Freihandel
Europas Sieg ohne Glanz
Das Mercosur-Handelsabkommen ist nicht perfekt, aber die Chance für die EU, sich von der Willkür der USA und Chinas unabhängiger zu machen, kommentiert unser Korrespondent Knut Krohn.
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Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva zeigt die Urkunde, mit der das Mercosur-Abkommen in seinem Land umgesetzt werden soll.
Von Knut Krohn
Das Mercosur-Abkommen hätte ein leuchtendes Signal für den freien Welthandel werden können, übriggeblieben ist ein matter Schein. Über 25 Jahre wurde um das Projekt gestritten und es stand mehr als ein Mal vor dem Aus. Dass es am Ende noch eines Machtwortes von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bedurfte, um das Abkommen vorläufig in Kraft zu setzen, passt zu diesem bisweilen beschämenden Geschacher um Quoten und Ausnahmeregelungen.
Gute Aussichten für Europas Wirtschaft
Dennoch darf nicht übersehen werden, dass ab dem 1. Mai ein gemeinsamer Markt für über 700 Millionen Menschen entsteht. Das sind gute Aussichten für die angeschlagene deutsche und europäische Wirtschaft. Sogar die größten Kritiker müssen einräumen, dass solche Abkommen in diesen Krisenzeiten eine große Chance für die EU sind. Die regelgeleitete Handelspolitik ist das einzige Instrument, das Europa der feindseligen Willkür Donald Trumps und dem rücksichtslosen Vormachtstreben Chinas entgegensetzen kann. Brüssel kann sich als verlässlicher Partner positionieren, mit dem es sich nicht nur wirtschaftlich lohnt zusammenzuarbeiten.
Macron zeigt sich als nationaler Kleingeist
Der Streit innerhalb der EU um Mercosur hat gezeigt, dass einige Regierungschefs die Zeichen der Zeit noch immer nicht erkannt haben. Allen voran Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der sich gerne als großer Europäer und Verteidiger des Freihandels preisen lässt. Im entscheidenden Augenblick zeigte er sich als nationaler Kleingeist und knickte vor den heimischen Landwirten ein. Das Mercosur-Abkommen ist nicht perfekt, aber es die große Gelegenheit, Europas Zukunft zu gestalten und sich nicht ständig von den USA und China am Nasenring durch die Manege zerren zu lassen.
