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„Ein Bild muss etwas Liebenswertes haben“

Kunsthistorikerin Ulla Katharina Groha referiert im Grabenschulhaus über den Maler Pierre-Auguste Renoir.

Als sehr leicht und lebendig beschreibt Kunsthistorikerin Ulla Katharina Groha den Malstil Pierre-Auguste Renoirs. Er mache deutlich, dass Licht Konturen auflöst. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Als sehr leicht und lebendig beschreibt Kunsthistorikerin Ulla Katharina Groha den Malstil Pierre-Auguste Renoirs. Er mache deutlich, dass Licht Konturen auflöst. Foto: J. Fiedler

Von Petra Neumann

MURRHARDT. Einen spannend wiedergegebenen Vortrag über einen der größten impressionistischen und gleichzeitig produktivsten Maler Frankreichs hielt die Kunsthistorikerin Ulla Katharina Groha im Grabenschulhaus: Pierre-Auguste Renoir. Sein Credo lautete: „Für mich muss ein Bild etwas Liebenswertes, Erfreuliches und Hübsches haben.“

Pierre-Auguste Renoir wurde als eines von sieben Kindern am 25. Februar 1841 in Limoges geboren, seine Eltern arbeiteten in der Schneiderbranche. Später zog seine Familie nach Paris, das zu dieser Zeit das europäische Zentrum für Kunst und Kultur war. Bereits mit 13 Jahren machte Renoir eine Lehre als Porzellanmaler, die sein späteres künstlerisches Schaffen in Bezug auf Farbigkeit und Pinselduktus beeinflussen sollte. Nur vier Jahre später musste diese Manufaktur schließen, weil das Druckverfahren von Motiven auf Porzellan günstiger in der Herstellung war und auch als letzter Schrei galt. Der 17-Jährige verdiente sich nunmehr sein Geld als Wand- und Tuchmaler. Eine für seine Begabung unbefriedigende Arbeit. Im Alter von 20 Jahren begann er deshalb, Abendkurse in einer Zeichenschule zu belegen, und kopierte Meister der Rokokomalerei im Louvre. In dieser École des Beaux Arts waren zwar jegliche Modernismen verpönt, doch lernte er hier angehende Maler wie Claude Monet, Alfred Sisley und Frédéric Bazille kennen, die ihn beeinflussen sollten, sodass er sich der Plein-Air-Malerei zuwandte und die angesagten Stile und Themen in der Malerei ablehnte. Allerdings war den Impressionisten kein erfolgreicher Start beschieden, es ging ihnen finanziell sehr schlecht. Renoir musste zeitweilig im Atelier seines Freundes Bazille wohnen.

Eine weitere wichtige Begegnung war die mit Éduard Manet, der angefangen hatte, statt den obligatorischen Historiengemälden Szenen aus dem Pariser Leben auf Leinwand zu bringen. „Renoir entwickelte einen sehr feinen und lebendigen Malstil; fast fedrig sind seine Pinselstriche zu nennen, sodass seine Werke sehr leicht und lebendig wirken sowie das Augenblickliche einzufangen verstehen. Er begriff das Phänomen der farbigen Schatten und machte deutlich, wie das Licht die Konturen auflöst“, erläuterte die Kunsthistorikerin.

1874 beteiligte er sich an der ersten Impressionistenausstellung, was ihn aber nicht hinderte, sich auch um die Aufnahme in den berühmten Salon zu bemühen, doch wurde er mehrfach abgewiesen, erst Jahre später wurde seinem Werk Anerkennung gezollt. Obgleich Renoir sich auch mit Stillleben sowie Landschaftsmalerei beschäftigte, waren sein großes Thema die Frauen. „Seine Frauenbilder bezaubern durch die Farben. Es gibt keine traurigen, hässlichen oder alten Frauen als Sujets in seinen Gemälden“, betonte Ulla Groha.

Mit 40 Jahren reiste er nach Italien, ein Aufenthalt, der große Wirkung zeitigte: Beeindruckt von den Werken Raffaels begann er seinen Malstil zu ändern. „Die Konturen wurden nun schärfer und er wandte sich mehr und mehr vom Impressionismus und seinen optischen Gesetzen ab. Diese Periode wird als die trockene Phase bezeichnet“, konstatierte die Referentin. Die 80er-Jahre sind geprägt von einer künstlerischen Krise und der Familiengründung. Mit Aline Charigot bekam er drei Söhne, die er mehrfach porträtierte. Sein Spätwerk löst allerdings die Konturen wieder auf, die Farbe selbst wird thematisiert.

In den 90-Jahren erkrankte Renoir an Rheuma, sodass er sich gezwungen sah, in den wärmeren Süden zu ziehen. Trotzdem verschlimmerte sich seine Krankheit so sehr, dass Pierre-Auguste Renoir an den Rollstuhl gefesselt war. Seine Hände begannen sich stark zu deformieren. Renoir war nicht mehr in der Lage, die Pinsel zu halten, und ließ sie sich an die Hand binden. Am 3. Dezember 1919 starb der große Maler und hinterließ ein Erbe, das 6000 Werke umfasst.

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Erstellt:
17. Oktober 2020, 06:00 Uhr

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