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Einkaufen mit Abstand und gut verteilt

Das Stadtmarketing Murrhardt hat an einer Konzeption für weihnachtliche Besorgungen getüftelt, um den Balanceakt zwischen gegenseitigem Schutz und Angeboten zu schaffen. Die Mittwoch beschlossenen neuen Regeln betreffen Innenstadthändler meist nicht.

In der Murrhardter Innenstadt ist es diese Woche nachmittags sehr ruhig. In puncto Kontaktreduzierung ist das gut, für die Händler aber schwierig, da das Weihnachtsgeschäft wichtig für sie ist. Die Stadtmarketingaktion mit verlängerten Öffnungszeiten möchte einen guten Weg finden, beides zu berücksichtigen. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

In der Murrhardter Innenstadt ist es diese Woche nachmittags sehr ruhig. In puncto Kontaktreduzierung ist das gut, für die Händler aber schwierig, da das Weihnachtsgeschäft wichtig für sie ist. Die Stadtmarketingaktion mit verlängerten Öffnungszeiten möchte einen guten Weg finden, beides zu berücksichtigen. Foto: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die Herausforderung war, gemeinsam mit den Mitgliedern des Murrhardter Stadtmarketingvereins sowie interessierten Partnern etwas anzubieten, das der aktuellen Situation gerecht wird. Bürgermeister Armin Mößner berichtet als Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, dass man zunächst noch abwarten wollte, wie sich Beschlüsse rund um Teil-Lockdown und Coronaregelungen mit Blick auf den Dezember entwickeln. Mittlerweile steht fest, dass die Aktion „Weihnachtliches Einkaufen in Murrhardt“ auch wie geplant stattfinden kann – mit verlängerten Einkaufszeiten an den Adventssamstagen und einem Freitag, bei dem die beteiligten Geschäfte, Handwerker und Dienstleister bis 21 Uhr für ihre Kunden da sind.

Die neuen Beschlüsse wurden Mittwochabend präsentiert. Zum einen sollen die aktuellen Maßnahmen bis zum 20. Dezember verlängert werden, sprich Restaurants, Cafés, Hotels, Fitnessstudios, Kultureinrichtungen und Sportstätten bleiben weiterhin geschlossen. Zum anderen gelten im Handel, bei Kontakten und an Schulen strengere Regeln (wir berichteten). Die Maskenpflicht besteht künftig auch vor Läden sowie auf Parkplätzen. Für den Handel ist erneut der Umfang der Verkaufsfläche entscheidend, bei über 800 Quadratmetern müssen 20 Quadratmeter pro Kunde vorgesehen beziehungsweise die Anzahl der Besucher entsprechend limitiert werden. Für Geschäfte, die darunter liegen, bleibt es bei den bisherigen zehn Quadratmetern pro Kunde.

In der Murrhardter Innenstadt sind dies die allermeisten Läden. Martina Reißhauer von Mode am Markt berichtet, dass ihre Verkaufsfläche 220 Quadratmeter misst. Aktuell achtet das Team bereits darauf, dass sich nicht mehr als 15 Kunden im Laden aufhalten, was kein Problem sei. Zurzeit beobachtet Martina Reißhauer nämlich, dass es an den Nachmittagen sehr ruhig in der Innenstadt ist, und lässt durchblicken, dass sich die Situation auch im Laden bemerkbar mache und man für jegliche Unterstützung beispielsweise mit Aktionen dankbar sei.

Das bestätigt auch die Kollegin Christine Schäffner, die mit ihrer Schwester Silke Schmid für das Modehaus Bachmann in Murrhardt sowie vier weitere Filialen im Kreis Göppingen verantwortlich zeichnet. Bei einer Fläche von unter 300 Quadratmetern ändert sich für das Team vor Ort nichts, aktuell könnten sich rund 28 Personen gleichzeitig im Geschäft aufhalten, geeinigt hat man sich aber ebenso auf 15 Kunden.

Klaus Lang, der mit seiner Frau Ulrike die Parfümerie Lang in der Fußgängerzone nahe des Marktplatzes betreibt, geht davon aus, dass sich für so gut wie alle Geschäfte in der Altstadt nichts ändert, da sie unter die 800 Quadratmetergrenze fallen. Auch das Ehepaar hat für den Erdgeschossbereich eine Kundenanzahl festgesetzt, die unter der eigentlich möglichen liegt, nämlich fünf Personen bei 88 Quadratmetern. „Wenn es dann doch mal vorkommt, dass ein sechster vor der Tür steht, bitten wir ihn, kurz zu warten, und die Kunden reagieren da verständnisvoll“, sagt Klaus Lang. Froh ist er, dass es bisher auch noch keine Probleme mit sogenannten Maskenverweigerern gab.

Corona und die Folgen
verstärken die Krise des innerstädtischen Handels.

Angesichts der schwierigen Situation für den Handel und die Gastronomie appelliert er an die Menschen in Murrhardt und Umgebung, die Café- und Restaurantbesitzer mit Bestellungen zum Mitnehmen sowie die Geschäfte vor Ort zu unterstützen. Er befürchtet, dass es für viele nicht einfach sein wird, durchzuhalten. Zwar habe sich die Krise des innerststädtischen Handels schon vor Jahren abgezeichnet, Corona und die mit der Pandemie verbundenen Maßnahmen verstärkten diese allerdings deutlich.

