Mit 55 Jahren

Freie-Wähler-Chef Aiwanger tot in Berliner Hotel gefunden

Der Schock über den Tod Hubert Aiwangers sitzt tief in der Politik: Der 55-Jährige war am Mittwoch in Berlin, doch erschien nicht zu dem Termin. Dann wurde Aiwanger tot in einem Hotelzimmer entdeckt.

Hubert Aiwanger am 4. Oktober 2026 auf dem Oktoberfest in München: Der jetzt verstorbene Politiker beherrschte die Bierzelte wie kaum ein anderer. Sein Erfolgsrezept war die Nähe zu den Wählern

© Imago/Wolfgang Maria Weber

Hubert Aiwanger am 4. Oktober 2026 auf dem Oktoberfest in München: Der jetzt verstorbene Politiker beherrschte die Bierzelte wie kaum ein anderer. Sein Erfolgsrezept war die Nähe zu den Wählern

Von Markus Brauer

Nach dem Tod von Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger in einem Berliner Hotel haben Polizei und Staatsanwaltschaft in der Bundeshauptstadt ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Ziel sei es, „die konkrete Todesursache und den Hergang des Todes herauszufinden sowie ein mögliches Fremdverschulden auszuschließen“, erklärten die Ermittler am Mittwochabend (4. November).

Ihren Angaben zufolge war Aiwanger am frühen Abend tot in einem Hotelzimmer in Berlin-Mitte entdeckt worden. Bundesweit reagierten Politiker mit großer Anteilnahme.

Reaktion der Freien Wähler

Die Bundesvereinigung der Freien Wähler äußerte sich bestürzt über den Tod Aiwangers. Die Freien Wähler Bayern erklärten, der Freistaat verliere „einen Politiker, der wie kaum ein anderer für eine Politik aus der Mitte der Gesellschaft stand“. Sie würdigten Aiwanger als einen Menschen, „der die Nähe zu den Bürgern suchte, der Klartext sprach und sich nicht davor scheute, mit großer Leidenschaft seine Überzeugung zu vertreten“.

„Herausragende Persönlichkeit“

Vizeparteichef Armin Kroder würdigt Aiwanger als persönlichen Freund, „herausragende Persönlichkeit“ und Politiker „mit klaren Überzeugungen und einer unverwechselbaren Persönlichkeit“. Aiwanger habe „maßgeblich dazu beigetragen, dass aus einer kommunal verwurzelten politischen Kraft eine feste Größe“ in der bayerischen Landespolitik geworden sei.

Landtagsfraktionschef Florian Streibl erklärt: „Tief bestürzt, mit unendlich tiefer Trauer und Entsetzen müssen wir akzeptieren, dass unser Hubert Aiwanger viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde.“ Bayern werde ohne ihn „ein anderes sein“.

Söder: „Absolute Tragödie“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) reagiert tief betroffen. „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie. Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst bei seiner Familie und seinen Kindern“, betont er. Aiwanger war bayerischer Wirtschaftsminister sowie stellvertretender Ministerpräsident. Er wurde 55 Jahre alt.

Mordkommission ermittelt

Die Ermittlungen zum Tod des Politikers übernahm eine Mordkommission des Berliner Landeskriminalamts gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft. Weitere Angaben machten die Behörden zunächst nicht. „Die Ermittlungen dauern an“, hieß es am Abend lediglich.

Die Freien Wähler hatten am Mittwoch in Berlin offiziell ihr neues Hauptstadtbüro eröffnet. Berichten zufolge fehlte Aiwanger während der Veranstaltung seiner Partei überraschenderweise.

Nach Angaben des bayerischen Wirtschaftsministeriums wollte Aiwanger am Mittwoch in Berlin Termine für seine Partei wahrnehmen. Der bayerische Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) machte sich demnach „umgehend“ auf die Rückreise nach Bayern. Er erfuhr während einer offiziellen Delegationsreise der Landesregierung in Singapur vom Tod des Ministers.

Seit 2018 bayerischer Wirtschaftsminister

Aiwanger war seit 2018 bayerischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Regierungschef, seine Partei regiert im Freistaat in einer Koalition mit der CSU. Die bayerischen Freien Wähler führte Aiwanger seit 2006, seit 2008 war er Abgeordneter im Landtag.

Seit 2010 amtierte der in Ergoldsbach geborene Agraringenieur auch als Bundesvorsitzender der Freien Wähler. Die Freien Wähler waren zeitweise auch in den Landtagen von Rheinland-Pfalz und Brandenburg vertreten.

„Völlig unerwarteter Tod“

Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) äußert „große Bestürzung und Fassungslosigkeit“. Aiwangers „völlig unerwarteter Tod“ sei „ein schwerer Verlust für den bayerischen Landtag, für die Politik in Bayern“. Die CSU äußerte sich „tief betroffen und fassungslos“.

Mit großer Anteilnahme reagieren Politiker bundesweit auf den Tod Aiwangers. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) würdigt Aiwanger als „streitbaren Politiker, für den seine bayerische Heimat immer im Mittelpunkt stand“. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) bezeichnet diesen als „streitbaren Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte“.

Bodenständigkeit war Aiwangers Erfolgsrezept

In der jüngeren Parteiengeschichte in Deutschland drückten nur wenige Politiker ihrer Partei so den Stempel auf wie Aiwanger. Der am 26. Januar 1971 in Ergoldsbach in Niederbayern geborene Politiker war Bauernsohn und selbst Diplomlandwirt. Auch als Spitzenpolitiker half er bei der Arbeit im Stall.

Diese Bodenständigkeit verschaffte ihm gerade in der ländlichen Bevölkerung viel Respekt. Und sie war bei Aiwanger authentisch. In seinen Anfängen als Politiker ging er beim politischen Aschermittwoch der CSU in Passau selbst über den Parkplatz und steckte den CSU-Anhängern Flugblätter seiner Partei hinter die Scheibenwischer ihrer Autos.

Auf CSU-Wähler im ländlichen Raum gezielt

Auf die CSU-Wähler zielte Aiwanger, der bei den Christsozialen selbst keine Heimat fand, von Anfang an. Aiwanger hatte das feine Gespür dafür, dass die CSU sich in der Spätphase von Edmund Stoiber immer weiter von der ländlichen Bevölkerung entfernte. Die Bauern und auch viele Menschen auf dem Land waren enttäuscht von der CSU - in Aiwanger fanden sie jemanden, der ihre Forderungen aufgriff.

Manche Kritiker warfen Aiwanger immer wieder vor, am rechten Rand zu fischen. In der Flüchtlingskrise 2015, während der Coronapandemie und auch im Wahlkampf von 2023 verbreitete er Äußerungen, die immer wieder zu Kritik führten. Auch in der Landesregierung mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) krachte und knirschte es deshalb immer wieder. Aber gerade in jüngster Zeit lief die Zusammenarbeit in der bayerischen Koalition harmonisch und unaufgeregt.

In diesem Hotel in der Berliner Innenstadt wurde die Leiche Hubert Aiwangers am Mittwochabend (4. November) gefunden. Nun ermittelt die Mordkommission.

© Imago/Anadolu Agency

In diesem Hotel in der Berliner Innenstadt wurde die Leiche Hubert Aiwangers am Mittwochabend (4. November) gefunden. Nun ermittelt die Mordkommission.

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Erstellt:
5. November 2026, 08:36 Uhr
Aktualisiert:
5. November 2026, 13:06 Uhr

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