Frischer Wind für die Kastanie

Das Gasthaus im Zentrum Kirchenkirnbergs liegt seit Langem im Dornröschenschlaf. Nun möchten es Claudia Zerrweck und Nikolai Sztuparits wachküssen. Ab dem 11. Januar ist in der Regel sonntags geöffnet. Auf dem Programm steht auch eine monatliche Mottoparty für junge Leute.

Claudia Zerrweck und Nikolai Sztuparits freuen sich, am kommenden Sonntag in der Küche für ihre Gäste zu wirbeln. Fotos: Stefan Bossow

© Stefan Bossow

Claudia Zerrweck und Nikolai Sztuparits freuen sich, am kommenden Sonntag in der Küche für ihre Gäste zu wirbeln. Fotos: Stefan Bossow

Von Christine Schick

Kirchenkirnberg. Claudia Zerrweck und Nikolai Sztuparits sind vor rund sechs Jahren nach Kirchenkirnberg gezogen. „Das Gasthaus Kastanie ist uns gleich ins Auge gefallen. Als wir festgestellt haben, dass es geschlossen hat, fanden wir das schade und haben gesagt, eigentlich sollte es wieder jemand aufmachen“, erzählt Claudia Zerrweck. Dass sich das Paar selbst dieses Vorhabens annehmen würde, war damals noch kein Thema. Als Neu-Kirchenkirnberger wollten sie aber auch erste Kontakte knüpfen und traten in den Verein Bürgerschaft ein. Über ein paar Treffen hinaus war zunächst nicht ganz so viel Zeit – beide sind in Vollzeit berufstätig, erzählen sie. Claudia Zerrweck bei einem Telekommunikationsanbieter auf der Ostalb, Nikolai Sztuparits arbeitet im Facility-Management für große Firmen wie europaweite Brauereigruppen sowie als Kfz-Sachverständiger.

Vor drei Jahren kam bei dem 45-Jährigen erstmals die Idee auf, dass es spannend wäre, in der Gastronomie seine Fühler auszustrecken. „Ich bin schon rund acht Jahre selbstständig und dachte, das könnte mir gefallen“, erinnert er sich. Vor einem Vollzeitprojekt hatte er aber auch Respekt und die Sache ruhte zunächst wieder.

Als Kfz-Sachverständiger hat Nikolai Sztuparits auch mit Menschen zu tun, die ältere Autos hegen und pflegen und eine emotionale Bindung zu ihrem Fahrzeug haben, wie er sagt. Vor diesem Hintergrund hat er eine Oldtimerakademie gegründet, um bei Treffen Wissen rund um die Fahrzeuge zu vermitteln, da er selbst leidenschaftlich in dem Bereich unterwegs ist. Als es darum ging, für die Zusammenkünfte einen Ort zu finden, an dem man zur Akademie einladen und gemütlich zusammenkommen kann, kam dem 45-Jährigen die Kastanie wieder in den Sinn. Im Gespräch mit der Familie Fritz, die das Gasthaus lange Zeit in Kirchenkirnberg betrieben hat, kristallisierte sich heraus, dass sie sich eine Vermietung für Einzelveranstaltungen vorstellen konnte. Auch eine Wiederbelebung war in ihrem Sinne, sodass sich Claudia Zerrweck und Nikolai Sztuparits erneut mit dieser Idee beschäftigten.

Einfache, bodenständige Küche

Ab da wurde das Projekt relativ schnell konkreter und die beiden tüftelten an einem Konzept, erst einmal ein Gastroangebot in kleinem Rahmen auf die Beine zu stellen. Mit einem überschaubaren Kernteam – Claudia Zerrweck und Nikolai Sztuparits sind für die Küche und das Essen zuständig sowie zwei Freunde, die Erfahrung in der Gastronomie mitbringen, für den Service – wollen sie nun zunächst in der Regel sonntags von 10 bis 17 Uhr öffnen. Gestartet wird am kommenden Sonntag, 11. Januar. Anbieten wird das Team eine einfache, bodenständige Küche – neben schwäbischen Klassikern sollen auch zwei vegetarische Gerichte auf der Speisekarte stehen.

