Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Freiflächensolaranlage für die Froschgrube

Vertreter der Süwag und NEV präsentieren dem Murrhardter Gemeinderat die Konzeption. Dieser beauftragt die Stadtverwaltung, das Projekt zur Nutzung der Altlastenfläche zu konkretisieren. Für ein Gewerbegebiet wären die nötigen Investitionen zu hoch.

In der Froschgrube soll eine 8000 bis 10000 Quadratmeter große Freiflächensolaranlage entstehen. Auch der Hackschnitzellagerplatz soll erweitert werden.Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

In der Froschgrube soll eine 8000 bis 10000 Quadratmeter große Freiflächensolaranlage entstehen. Auch der Hackschnitzellagerplatz soll erweitert werden.Foto: J. Fiedler

Von Elisabeth Klaper

Murrhardt. Die Stadtverwaltung habe überlegt, die Situation der Altlastenfläche Froschgrube zu verbessern und weiterzuentwickeln, berichtete Bürgermeister Armin Mößner in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Für die zuerst angedachte Nutzung als Gewerbegebiet wären aber beträchtliche Erschließungs-Investitionen erforderlich. Zwar ergab eine Untersuchung der Altlast durch Industrie- und andere Abfälle unbedenkliche Werte, doch bestehe ein Restrisiko, das potenzielle Interessenten abschrecken könnte.

Darum habe man diese Idee mangels Wirtschaftlichkeit verworfen und stattdessen ein Konzept zur Nutzung durch eine 8000 bis 10000 Quadratmeter große Freiflächensolaranlage mit einer Leistung von rund einem Megawatt/Peak entwickelt. Damit könne die Stadt „einen Beitrag leisten, um mit erneuerbaren Energien etwas Gutes für den Klimaschutz zu tun“, betonte Mößner. Auch der örtliche Motorsportclub könne eine etwa 3000 Quadratmeter große Fläche der Froschgrube als Trainingsgelände nutzen, und der rund 1500 Quadratmeter große Hackschnitzellagerplatz für die Nahwärmeheizanlagen der Stadtwerke wird um etwa 1000 Quadratmeter erweitert.

Als Partner zur Umsetzung des Projekts hat die Stadtverwaltung den Energieversorger Süwag und den Neckarelektrizitätsverband (NEV) ins Boot geholt. Die Froschgrube sei ideal für eine Freiflächensolaranlage geeignet: „Günstiger bekommen wir’s fast nicht hin“, auch da bereits eine Leitung in direkter Nähe vorhanden ist, freute sich Michael Meyle, Regionalleiter des Netzgeschäfts der Süwag-Tochter Syna. Zwischen der Wilhelm-Soehnle-Straße und der Landesstraße 1066 werde eine neue Trafostation gebaut als Übergabestation und Einspeisestelle in eine Leitung des 20000 Volt-Mittelspannungsnetzes.

Eine Beteiligung an der Energiegenossenschaft ist möglich

Ziel sei eine Freiflächensolaranlage mit Nachhaltigkeitsstrategie und hoher Akzeptanz vor Ort in einem wirtschaftlichen Rahmen, betonte Axel Menze, Geschäftsführer der Süwag Grüne Energien und Wasser. Dafür sei die Gründung einer Kommanditgesellschaft (KG) erforderlich, wofür es mehrere Optionen gebe. Etwa eine KG unter dem Dach einer Süwag-Projektentwicklungsgesellschaft mit Beteiligung der Stadt und Stadtwerke, der örtlichen (Bürger)-Energiegenossenschaft Murrhardt (EGM) und dem NEV. Oder die Stadt, Süwag und NEV beteiligen sich mit dem Projekt an der EGM. Dabei würde die Süwag die Anlage planen und bauen, die EGM wäre Betreiber, Stadtwerke oder Süwag können den Betrieb übernehmen.

