Krypto-Hack bei Binance
Ein Raubzug bringt sechs Milliarden Euro
Eine Plattform für den Handel mit Kryptowährungen ist gehackt worden. Es könnte sich um den größten Diebstahl der Weltgeschichte handeln.
© SEBASTIEN BOZON/afp
Kryptowährungeen im wert von sechs Milliarden Euro könnten geklaut worden sein.
Von Christian Gottschalk
Es war ein spektakulärer Raubüberfall, damals, am 8. August 1963. Der „Große Postzugraub“ ist in die Geschichte eingegangen, nicht nur in Großbritannien. Zum einen, weil die erbeutete Summe immens war. 2,63 Millionen Pfund, nach heutigem Wert wäre das in etwa 80 Millionen Euro. Zum anderen, weil jeder nachvollziehen konnte, wie die Bande vorgegangen war. Die Räuber manipulierten ein Signal, stoppten den Zug, schlugen den Lokführer nieder und koppelten den Waggon mit dem wertvollen Postgut ab. Das ist der große Unterschied zu dem Raubzug, der in der Nacht zu Freitag erfolgte. Ziel war eine Plattform für Kryptowährungen.
Kryptos liegen nicht in Säcken
So ganz genau verstehen auch viele Zeitgenossen nicht, wie das alles funktioniert mit dem virtuellen Geld, auch wenn sie mit Kryptowährungen schon viel verdient haben. Deswegen eignet sich auch der nun erfolgte Raubzug nicht so gut, um damit Eindruck zu machen. Der Wert der Beute lässt allerdings aufhorchen. Es könnten bis zu sechs Milliarden Euro erbeutet worden sein, so ganz genau weiß das derzeit niemand. Anders als vor einem guten halben Jahrhundert lag die Beute nicht in 128 Säcken, sondern irgendwo im virtuellen Raum.
Binance ist eine Plattform, auf der jede Menge Kryptowährungen gehandelt werden. Der inzwischen relativ bekannte Bitcoin ebenso wie digitale Münzen, die nur den eingefleischtesten Insidern etwas sagen. Die Plattform tauscht auch echtes Geld, Euro oder Dollar, in virtuelle Einheiten. In der Nacht zu Freitag haben sich nun offenbar Hacker daran gemacht, einen Teil des Geldes umzuleiten. Die Rede ist von 6,3 Milliarden Dollar. Das Unternehmen informiert seine Kunden derzeit auf X und hat alle Abbuchungen vorerst gestoppt. Geld einzahlen soll noch funktionieren.
Die Kryptobörse versucht gerade, ihre Kunden zu beruhigen. „Die Gelder der Nutzer sind sicher“, teilt sie mit. Binance werde alle Verluste von Nutzern aus eigenen Mitteln decken. Ob das bei diesem Betrag überhaupt geht, ist eine ganz andere Frage. Nach Informationen der Wirtschaftswoche gibt es einen Sicherheitsfonds. In dem sollen Anfang des Monats etwas mehr als eine Milliarde Euro gelegen haben.
Laptop eines Mitarbeiters im Fokus
Wie der Hack gelungen ist steht derzeit auch noch nicht endgültig fest. Der Laptop eines Mitarbeiters könnte den Dieben als Einfallstor gedient haben, bestätigt ist das noch nicht. Ebenso offen ist die Frage, wer hinter der Aktion steckt. Da aber gibt es einen Verdacht: Nordkorea.
Nordkoreanische Hacker haben in der Vergangenheit immer wieder Krypto-Börsen angegriffen, es scheint ein Weg zu sein, wie das Regime an Geld kommt. Die aktuelle Attacke werde der Elitehackergruppe „Trader Traitor“ zugeschrieben, teilte eine US-amerikanische Analysefirma mit, die auf Blockchain-Daten spezialisiert ist. Diese Einschätzung treffe man auf Basis umfassender Analysen mit großer Sicherheit.
Vor einem Jahr war Hackern schon einmal ein Milliarden-Coup gelungen. Sie konnten auf eine sogenannte „Cold Wallet“ zugreifen. Darin werden Kryptowährungen normalerweise offline gespeichert. Die Angreifer erbeuteten rund 1,5 Milliarden Dollar.
© Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
Auch Bitcoins, die wohl bekannteste Kryptowährung, sind betroffen.
