging es darum, ob der Bau eines Einfamilienwohnhauses mit Keller, die Errichtung eines Pferdeoffenstalls mit befestigter Auslauffläche, Liegehalle, Maschinenhalle mit Heulager und Reitplatz sowie die Schaffung einer Pferdemiste mit Jauchegrube unter Berücksichtigung des Wasserschutzgebiets bauplanungsrechtlich zulässig sind.

Das Landwirtschaftsamt stellte laut Simone Sauer auf Basis des vorgelegten Businessplans eine Privilegierung für das Projekt in Aussicht. Daraus geht hervor, dass eine Fläche von acht Hektar bewirtschaftet und die Anlagen Platz für 15 Pensionspferde bieten sollen. Wichtig hierbei ist aber, dass die Funktionsgebäude vor dem Wohnhaus erstellt werden, sodass die Privilegierung auch für dieses Gebäude gilt, verdeutlichte die Baurechtsamtsleiterin.

Nach mehrfachen Ergänzungen der Unterlagen stellt auch das Umweltschutzamt des Landratsamts die Zustimmung in Aussicht. Denn das Landschaftsschutzgebiet wird mit zwei länglichen, parallelen Grundstücken nur noch minimal berührt, und es sollen keine Schutzmauern gebaut werden. Der Fachbereich Grundwasserschutz meldet keine Bedenken gegen die Vorhaben an, sofern die Hinweise für das Bauen im Wasserschutzgebiet eingehalten werden, sprich die technischen Regeln für Jauche-, Gülle- und Silage-Sickersaftanlagen.

Weiterhin wies das Umweltschutzamt darauf hin, dass bei dort möglicherweise vorkommenden geschützten Tierarten wie dem Wiesenknopf-Ameisenbläuling eine artenschutzrechtliche Untersuchung im Zuge des Baugenehmigungsverfahrens vorzulegen ist. Überdies liegen zum geplanten Bauvorhaben Einwendungen aus der Nachbarschaft vor. Bedenken bestehen hinsichtlich der ausreichenden Zahl von Fahrzeugstellplätzen für die Pferdebesitzer. Ebenso gibt es Befürchtungen, dass Verunreinigungen durch Pferde und Hunde auf den Wegen und an den Wiesenrändern zunehmen könnten. Diese beiden Punkte sind jedoch nicht Gegenstand der Bauvoranfrage, sondern im baurechtlichen Genehmigungsverfahren zu überprüfen. Abschließend resümierte Simone Sauer, dass die Stadtverwaltung eine Baugenehmigung in Aussicht stellen könne.

Im Anschluss entwickelte sich zwischen den Fraktionssprechern und der Baurechtsamtsleiterin eine von kritischen Kommentaren und Nachfragen geprägte Diskussion. „Pferdehaltung passt in unsere Kulturlandschaft“, fand Martin Stierand (MDAL/Die Grünen), beurteilte das gesamte Projekt mit Blick auf Umweltschutz und Verkehrssicherheit jedoch kritisch. Auf dessen Nachfragen bekräftigte Simone Sauer, „die Funktionsgebäude müssen zuerst gebaut werden und vorhanden sein, bevor das Wohnhaus errichtet wird“. Und in das Projekt werde viel Geld investiert; falls es wieder aufgegeben werden sollte, sei kein Abbruch der Anlagen erforderlich, da diese ja verkauft und von anderen Eigentümern weitergenutzt werden können.

„Wir haben das Vorhaben lange geprüft, auch legten die Antragsteller einen schlüssigen Businessplan vor, wonach die Bewirtschaftung mit eigener Futtergrundlage erfolgt“, betonte die Baurechtsamtsleiterin auf Nachfrage von Andreas Winkle (CDU-FWV) hinsichtlich der Privilegierung als landwirtschaftliches Projekt. Die Bauherren seien ein sehr pferdefachkundiges Paar und seriös, darum sei das Projekt in den richtigen Händen, betonte Simone Sauer auf Elisabeth Zenkers (SPD) Nachfrage. „Das ist ein sehr strittiges Gewerbevorhaben und keine klassische Landwirtschaft und passt überhaupt nicht mehr zum Flecken Schloßhof“, kritisierte Markus Blank (UL). Er wies auf das Risiko und die Probleme durch starken Publikumsverkehr hin. Darum seien „ausreichende Stellplätze für Besucher ein ganz wichtiges Kriterium. Wenn diese nicht nachgewiesen werden können, müssen wir das Vorhaben ablehnen.“

Die erforderliche Anzahl der Stellplätze „ist gesetzlich genau geregelt und wird natürlich eine Verpflichtung sein“. Und was das Landschaftsschutzgebiet betreffe, müssten sich die Antragsteller und späteren Betreiber der Anlage mit den Naturschutzbehörden abstimmen, betonte Simone Sauer. Letztendlich gab die Gemeinderatsmehrheit grünes Licht für das geplante Projekt mit neun Jastimmen, fünf Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

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Erstellt:
18. November 2020, 06:00 Uhr

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