Der in der Anlage erzeugte Grünstrom könne regional vor Ort vermarktet werden über einen Langfristvertrag mit einer Erstlaufzeit von mindestens zehn Jahren: Die Stadt könnte ihn für öffentliche Gebäude und Einrichtungen nutzen, aber auch an Industrie- und Gewerbekunden der Region verkaufen. Möglich wäre auch eine Vermarktung über die EGM als „Bürgerstrom Froschgrube“ mit Vertrieb an regional begrenzte Endkunden. Um das Projekt realisieren zu können, ist ein Bebauungsplan aufzustellen, ein Gestattungsvertrag für den Bau und Betrieb der Anlage abzuschließen, die Beteiligung der Stadt an der Anlage zu beschließen sowie die Genehmigung von Bebauungsplan und Änderung des Flächennutzungsplans herbeizuführen.

Mit Blick auf die Dauer der Verfahren plane man mit ein bis zwei Jahren, bis das Projekt realisiert ist. Die Investitionskosten der Anlage mit modernsten Hochleistungsmodulen, gegründet auf einer Unterkonstruktion mit Rammprofilen, betragen etwa 600 Euro pro Kilowatt/Peak, etwa 25000 Euro für den Anschluss und rund 60000 Euro für die Übergabestation. Man strebe eine möglichst gleichmäßige Stromerzeugung über den Tag an und wolle Mittagsspitzen vermeiden, verdeutlichte Axel Menze.

Alle Fraktionen im Gemeinderat befürworten das Projekt

NEV-Geschäftsführer Mario Dürr informierte kurz über den 1920 gegründeten Verband, in dem Murrhardt seit den 1930er-Jahren Mitglied ist: Er unterstützt die Kommunen bei der Elektrizitätsversorgung. Mit der Tochter NEV Erneuerbare Energien GmbH beteilige er sich an Wind- und Solarparks sowie Freiflächensolaranlagen und finanziere diese auch mit.

Unisono signalisierten die Fraktionssprecher ihre Zustimmung zum Projekt. „Das ist ein Wunsch von mir gewesen und die optimale Lösung für diese Fläche“, auch wegen der günstigen Topografie, fand Edgar Schäf (SPD). Er schlug vor, „einen kleinen Energiepark“ mit 10000 Quadratmetern zu schaffen, die Zufahrtsstraße und den Hackschnitzellagerplatz zu befestigen und das Ganze möglichst schnell umzusetzen. Die Anlage erzeuge so viel Strom, dass man etwa 450 Haushalte versorgen könnte, beantwortete der Rathauschef eine Nachfrage des SPD-Fraktionsvorsitzenden.

Zwar sei er „kein Freund von Freiflächensolaranlagen“, doch „für diesen Standort ist dies fast die einzig mögliche Nutzung. Eine Bürgerbeteiligung würde ich sehr begrüßen, auch wäre es gut, wenn wir den Strom regional vermarkten könnten, das würde die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit der Anlage steigern“, verdeutlichte Hartmann Widmaier. Die Laufzeit der Anlage betrage 30 Jahre, beantwortete Axel Menze eine Nachfrage des Stadtrats der Fraktion MDAL/Die Grünen.

Für eine höhere Akzeptanz gelte es aktiv auf die EGM und private Investoren zuzugehen, forderte Andreas Winkle (CDU-FWV). Man werde zeitnah Gespräche mit der EGM führen, kündigte der Bürgermeister an. Brigitte Kübler (UL) regte an, den Hackschnitzellagerplatz zu überdachen, darauf zusätzliche Solarmodule zu installieren und auch die restlichen öffentlichen Dachflächen für die Erzeugung von Solarenergie zu nutzen. Die Überdachung könne man prüfen, auch habe man andere Dachflächen auf dem Schirm, so Mößner. Geschlossen beauftragte das Stadtparlament die Stadtverwaltung, die Planung der Freiflächensolaranlage in der Froschgrube weiter zu verfolgen und das Projekt zu konkretisieren.

Zum Artikel

Erstellt:
17. Juli 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!