Einen ersten Testlauf gab es Mitte Dezember, bei dem das Quartett rund 30 Freunde und Bekannte zu Tisch gebeten und bewirtet hatte. „Das war natürlich aufregend“, sagt Claudia Zerrweck. Die Sache lief gut und mündete in zwei weitere Öffnungstage. Am 24. Dezember empfingen sie ab 18 Uhr Gäste, die Heiligabend nicht allein zu Hause verbringen wollten und nun ihre ersten offiziellen Besucherinnen und Besucher waren. Die rund zehn Gäste vor allem von außerhalb ließen sich gut umsorgen. Am 25. Dezember wurde dann für Familie Fritz gekocht, um sich noch mal in Ruhe auszutauschen.

Weitere Themen

Dieser Abend sorgte zudem für eine Überraschung. „Es standen rund 20 junge Leute vor der Tür“, erzählt Nikolai Sztuparits. Sie waren mit dem Plan losgezogen, dem schwäbischen Brauch des Christbaumlobens zu frönen. Der sieht vor, Freunde und Bekannte zu besuchen, den Christbaum überschwänglich zu preisen, dafür einen Schnaps oder einen Likör zu bekommen und so die Kontakte zu pflegen. Auf dem Weg waren sie neugierig geworden, als sie Licht in der Kastanie sahen. Die jungen Kirchenkirnberger bekamen am Abend noch etwas ausgeschenkt und haben die beiden auf eine weitere Idee gebracht: Künftig möchten sie für junge Leute einmal im Monat eine Mottoparty bis 22 Uhr anbieten.

Unter dem Strich könnte ein guter Monat vier Sonntage, zwei Treffen der Oldtimerakademie und besagte Mottoparty bereithalten. Offen ist das Paar auch für Veranstaltungen, die sich entsprechend absprechen ließen. Wenn das Angebot insgesamt gut angenommen wird, können sich die beiden auch vorstellen, es zu erweitern. Denkbar sei beispielsweise ein Mittagstisch die Woche über bis hin zu regelmäßigen Öffnungstagen von Dienstag bis Sonntag.

Zu dem hoffnungsfrohen Start beigetragen hat auch die Stadtverwaltung Murrhardt, die sie bei der Beantragung der Konzession engagiert unterstützt hat. „Wir waren vom Bürgerbüro restlos begeistert“, sagt die 49-Jährige. Claudia Zerrweck und Nikolai Sztuparits freuen sich sehr, dass sie mit ihrem Gastroprojekt klein anfangen und es je nach Situation weiterentwickeln können. Ihr Ziel ist, sich nun in die Aufbauphase zu werfen und dieses Jahr zumindest null auf null rauszukommen und danach auch Geld damit zu verdienen, erläutert NikolaiSztuparits.

Service und Willkommenskultur im Blick

Angesichts von vielen Lkw-Fahrern, die durch den Ort kommen und für ein Vesper oder eine warme Mahlzeit dankbar sein könnten, sowie zur wärmeren Jahreszeit auch von Wanderern und Touristen hoffen sie auf künftige Gäste auch in der ländlichen Gegend. Ein echter Pluspunkt: der rund 25 Quadratmeter große Biergarten der Kastanie. Ein klein wenig Ehrgeiz klingt da auch durchaus an: Wenn einmal größere Gruppen kommen sollten, wäre für den 45-Jährigen das Ziel, die Gerichte jeweils parallel aufzutischen, damit alle gemeinsam tafeln können. „Organisation ist seine Sache“, sagt Claudia Zerrweck und grinst. Wichtig ist ihr ganz besonders: „Jeder soll sich hier willkommen fühlen.“ Das bedeutet letztlich Toleranz von allen Gästen, macht das Miteinander aber auch bunter und interessanter, so ihre Überlegung.

Das Gasthaus zur Kastanie liegt zentral und verfügt auch über einen Biergarten.

© Stefan Bossow

Das Gasthaus zur Kastanie liegt zentral und verfügt auch über einen Biergarten.

Speisekarte und Veranstaltungen

Infos Das Gasthaus zur Kastanie, Schmiedgasse 21, in Kirchenkirnberg lädt nun in der Regel jeden Sonntag zum Besuch ein. Wer sichergehen möchte, kann sich auf der Homepage www.gasthaus-kastanie.de informieren, wann beziehungsweise ob geöffnet ist. Dort finden sich neben E-Mail-Adresse die Speisekarte und Informationen zu weiteren Veranstaltungen genauso wie ein QR-Code mit der Möglichkeit, einer WhatsApp-Gruppe beizutreten, über die rund um die Kastanie informiert wird.

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Erstellt:
8. Januar 2026, 06:00 Uhr

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