Den Balanceakt zwischen Schutzmaßnahmen und dem Wunsch, die Kontakte zu reduzieren, sowie den Handel und die Innenstadtakteure zu unterstützen, musste auch die Konzeption des Stadtmarketingvereins schaffen. „Es war klar, dass wir zu Weihnachten beziehungsweise in der Adventszeit etwas machen wollten, was aber zur Coronalage passt“, sagt Bürgermeister Armin Mößner. Mitglieder und Partner haben sich insofern für einen langen Einkaufsfreitag am 4. Dezember bis 21 Uhr sowie für verlängerte Öffnungszeiten an den Adventssamstagen bis 16 Uhr zusammengetan. „Es ist wichtig, dass sich möglichst keine längeren Schlangen bilden und sich die Kunden gut über die Zeit verteilen“, erklärt Armin Mößner. Elke Kleinknecht, die vor allem den lokalen Online-Marktplatz betreut, konnte bei Vorbereitung und Koordinierung tatkräftig unterstützen. Apropos – mittlerweile sind bei der Murrhardter Plattform 32 Mitglieder aktiv. Der Lieferservice besteht weiterhin.

Armin Mößner weiß um die Schwierigkeiten, die die Händler (auch) in Murrhardt haben. Nicht alle seien gleich betroffen, solche, die Waren des täglichen Gebrauchs anbieten könnten, vermutlich noch etwas besser dran, so seine Hypothese. Aber auch er hat beobachtet, dass diese Woche an manchem Nachmittag die Besucherfrequenz stark abgenommen hat. Andererseits verweist er auf die Notwendigkeit, sich gegenseitig zu schützen und die Kontakte zu reduzieren. Noch sei die Inzidenz im Kreis deutlich zu hoch. Insofern sei eine doppelte Botschaft wichtig: Bei „Weihnachtliches Einkaufen in Murrhardt“ handelt es sich nicht um ein Event, aber die Mitglieder und Partner signalisieren mit der Aktion „Wir sind für Sie da“. Dazu gehöre auch, dass kleine Snacks und Getränke bei zwei Gastronomen mitgenommen werden können, gleichzeitig sei es wichtig, dass sich keine Gruppen bildeten. Der Städtische Vollzugsdienst werde in dieser Hinsicht auch bei dem einen oder anderen Rundgang ein Auge darauf haben, sagt Mößner.

Ulrike Lang ergänzt als stellvertretende Vorsitzende beim Stadtmarketing, dass der Freitag und die Adventssamstage mit ihren verlängerten Einkaufszeiten für die Menschen vor Ort ein adäquates Angebot seien, denn so könnten die Kunden über den Tag verteilt auch in Zeitfenstern kommen, bei denen nicht so viel los sei. Wer vor Ort wohne, sei da vermutlich flexibler, zudem lasse sich unter Umständen eine Einkaufsstation vor- oder nachziehen, wenn ein Laden mal doch etwas mehr in Beschlag sei.

Bedenken in dieser Richtung für die Vorweihnachtszeit haben aber auch Vertreter größerer Geschäfte nicht wirklich, zumindest nach einer groben Stichprobe. Das Team der dm-Filiale in den Murrarkaden in der Fritz-Schweizer-Straße mit einer Verkaufsfläche von rund 630 Quadratmetern achtet darauf, dass sich nicht mehr als 60 Kunden im Geschäft aufhalten. „Das ist aber selten der Fall“, sagt Filialleiterin Helen Frank. Das Team ist bei der weihnachtlichen Stadtmarketingaktion dabei, freut sich über die Initiative, da dieses Jahr ja auch keine verkaufsoffenen Sonntage möglich gewesen seien.

Zumindest die größeren Supermärkte müssen sich auf die neue Regelung einstellen, unter ihnen ist beispielsweise der Rewe-Markt in den Murrarkaden mit seinen rund 1600 Quadratmetern. Umsetzen wolle man das durch eine Limitierung der Einkaufswagen, wie Filialleiter Eren Uzun berichtet. Dann werden nur noch bis zu 60 Wagen zur Verfügung stehen, sodass auch noch einige Kunden – maximal dürfen 80 Personen gleichzeitig ins Geschäft – ohne Einkaufswagen shoppen gehen können. Er geht davon aus, dass sich diese Zahl gut einhalten lässt. Einzig kurz vor den Feiertagen wolle man sich durch einen Securitymitarbeiter Unterstützung holen, der dies dann im Blick behält.

Peter Köller, Niederlassungsleiter von Wölpert in Murrhardt, sieht der Regelung ähnlich gelassen entgegen. Bei der Fläche von über 2000 Quadratmetern könnten bis zu 100 Kunden gleichzeitig in dem Heimwerkermarkt einkaufen, wenn es 50 bis 60 Personen sind, sei aber schon viel los. Auch dort will das Team dies über die Einkaufswagen steuern. Im Winter sei es im Geschäft aber generell eher ruhiger, da die Heimwerkersaison erst im Frühjahr wieder starte. Insofern geht er davon aus, die Situation gut managen zu können.

Längere Öffnungszeiten

Mitglieder und Partner des Stadtmarketingvereins Murrhardt laden zum „Weihnachtlichen Einkaufen in Murrhardt“ am Freitag, 4. Dezember, bis 21 Uhr sowie an allen Adventssamstagen bis 16 Uhr (28. November, 5., 12. und 19. Dezember) ein. Auf Plakaten und Aufstellern werden die teilnehmenden Geschäfte, Betriebe und Institutionen auch noch mal transparent gemacht. Weitere Informationen unter www.murrhardt.de.

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Erstellt:
27. November 2020, 06:00 Uhr

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